Hinterbacher feuern am 28. Juli wieder den Kohlenmeiler an

Zehn Tage lang kokelt und schwelt es wieder in der Hinterbach an der Kreisstraße vom Rothenberger Ortsteil Richtung Raubach. Immer im Zwei-Jahres-Rhythmus erinnert das Kohlenmeiler-Team an das alte Handwerk aus früheren Jahrhunderten und pflegt im Wechsel mit dem Schimmeldewäer Kohlenmeiler im Finkenbachtal die alte Tradition. Die „Hinterbacher Köhlertage“ finden von Freitag, 28. Juli, bis Sonntag, 6. August, an der Olfener Straße statt. Das alte Handwerk wird vom Köhlerteam aus dem Ort schon seit über 30 Jahren hochgehalten.

Beginn ist am 28. Juli um 18 Uhr mit dem Anzünden des bereits in wochenlanger Vorarbeit aufgebauten Meilers durch Bürgermeister Hans-Heinz Keursten. Mit etwa 20 Ster Buchen- und Eichenholz rund um den so genannten Quandelschacht wurde er errichtet. Dazu wird glühende Holzkohle in den Quandelschacht gefüllt. Dadurch wird der Verkohlungsprozess eingeleitet.

Ab diesem Zeitpunkt muss der Meiler dann Tag und Nacht bewacht werden, um zu gewährleisten, dass das Holz ordnungsgemäß verkohlt. Es darf keinesfalls brennen. Die Verkohlung wird etwa eine Woche dauern. „Wer einmal mit Meilerkohle gegrillt hat, wird keine andere mehr haben wollen“, wissen die Fachleute. Deshalb ist sie auch am Abschlusstag heiß begehrt.

Die hochwertige Holzkohle wurde früher für Hufschmiede und Erzverhüttungsbetriebe gebraucht. Sogar die Bügeleisen im Haushalt wurden mit ihr gefüllt. Sie zeichnet sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit aus. Ihre gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, damit am Ende nicht nur ein Häufchen Asche übrig bleibt. Denn das um den Quandel aufgeschichtete und mit Gras und Erde luftdicht abgedeckte Holz darf nur langsam von innen nach außen verkohlen und nicht brennen.

Auf dem idyllisch am Waldrand gelegenen Meilerplatz ist die traditionelle Schlafstätte der Köhler aufgebaut. Neben fachkundigen Erläuterungen durch die Köhler sorgen Schautafeln, alte Werkzeuge und Geräte für einen authentischen Einblick in das heute kaum mehr praktizierte Köhlerhandwerk. Im Nachbarort Schönmattenwag gab es noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einen aktiven Köhler, ehe auch dort das alte Handwerk erlosch. Und natürlich besucht man sich gegenseitig, wenn immer im Jahreswechsel die Köhlertage hüben wie drüben der Raubacher Höhe stattfinden.

Am Sonntag, 30. Juli, findet um 9.30 Uhr am Meilerplatz ein Gottesdienst statt. Nach dem Mittagessen folgt ein bunter Nachmittag mit Vorführungen alten Handwerks. Die Gäste können die einzigartige Stimmung und Gastfreundschaft, wie sie unter Köhlern Brauch ist, genießen. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt, wobei das Köhlerteam unter anderem althergebrachte Odenwälder Spezialitäten bereithält. Ab dem 31. Juli werden täglich wechselnde Speisen wie zu Urgroßmutters Zeiten serviert, etwa Erdriewe mit Salzfleisch, Kadoffelgemies oder saure Bohnen aus dem Stänner.

Mittels Kohlenmeilern wird seit dem Altertum Holzkohle hergestellt. Holzkohle ist wesentlich leichter als Fällholz und somit einfacher zu transportieren. Die Köhlerei war in der frühen Neuzeit ein bedeutender Wirtschaftszweig. Damals war Holzkohle der einzige Brennstoff, mit dem man die nötige Hitze für die Eisenverhüttung erzeugen konnte. 1713 wurde ein Verfahren erfunden, um aus Steinkohle hochofentauglichen Koks herzustellen. Danach ging der Verbrauch der teuren Holzkohle trotz steigender Eisenproduktion immer mehr zurück.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden zunehmend Pechöfen verwendet, im 19. Jahrhundert dann auch Retorten. Dies hatte zur Folge, dass immer weniger Kohlenmeiler gebraucht wurden. Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle dann die Holzkohle praktisch ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Die Köhlerei wird nur noch aus Traditionsgründen und für einige Spezialanwendungen von Holzkohle betrieben.

Info: Der Meilerplatz befindet sich in Hinterbach an der Kreisstraße 37 Richtung Raubach. Die Besichtigung des Kohlenmeilers ist an allen Tagen möglich. Am Ende der Köhlertage findet ein Holzkohleverkauf statt. Mehr Infos unter http://www.hinterbach-kohlenmeiler.de.

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