Odenwald-weite Motorradkontrollen mit Präventionscharakter: 16 Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen, 19 waren mehr als 41 km/h zu schnell

Als die laut bollernde Harley Davidson auf den Parkplatz beim Festplatz einbiegt, richten sich automatisch alle Blicke auf die Maschine. Aber ihr „Lärm“ war im grünen Bereich. Nicht nur auf zu laute Zweiräder hatte es die Polizei im Zuge des Schwerpunktprogrammes „Verkehrssicher in Hessen“ abgesehen, sondern auch auf Raser. Im Vordergrund stand aber die Info: „Wir wollen den Bikern auf Augenhöhe begegnen“, formulierte es Polizeidirektor Hartmut Scherer vom Polizeipräsidium Südhessen in Darmstadt.

Von der „Zentrale“, dem Präventionsmobil in Erbach-Ebersberg aus, fanden am Sonntag Odenwald-weite Motorradkontrollen statt, die vor allem Präventionscharakter haben sollten. Besondere Zielgruppe waren Wiedereinsteiger auf zwei Rädern, die in jungen Jahren den Führerschein gemacht hatten und sich in gesetzterem Alter eine starke Maschine kaufen, um das das „Easy-Rider-Feeling“ auszuleben.

Wobei dann ein großer Unterschied zu früher besteht – bei den PS-Zahlen wie auch beim Verkehrsaufkommen. Darüber informierte ein nagelneuer Film. Der erste Polizeihauptkommissar Michael Prenzlow wies in diesem Zusammenhang auch auf das Fahrsicherheitstraining hin, um Defizite gegenüber früheren Kenntnissen auszugleichen. Mit der „Rennleitung 110“ waren außerdem im Verein organisierte Fahrer mit Polizeihintergrund unterwegs, „um die Botschaft an den Mann zu bringen“.

30 Beamte nicht nur aus Hessen, sondern auch aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, waren zusammen mit der Krad-Staffel auf den Straßen des Bergstraßen- und Odenwaldkreises unterwegs, um die Geschwindigkeit zu überwachen, aber auch technische Veränderungen an den Zweirädern in Augenschein zu nehmen. Bei der Polizei hat man festgestellt, dass ein Gespräch von Biker zu Biker viel besser funktioniert, als wenn irgendwo ein Polizeiwagen steht.

„Wir wollen mit den Fahrern übers gemeinsame Hobby reden“, formulierte es Pressesprecher Sebastian Trapmann. Denn viele der Motorradpolizisten sind in ihrer Freizeit auch auf zwei Rädern unterwegs. Themen, die die Polizei beschäftigen, „wollen wir an die Biker weitergeben und für Fragen zur Verfügung stehen“. Was am Vesperhäusel vorzüglich funktionierte, wie die angeregten Unterhaltungen zeigten. In den „Benzingesprächen“ wurden Vorurteile abgebaut und Barrieren überwunden, freute sich Trapmann.

Daneben gab es aber auch stationäre Kontrollen wie auf der B 47 von Michelstadt nach Amorbach, wo die Verkehrssicherheit der Geschosse überprüft wurde. In Lindenfels oder Mörlenbach wiederum ging es vor allem um den Motorrad-Verkehrslärm, der vor Ort schon öfters moniert worden war. Wieder anderswo, etwa am Krähberg oder auf der Rennstrecke zwischen der Kreidacher Höhe und Zotzenbach, wurde das Sonntagsfahrverbot kontrolliert. In Erbach oder Mossautal wurden Gefährte aus dem Verkehr gezogen, die den Beamten spanisch vorkamen.

Einen „rundum gelungenen Einsatz“ mit „vielen netten Gesprächen“ bilanzierte Trapmann im Verlauf des Nachmittags. Es habe viel positive Resonanz gegeben. Was auch Scherer bestätigte. Er hob hervor, dass es der Polizei bei ihren Einsätzen um die „schwarzen Schafe“ gehe, die einfach beratungsresistent seien. Bei diesen gehe man auch mit aller Härte des Gesetzes vor. Diese „Renitenten“ erreiche man besser von zwei als von vier Rädern aus.

„Die Raser stehen nicht für die Masse“, unterstrich der Polizeidirektor. Bei der überwiegenden Zahl sei die Einsicht über zu schnelles Fahren vorhanden. Vielmehr sei so, dass sich die, die sich an die Regeln halten, das Fehlverhalten anderer ausbaden müssten. Mit einem Pilotprojekt in Hessen, das den Einsatz ziviler motorradstreifen vorsieht, „wollen wir die wenigen Unverbesserlichen erreichen“.

„Die Menschen sollen gesund nach Hause kommen“, formulierte es Scherer. In diesem Jahr habe es bereits zwei tödliche Unfälle im Bereich des PP Südhessen gegeben. Weitere gelte es zu verhindern „und die Zahl der Schwerverletzten soll runter“. Eigentlich, ergänzte Prenzlow zum Zweck der Prävention, „wollen wir niemanden anhalten müssen“.

Insgesamt überprüften die Polizisten am Sonntag 369 Motorräder und untersagten 16 Fahrern wegen zu hoher Geräuschentwicklung die Weiterfahrt. Darunter waren ein 32-Jähriger aus dem Main-Taunus-Kreis mit einer nicht genehmigten Auspuffanlage sowie ein 19-Jähriger aus Offenbach wegen eines demontierten DB-Killers. Das gleiche Schicksal ereilte auch vier Biker, die auf der Bundesstraße 47 bei Lindenfels ohne zulässige Auspuffanlage in eine Polizeikontrolle kamen.

Bei Geschwindigkeitsmessungen fielen trotz erheblicher Polizeipräsenz 232 Fahrzeuge wegen zu hoher Geschwindigkeit auf. Bei 20 „Rasern“, davon 19 Motorradfahrern, betrug die Überschreitung mehr als 41 km/h, was ein Fahrverbot zur Folge haben dürfte. Einige wenige Biker hielten sich auch nicht an die Streckensperrungen am Krähberg, in Zotzenbach und im Sensbachtal. Hier stoppten die Beamten 28 Motorradfahrer und erstatteten Anzeige.

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