Einwohner von Finkenbach, Hinterbach und Raubach wehren sich „ganz oben“ gegen die Einkesselung durch Windräder

Das Wort von der „Einkesselung“ geht um. Was sich sehr militärisch-martialisch anhört, passt zur sich verschärfenden Diskussion um die Windkraft, die immer härtere Züge annimmt. Der Widerstand gegen den Entwurf des Regionalplans Südhessen, der vor allem im südlichen Odenwald eine Unzahl Windräder zulässt, wird immer heftiger. Nun tragen Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher den Protest ganz nach oben, unter anderem zum hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Letztendlich, so Matthias Heiß als Sprecher der Initiative, werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe. Deshalb lag für die Einwohner der drei Rothenberger Ortsteile der Schluss nahe, mit ihrem Anliegen an die Spitze der Entscheidungsträger zu gehen, um dort mehr Rücksichtnahme auf ihre Belange einzufordern.

„Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte Heiß. Die entsprechende Stellungnahme werde sowieso vom Odenwaldkreis und seinen zugehörigen Kommunen erarbeitet und beim RP eingereicht. Jedoch wollen die Finken-, Hinter- und Raubacher nicht warten, „was man über Kreis und Gemeinde machen kann“, sondern selbst die Initiative ergreifen.  Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen.

Neben dem WGR-Gemeindevertreter gehören weitere in den drei Ortsteilen wohnhafte Mandatsträger und Gemeindevorstände zu den Unterzeichnern des parteiübergreifenden Schreibens: Rainer Flick (WGR-Gemeindevorstand), Volker Schindler, Alexander Link (beide SPD), Martin Menges (CDU/BuLiRo) und Christa Helm (WGR). „Wir wehren uns nicht gegen Windkraft per se“, hob Heiß hervor. Sondern eben speziell gegen die „Einkesselung“.

Diese ist für die politischen Vertreter „nicht tragbar“, da sie eine deutliche Verschlechterung zur Lebensqualität zur Folge hat. Der neue Regionalplan-Entwurf habe „die bisherige Odenwaldplanung ad absurdum geführt“. Im Entwurf ist nicht nur der Höhenzug zwischen Finkenbach und Olfen enthalten, sondern einige weitere Gebiete im Bereich Rothenberg, Beerfelden, Etzean und Airlenbach. Und das nur im Odenwaldkreis.

Richtung Überwald ziehen sich die möglichen Windvorranggebiete wie an einer Perlenkette die Hügelkette vom Greiner Eck hoch bis nach Aschbach. Dazu weist der Eberbacher FNP im Badischen mehrere mögliche Rotoren oberhalb von Brombach aus, die sich auf hessischer Seite im Flockenbusch fortsetzen. Mittels einer Grafik wird klar, dass alle drei Ortschaften auf 360 Grad von Windrädern umzingelt wären.

Heiß macht darüber hinaus aber deutlich, dass sich die Gemeinde und ihre Vertreter „seit einigen Jahren konstruktiv und aktiv an den Diskussionen für die Platzierung von Windkraftanlagen im Odenwald“ beteiligten. Zusammen mit dem Odenwaldkreis habe man eine annehmbare Lösung erreicht, die auch in den Flächennutzungsplan (FNP) des Kreises aufgenommen wurde. „Allerdings wurde nach Fertigstellung des Plans dieser vom RP zurückgewiesen.“

Neben den hohen Kosten, die somit vergeblich waren, war auch „das bisherige lösungsorientierte Engagement obsolet“. Erneut müsse man nun dagegen ankämpfen, „nicht eingekesselt zu werden“. Das Schreiben betont, die Umstellung auf erneuerbare Energie müsse zusammen mit den Bürgern erfolgen. „Wir haben unseren Teil konstruktiv eingebracht.“ Die Verwaltungen von RP, Land und Bund „haben dies jedoch in keinster Weise gewürdigt“, obwohl der Plan bereits während der Erstellung abgestimmt wurde.

Für die Unterzeichner ist deshalb klar: „Wir fordern eine Rückkehr zum ursprünglichen FNP sowie eine Abkehr von der Einkesselung der Bürger.“ Ausdrücklich werden die Adressaten um Unterstützung gebeten und darum, „sich persönlich für unser Anliegen einzusetzen“. Bei einem Ortstermin, so bieten die Mandatsträger an, könne man die Folgen der aktuellen Planung gerne erläutern.

Verteiler des Schreibens: Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramts, Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Landtagsmitglieder Rüdiger Holschuh und Judith Lannert, Bundestagsmitglieder Patricia Lips und Jens Zimmermann, Landrat Frank Matiaske, Landrat a.D. Horst Schnur, Harald Buschmann, Mitglied der Regionalversammlung Südhessen.

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