Hier kennt jeder jeden: Alle genießen die familiäre Atmosphäre auf dem Beerfelder Pferdemarkt

Es ist diese einzigartige Kombination aus Volksfest, Tierschau, aber auch Händlerständen, die den Charme des „Gailsmarkts“ ausmacht, wie der Beerfelder Pferdemarkt eigentlich überall genannt wird. Die Beschicker einerseits genießen die familiäre Atmosphäre und das große Hallo, wenn man sich wieder trifft. Viele kommen schon seit Jahrzehnten in die Oberzent. Die Besucher andererseits wissen, dass sie hier Dinge finden, die in den Läden auf dem Dorf schon längst nicht mehr erhältlich sind. Wenn es diese Läden überhaupt noch gibt…

„Es ist immer noch ein Markt wie in den guten alten Zeiten, übersichtlich, mit vielen Bekannten“, bekommt Marktmeister Gerd Köppel immer wieder von den Ausstellern zu hören. „Es ist von allem was dabei – Handel, Vergnügung und leckere Gastronomie“, loben die Besucher. Der Mann kauft sich einen Geldbeutel, die Frau eine Handtasche. Bei den Älteren sind es dann die Hosenträger oder Strohhüte und die Kiddlscherz (Küchenschürzen). Montags bringen die Mitwirkenden der Tierschau ihre Zwei- und Vierbeiner nach Hause und kommen dann noch einmal zurück aufs Fest, um gemeinsam weiterzufeiern.

Wenn es um Hosenträger und Gürtel geht, ist Daniel Walter der richtige Ansprechpartner. Der Offenburger selbst ist seit 17 Jahren auf dem Pferdemarkt. Vorher war schon der Schwiegervater 35 Jahre mit diesem Stand dabei. Bestimmte Modelle, die „besonders gut gehen“, gibt es nicht mehr, hat er beobachtet. Selbst Jugendliche kaufen heute zur Gaudi Hosenträger, während diese für die Älteren noch Gebrauchsgegenstände sind. Walter kommt auch „wegen der Gaudi“ in die Oberzent. „Wir sind hier ein schöner Clan“, sagt er. Der sich jedes Jahr trifft und dann auch gemeinsam feiert.

Zu den Urgesteinen zählen auch die Familien Spoo aus Völklingen und Sottile aus Mainz. Beide betreiben Kinderfahrgeschäfte. Marco Sottile hat eine ganz besondere Beziehung zu Beerfelden. „Meine Eltern lernten sich hier kennen und trafen sich zum ersten Mal im ‚Schwanen‘“, erzählt er. Sottile empfindet das Flair auf dem Pferdemarkt als nicht anonym wie in Großstädten. „Jeder kennt jeden.“

„Es ist immer einer da“, lobt der Mainzer der Hilfsbereitschaft. „Wenn ich sonntags einen Schlosser brauche, kriege ich den auch.“ Im kommenden Jahr ist die Familie 60 Jahre in Beerfelden dabei. Die Oma hatte in früheren Jahren einen Autoscooter, erinnert sich auch Gerd Köppel. „Vor 18 Jahren hat sie mich für Besorgungen in die Stadt geschickt“, lacht er.

Karlheinz Eberhardt ist ein ebensolches Urgestein auf dem Pferdemarkt. Er wurde vor 57 Jahren schon im Kinderwagen durchgeschoben. „Bestimmt 70 Jahre“ ist die Familie – inzwischen in der dritten Generation – mit dem Imbisswagen vor Ort, aber schon zuvor betrieb man Schiffschaukel und Pferdekarussell. „Damals wurde der Autoscooter wegen der Unebenheiten noch auf Bierfässer gestellt“, lacht Eberhardt – heute undenkbar.

„Ein Festplatz muss bunt sein“, setzt der Imbissbuden-Betrieb auf den Wiederkennungswert des Marktwagens. Seiner ist 45 Jahre alt und strahlt den Charme der Endsechziger-Jahre aus. Mit Nieren- und Fleischspießen in besonderer Soße will Eberhardt dem Essenseinerlei entgegentreten. „Hier kennt jeder jeden“, hat auch er registriert. Weil Eberhardt in Jugendjahren zu Marktzeiten in die hiesige Schule ging, „begrüße ich praktisch jeden zweiten“.

Ebenso „retro“ geht es am Süßwarenstand von Dieter Klingenfuß aus Heidelberg zu. Magenbrot, Popcorn und gebrannte Mandeln sind bei den Kids von heute immer noch angesagt. Vor allem, wenn sie mit der Oma vorbeikommen und die „einen ausgibt“. Über 20 Jahre ist die Familie inzwischen in Beerfelden dabei und kann jedes Mal viel Stammkundschaft begrüßen. Der Wagen wurde von den Eltern übernommen, die ihn auch einige Jahrzehnte betrieben. Da kann es schon mal vorbeikommen, dass früher Zehnjährige wegen der leckeren gebrannten Mandeln vorbeikamen, die heute längst erwachsen sind und mit ihren eigenen Kindern dem Markt einen Besuch abstatten.

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