Kochen ist auf seiner Insel einfach eine Pracht: Mit seiner Meister-Kochinsel gewann Daniel Pracht aus Falken-Gesäß den Bad Wildunger Designpreis

Mit seiner Kochinsel hat er in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt. Dabei ging es Daniel Pracht von der gleichnamigen Schreinerei im kleinen Beerfelder Ortsteil eigentlich erst einmal darum, im Rahmen seines Meisterkurses eine Idee fürs eigene Zuhause praktisch in die Tat umzusetzen. Der 31-Jährige hatte nicht damit gerechnet, dass er damit gleich den renommierten Bad Wildunger Designpreis gewinnen und extrem positives Feedback bekommen würde. Jetzt sammelt er Anregungen, damit das gute Stück in Serie gehen kann.

Eine Kochinsel wollte der Schreinermeister schon länger für seine Wohnung bauen. Als es im vergangenen Jahr darum ging, die 2011 begonnene Ausbildung zum Schreiner mit dem Meistertitel abzuschließen, kam der Gedanke als Meisterarbeit wieder ins Spiel. „So konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen“, lacht er. Dabei hat Pracht durchaus den Anspruch an sich selbst: „Wenn ich was baue, dann soll es auch etwas Gescheites sein.“

In dem halben Jahr an der Meisterschule entwickelte der Schreiner seine Idee weiter und verfeinerte sie. Dass sie so einschlagen würde, vermutete er selbst nicht. „Bis vor sechs Wochen dachte ich nicht im Traum daran, die Kochinsel zu verkaufen“, gesteht Pracht. Die Schablonen hatte er sogar schon entsorgt. Aber die „super Rückmeldungen“ nach der Ausstellung sorgten für ein Umdenken.

Den letzten Anstoß gab der Maimarkt, wo die Kochinsel ebenfalls aufgebaut war. Als die Besucher stehen blieben und staunten, „war klar, dass ich mir die Chance nicht entgehen lasse“. Design und technische Lösung wurden urheberrechtlich geschützt. Eigentlich, sagt Pracht, ist seine Kochinsel „eine vollwertige Küche“. Denn sie fungiert neben der Möglichkeit zur Essenszubereitung auch als Ess- oder Stehtisch. Der Komplex ist stufenlos höhenverstellbar. Ein Induktionskochfeld ist ebenso ausziehbar wie fünf Massivholzschubkästen für iPad, Messer, Gewürze oder Schneidbrett.

Wie geht es nun weiter mit dem 21.000 Euro teuren Meisterwerk unter dem Arbeitstitel „Square“? „Ich habe die Kochinsel zu verschiedenen Designpreisen angemeldet“, erläutert Daniel Pracht. Außerdem baut er sie als Demonstrationsobjekt in einer zum Verkauf stehenden, exklusiven Frankfurter Penthouse-Wohnung am Messeturm auf. Parallel dazu wird eine Marketingstrategie erarbeitet. Ihm ist wichtig, dass die Produktion im Odenwald stattfindet und „wir hier gut bezahlte Arbeitsplätze schaffen“.

Der Preis kommt nicht von ungefähr zustande, betont der 31-Jährige. „Alles daran ist quasi Handarbeit.“ Bis auf die Aussparung für die Herdplatte, die auf der Maschine gefertigt wird. Drei Wochen lang wird an einem Exemplar gefeilt. Sein Ausstellungsstück hat die Maße 1,32 auf 1,32 Meter, „aber man kann die Kochinsel in allen Größen bauen“. Auch sind zahlreiche Materialformen und -farben sowie Holztypen möglich. Mit diesen Dimensionen ist das besondere Stück laut Pracht vor allem für beengte Bereiche wie kleinere Stadtwohnungen oder Yachten passend.

Obwohl Daniel Pracht den Geruch von Holz und Sägespänen quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen hatte, war überhaupt nicht absehbar, dass er einmal in den elterlichen Betrieb einsteigen würde. Im Gegenteil. „Nach der Schule wollte ich Pilot werden“, schmunzelt er. Denn schon in den Jugendjahren war er bei den Vielbrunner Segelfliegern aktiv. Doch schon während der Bewerbung merkte er: „Das ist nichts für mich.“ Wie auch das anschließende Physikstudium ihm viel zu theoretisch war.

„Ich wollte was Handfestes machen“, besann sich Pracht dann doch auf seine Wurzeln. Und klopfte sozusagen auf Holz. Er wollte eine Arbeit, bei der man „etwas bewegen und umsetzen kann“. Dafür war natürlich der elterliche Betrieb wie geschaffen. Und so überzeugt, wie der heute 31-Jährige seine Motivation schildert, kann man kaum glauben, dass er jemals mit einem anderen Berufswunsch liebäugelte. Pracht ist voll in dem Thema drin, wenn er von seiner Auffassung von Mitarbeiterführung und -motivation spricht, wie sich ein Handwerksbetrieb in der heutigen Zeit für die Zukunft aufstellen soll.

 

 

Schreinerei Pracht

Derr 31-jährige Daniel Pracht ist mit dem Schreinerberuf des elterlichen Betriebs seit Kindesbeinen an vertraut. Schon seit 60 Jahren gibt es die Firma, inzwischen in dritter Generation. Im Wohnhaus am Postweg in Falken-Gesäß ist gleichzeitig auch das Büro untergebracht, es geht beengt heimelig familiär zu.

Gleich neben dem Eingang hat Seniorchef Helmut Pracht seinen Schreibtisch stehen, der Blick nach vorn geht auf zwei Computer mit dem gesammelten Firmenwissen. 16 Mitarbeiter zählt die Schreinerei heute, davon allein vier aus der Familie. Sein Bruder hat gerade im ersten Lehrjahr die Ausbildung zum Schreiner begonnen.

„Die Arbeit soll erfüllen: Das geht nur zusammen“, betont Daniel Pracht. Ihm schweben für die Zukunft Komplettlösungen für Innenausbauten vor, bei denen die Schreinerei als eine Art Kompetenzzentrum mit vielen Spezialisten unter einem Dach fungiert. Dies immer mit dem Anspruch, dass Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zufrieden sind.

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