Rothenbergs evangelische Kirche erhält bis Pfingsten 2018 ein komplett neues Innenleben

Die evangelische Kirchengemeinde hat Großes vor: Bis Pfingsten 2018 soll das Ortsbild prägende Gotteshaus am Metzkeil ein neues Innenleben bekommen. Geschuldet ist dies vor allem den technischen Herausforderungen, die heutzutage auch an einer Kirche nicht spurlos vorbeigehen. In diesem Zuge kam dann in den Überlegungen eines zum anderen, sodass das Investitionsvolumen über 300.000 Euro beträgt. Ein Drittel davon tragen die Rothenberger selbst.

Schon seit etlichen Jahren werden die Mittel für diese Mammutmaßnahme angespart. Spenden stockten das Umbaukonto zusätzlich auf, erzählt Pfarrer Reinhold Hoffmann. Von diesen könnten es natürlich nie genug sein, macht er schmunzelnd klar, dass weitere Zuwendungen gerne gesehen sind. Sonst sind alle Rücklagen aufgebraucht. Denn nach der ersten großen Sanierung seit 1962 wissen die Helfer nicht, welche ins Geld gehende Überraschungen sie möglicherweise erwarten.

Die ersten Überlegungen zur Umgestaltung wurden schon vor sechs oder sieben Jahren angestellt, erläutert Hoffmann. „Denn die Elektrik ist schon lange nicht mehr zeitgemäß.“ Bisher genoss die Kirche noch Bestandsschutz, aber mit jedem neuen Gerät an der Steckdose wurde dieser in Frage gestellt. „Wir wollen das Haus zukunftsträchtig machen“, betont der Pfarrer. Deshalb ist die neue Stromversorgung mit 50.000 Euro auch die teuerste Einzelmaßnahme.

Das Planungsteam machte sich dann darüber hinaus reichende Gedanken. Etwa Bodentanks mit Steckdosen oder Beamer- und Laptopkabel zu verlegen, damit diese Geräte in der Sakristei genutzt werden können. Ein vernünftiges Lautsprechersystem steht auch auf der Wunschliste. „Back to the roots“ heißt es beim Boden: Hier soll ein Sandsteinboden, wie es ihn vor 1962 schon einmal gab, wieder zum Einsatz kommen. „Denn der ist typisch für die Region“, hebt Hoffmann hervor.

Auch die Wand bekommt ein neues Aussehen. Sie war bis zu einer Höhe von 1,70 Metern mit Kellerfliesen gepflastert. „Eine nicht gerade schöne Optik.“ Deshalb wurden diese abgeschlagen. Die Fläche wird nun verputzt. Die 34 Kirchenbänke wurden von den Helfern erst einmal in der Scheune von Achim Wieder zwischengelagert.

Was mit diesen geschieht, ist laut dem Seelsorger noch nicht ganz klar. Denn die alten Sitzgelegenheiten müssten aufwändig aufgearbeitet werden. „Wenn ich aber sowieso 1000 Euro pro Stück in die Hand nehmen muss“, so Hoffmann, dann könnte man doch gleich über neue, passende Bänke nachdenken.

Die Kanzel, 1962 aufgrund Geldmangels ein Provisorium, fällt ebenfalls dem Umbau zum Opfer. Der Chorraum soll verkleinert werden, „wenn wir den ganzen Beton rauskriegen“, lacht Hoffmann. Allerdings wäre dann kein Platz mehr für die Kanzel, weswegen die Überlegungen für einen geeigneten Platz schon angelaufen sind. Ziel bei den Umbauarbeiten ist eine Barrierereduzierung bis -freiheit, wo es irgend geht. Damit wolle man auch auf die älter werdende Gemeinschaft der Gläubigen reagieren. Überall lässt sich dies aber nicht erreichen, bedauert Hoffmann.

Die Kirchengemeinde hat ihren Anteil von 103.000 Euro angespart. Durch die ehrenamtliche Arbeit wird wiederum Geld frei für Investitionen von der Wunschliste, die sonst nicht möglich gewesen wären. „Allein durch die Abbrucharbeiten in Eigenregie haben wir 8000 Euro gut gemacht“, freut sich der Pfarrer. Denn seit dem Start der Arbeiten sind im Schnitt zehn bis zwölf Helfer aktiv. Und die sind um einiges schneller als Hoffmanns Zeitplan.

„Ich wäre froh gewesen, wenn wir in zehn Tagen Bänke und Holzboden draußen gehabt hätten, um dann die Wandfliesen abzuschlagen“, meint er. Seine fleißigen Gemeindemitglieder übertrafen die Vorstellungen bei weiten. „Am ersten Abend war schon alles rausgeschafft und ein Drittel der Fliesen weg, am zweiten alle“, war Hoffmann baff.

Die Sakristei wurde ausgeräumt, die Orgel eingehaust, der Chorraum demontiert, damit die beauftragten Handwerker demnächst zu Werke gehen können. Die sollen aus dem Ort oder zumindest der Region kommen, wenn es nach der Kirchengemeinde geht.

 

 

 

Der Grundstein für die Rothenberger Kirche wurde am 20. Juni 1882 gelegt. Am 30. September 1883 war die Einweihung. Vorher stand an dieser Stelle etwa 500 Jahre lang eine Wehrkirche, die aufgrund Baufälligkeit aber abgerissen wurde. Bis Pfingsten 2018 müssen die Rothenberger Gläubigen auf andere Gotteshäuser ausweichen. Bei Beerdigungen ist dies die nahe gelegene Schwesterkirche St. Martin der freien evangelischen Gemeinde. Normale Gottesdienste werden im Rothenberger Gemeindehaus gefeiert. Trauungen und Taufen finden im Finkenbacher Gotteshaus statt. Für die Konfirmation im kommenden Jahr gibt es bereits Signale aus den evangelischen Kirchengemeinden Hirschhorn und Beerfelden, dass diese dort abgehalten werden kann.

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