Verkehrs- und Verschönerungsverein Rothenberg öffnete am Mühlentag wieder die „Alte Pumpe“

Schöner Erfolg für den Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVR): Beim Mühlentag am Pfingstmontag machten sich trotz des anfangs durchwachsenen Wetters viele Ausflügler auf zum Industriedenkmal zwischen Kortelshütte und Rothenberg. „Mich fasziniert, was vor über 100 Jahren technisch schon möglich war“, sagte Vorsitzender Thomas Wilcke über die „Alte Pumpe“. Außerdem habe das Bauwerk „einen ganz besonderen Wert“, da es heutzutage einzigartig und Relikt einer vergangenen Zeit sei.

Um es der breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, öffnet es der VVR zwei Mal im Jahr für die Öffentlichkeit. Unter anderem war eine amerikanisch-deutsche Familie mit Wurzeln in Breuberg zur Besichtigung vor Ort, die dann weiter ins Neckartal fuhr. Schon um die Mittagszeit ist Wilcke zufrieden mit der Resonanz. 20 Besucher kamen bereits vorbei, um sich das damalige Wunderwerk der Technik anzuschauen. Im weiteren Verlauf des Tages kamen noch etliche dazu.

Mit der Pumpe war es zu Beginn des 20. Jahrhunderts endlich möglich, zuerst für Rothenberg und dann auch für Kortelshütte sowie Ober-Hainbrunn eine gesicherte öffentliche Wasserversorgung herzustellen. Denn der Zweizylinder-Wassermotor mit Drillingspumpe beförderte das Nass vom Gammelsbachtal über 290 Höhenmeter in den Rothenberger Hochbehälter.

In den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor „herrschte Wasserknappheit“, weiß der VVR-Vorsitzende. Durch den Sandsteinuntergrund sei das Wasser sehr schnell versickert. Auch Tiefbrunnen konnten die Misere nicht lösen. Ab dem 19. Jahrhundert wurden Stollen in den Felsen getrieben worden, um des kühlen Nass‘ habhaft zu werden. Im Unterdorf auf 400 Metern „ging das auch recht gut“, erzählte Wilcke.

Weiter oben „herrschten aber regelmäßig Wassernotstände“. Dort, wo die Tagelöhner wohnten, habe das auch zu einer Belastung der Familien geführt. „Die Frauen mussten das Wasser hoch- und die Wäsche runtertragen.“ Beschwerden über die unhaltbare Situation seien bis nach Darmstadt vorgedrungen. Dort, erläutert der Vereinsvorsitzende, sei am Ende des 19. Jahrhunderts eine Art „Konjunkturprogramm“ aufgelegt worden, um auch die abgelegenen Odenwald-Gemeinden ans öffentliche Wassernetz anzuschließen.

Zupass kam den damaligen Ingenieuren laut Wilcke, dass es auf 250 bis 270 Meter in beiden Tälern Tonschichten gab, auf denen sich das Wasser sammelte und ergiebige Quellen speiste. „40 Meter unterhalb wurde der ‚Große Brunnen‘ im Gammelsbachtal gefasst“, so Wilcke. Die dort erreichten vier Bar Wasserdruck reichten, um mit dem Motor der Schweizer Firma Schmid das Nass fast 300 Meter in die Höhe pumpen zu können.

„Dieser Wassermotor ist ein Unikat. Den gibt es nur noch ein weiteres Mal in Deutschland“, weiß er. Weil die Anlage so wartungsanfällig gewesen sei, wurde sie 1904, zwei Jahre nach Fertigstellung, gleich ein zweites Mal installiert – damit immer eine in Betrieb sein konnte. Mit dem Druckwasser lasse sich die Energie gewinnen, führte Wilcke aus.

Ähnlich einer Dampfmaschine drückt das Wasser auf die Kolben der zweizylindrigen Maschinen. „Die Kolbenstangen übertragen die Bewegung und die Kraft auf die Kurbelwelle.“ Auf der einen Seite der Kurbelwelle sitzt das Schwungrad, auf der anderen Seite die Kupplung, die Motor und Pumpe miteinander verbinde. Beachtenswert sei die Steuerung der Wassermotoren durch die unterhalb der Zylinder angeordneten Schieber.

Nach dem Ausbau von Wassermotor und Pumpe aus dem alten Pumpenhaus im Tal des Clemensbrunnens auf Gammelsbacher Seite erfolgte Ende der 1990er Jahre die aufwändige Restaurierung durch den Verein Museumsstraße Odenwald. Da das alte Pumpenhaus recht unzugänglich liegt, entschloss man sich, an verkehrsgünstig gelegener Stelle ein neues Gebäude zu errichten und die Anlage darin funktionsfähig zu installieren. Seit inzwischen 14 Jahren öffnet der VVR diese für die interessierte Öffentlichkeit, nachdem sie 2002 zum 100-jährigen Bestehen der Pumpe eingeweiht worden war.

Info: Eine Besichtigung der Anlage ist nach Anmeldung bei der Gemeinde Rothenberg unter Telefon 06068/7590-800 möglich.

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