„Consortium felicianum“ lud in der Rothenberger Kirche zum Träumen ein

Mit seinem Programmtitel hatte das „Consortium felicianum“ nicht übertrieben. „Heitere Melodien zum Träumen“ hatten die fünf Musiker auf Einladung der Azurit-Gruppe für die evangelische Kirche Rothenberg angekündigt. Und genau diese bekamen die Zuhörer an einem wie im Flug vorbeiziehenden Nachmittag im gut gefüllten Kirchenschiff zu hören. Mal fulminant-fetzig, mal getragen-melancholisch wussten die Könner auf ihren Instrumenten bestens zu unterhalten.

Konzertmeisterin Dorothee Becker, Felicitas Schönfeld an der Obligatvioline, Felix M. Schönfeld auf dem Violoncello, Kontrabassist Christian Thürmer und Klavierspieler David Meyer unternahmen dabei eine Reise von der Musik des ausgehenden Biedermeier bis zum Beginn der Tonfilmära. Operetten und Werke der Kleinkunst bildeten den richtigen Rahmen für den Stoff, aus dem die Träume sind.

Viel Applaus war der schöne Lohn der mehr als zweistündigen Konzertreise in musikalisch heitere Welten, die auch den zwischenzeitlichen Regen außerhalb der Kirche zur Nebensache werden ließ. Zwischen den einzelnen Stücken schuf Felix Schönfeld mit seinen einleitenden Worten immer wieder den Bezug zum Komponisten oder zur jeweiligen Ära, in der die Lieder entstanden waren.

Etwa Franz Lehars „Graf von Luxemburg“, ein Jahr nach seiner „Lustigen Witwe“ entstanden. Das 1909 uraufgeführte Stück ebnete der Salonoperette den Weg, „denn alles spielt sich in einem Raum ab“. Und wie: Die große Klangdichte bemerkte man schon bei den ersten Tönen. Beschwingte Melodien rauschten volltönend bis in den hintersten Winkel des Kirchenschiffs, dominiert ein ums andere Mal von der Violine Dorothee Beckers.

Der Querschnitt aus dem Luxemburger Grafen war ein Paradestück des Ensembles, bei dem es aus dem Vollen schöpfen und sein musikalisches Können in all seinen Facetten ausbreiten konnte. Perlende Klaviertöne, im Takt gehalten vom Kontrabass, und eine den Ton angebende Violine schwangen sich zu höchsten Höhen empor, um dann im fulminanten Schluss zu enden.

Ein gern gehörter Klassiker war auch der Frühlingsstimmenwalzer von Johann Strauß Sohn. Die eingängige Melodie mit dem bekannten Refrain zauberte Sommergefühle in die Kirche, auch wenn es draußen bei grauem Himmel plätscherte. Vesco d‘Orio mit seiner „Escapade“ machte dann sowieso alle Tristesse vergessen. Schwungvolle venezianische Folklore, gemischt mit der Volksmusik Umbriens, sprühte nur so vor Lebenslust unter südlicher Sonne, wie wenn abends auf der Piazza die Straßenmusiker filigran loslegen.

„Per aspera ad astra“ hieß der Bravourmarsch von Ernst Urbach, mit dem das Ensemble nach der Pause die Gäste elegant und ohne Stress wieder zurück in die Kirche holte. In dieser hatten sie sich an Häppchen und Getränken bedient, die vom Rothenberger Azurit-Seniorenzentrum aufgetischt worden waren.

Die Ouvertüre zu „Banditenstreiche“ von Franz von Suppé, die Loreley-Paraphrase von Josef Nesvadba, die Ouvertüre zu „Frau Luna“ von Paul Lincke oder ein Operettenpotpourri von Victor Hruby bildeten weitere Höhepunkte des Nachmittags. Das Engelsterzett aus dem „Elias“ von Mendelssohn bildete die vielbeklatschte Zugabe eines Salonkonzerts auf hohem Niveau, mit dem die Azurit-Gruppe der Rothenberger Kirche und ihren Gästen ein besonderes Klangerlebnis bescherte.

 

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