Rothenberg fürchtet die Windrad-Umzingelung

Im Höhendorf ist man von den Windkraft-Plänen auf Eberbacher Gemarkung nicht begeistert. Drei von vier Standorten sind in der Nähe der vier Oberzent-Kommunen, einer davon sogar in direkter Sichtlinie anschließend ans Greiner Eck: Brombach-Nord mit projektierten sieben bis zehn Windrädern. In einer gemeinsamen Stellungnahme, die auch der Rothenberger Gemeindevertretung vorlag und einstimmig verabschiedet wurde, forderte man die Berücksichtigung der Oberzent-Belange gefordert.

Ausgehend vom Flächennutzungsplan (FNP) des Odenwaldkreises erläuterte Bürgermeister Hans Heinz Keursten, dass im Badischen und Hessischen unterschiedliche harte und weiche Kriterien in Bezug auf den Abstand zu Siedlungsfläche und Wohnbebauung gelten. Hinsichtlich Augstel und Brombach-Nord auf Eberbacher Gemarkung sei dies nicht von Belang. Auch bei der Hohen Warte würden mindestens 1000 Meter eingehalten. Jedoch liege diese mit 1400 Metern viel zu nah an der Sensbacher Höhe, die im Odenwald-FNP genannt ist.

Die Beerfeldener Stadtverordnetenversammlung votierte deshalb dafür, dass hier ein Mindestabstand von 3000 Metern zwischen beiden Gebieten gegeben sein soll. Damit entstehe ein freier Korridor, der zur Entlastung des Raums führe. Somit bleibe der Blick von der Gammelsbacher Ruine Freienstein in die südöstliche Gegend ohne Kulisse von Windrädern möglich. Die Rothenberger schlossen sich dem an.

Viel gravierender wäre für Rothenberg das Inkrafttreten des aktuellen hessischen Regionalplanentwurfs. „Damit wäre die ganze Region umzingelt“, befürchtete der Bürgermeister. Ausgehend vom Greiner Eck könnten so vier große Standorte auf dem gegenüberliegenden Höhenrücken entstehen – Brombach-Nord mit Flockenbusch, Stillfüssel und Meisenberg. Dazu kämen weitere zwischen Rothenberg und Beerfelden sowie zwischen Hinterbach und Olfen.

„Dann haben wir eine geschlossene Windkraft-Linie im Westen“, kritisierte Keursten. Eine massive Konzentration im Abstand zwischen einem und vier Kilometern zur Siedlungsfläche. Deshalb lehne Rothenberg sowohl Flockenbusch als auch die beiden Gebiete auf eigener Gemarkung ab. Sonst gebe es eine „deutliche Umzingelungswirkung“. Die Flächen „verstärken damit eine Überkonzentration“.

Man verlange eine „sachgerechte, kreisübergreifende Abwägungsentscheidung“ unter Berücksichtigung der Leitvorstellungen der Raumordnung. Claus Weyrauch (WGR) bemängelte die mangelnde Absprache zwischen den badischen und hessischen Entscheidungsträgern. Denn es gebe keinen Abstand zwischen Brombach-Nord auf badischer und Flockenbusch auf hessischer Seite.

Laut Keursten ist eine Ortslage im Grenzbereich „immer fatal“, da von allen Seiten die Windräder an die Siedlungen heranrückten. Dies lasse sich auch im Nordosten des Odenwaldkreises Richtung Bayern beobachten. „Rothenberg ist an der engsten Stelle nur zwei Kilometer breit“, machte Thomas Wilcke (SPD) darauf aufmerksam, dass man Planungen auf anderer Gemarkung schutzlos gegenüber stehe.

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