Windkraft im Odenwaldkreis: Der Flächennutzungsplan ist das Maß aller Dinge

Es wird wohl ein Kampf gegen Windmühlenflügel sein. Das Höhendorf mit seinen angeschlossenen Ortsteilen wehrt sich dagegen, von Windrädern „umzingelt“ zu werden, die bei Verwirklichung des entsprechenden Regionalplans rund um den Ort in die Höhe wachsen könnten. Dazu kommen noch die Pläne des badischen Eberbachs, was weitere Rotoren in direkter Nachbarschaft bedeuten würde. Über die Situation vor Ort informierte sich jetzt der Bundesabgeordnete Jens Zimmermann.

Der SPD-Mann reagierte damit auf ein Protestschreiben von Finkenbacher, Hinterbacher und Raubacher Bürgern, mit dem sich diese neben dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier auch an ihre politischen Vertreter gewandt hatten. „Wir sehen wenig direkte Einflussmöglichkeiten auf den Regionalplanwurf“, betonte der WGR-Gemeindevertreter Matthias Heiß. Letztendlich werde vom Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als zuständiger Behörde eine politische Entscheidung getroffen, wenn es um die Genehmigung von Windparks im Odenwald gehe.

Es geht laut Heiß um „möglichst viel Sperrfeuer von allen Seiten“, betonte er bei der Vorstellung der Rothenberger Bedenken. Die Planungen hätten „Ausmaße angenommen, die nicht mehr tragbar sind“. Es sei wichtig, dass sich Städte und Kommunen kurzschließen. Genau das empfahl auch Zimmermann: „Sie müssen das Problem in Rothenberg klar kommunizieren“, sagte er. Und dabei weiterhin den bisherigen sachlichen Ton beibehalten.

Der Abgeordnete empfahl, auf der Umsetzung des gemeinsamen Odenwaldkreis-Flächennutzungsplans (FNP) zu bestehen, wie es schon bisher getan wurde. Außerdem „müssen bestimmte Dinge klar eingefordert werden“, so Zimmermann. Darunter zählte er auch eine Betrachtung, was im benachbarten Baden-Württemberg vor sich gehe. Das könne nicht losgelöst gesehen werden. Er machte klar, dass jede Kritik an Flächen, „die nicht Teil des FNP sind“, von seiner Partei unterstützt werde.

Zimmermann machte in der Runde mit Bürgermeister Hans Heinz Keursten sowie Gemeindevertretern und -vorstand gleichzeitig deutlich, dass es „eine komplizierte Gemengelage“ gebe. Denn wenn der Regionalplan nicht zustande komme, sei man auf dem Stand des „schlechteren“ Baugesetzbuches. Deshalb sah er einen vernünftigen Regionalplan durchaus als erstrebenswert an. Aber eben einen, der nicht eine Vielzahl von zusätzlichen Flächen gegenüber dem FNP enthalte.

WGR-Gemeindevorstand Rainer Flick wies auf die Unterschiede beim Siedlungsabstand hin. Weil er im Weiler Hinterbach lebe, gälten hier nur 600 Meter anstatt 1000 bei geschlossenen Ortschaften. „Ich fühle mich als Bürger zweiter Klasse“, so Flick. Deshalb müsse ein einheitlicher Abstand von 1000 Meter werde, was auch die Gemeindevertretung in einer Resolution fordere.

Diskutiert wurde in der Runde auch, wie die technische Weiterentwicklung Windenergie auch auf eigentlich unattraktiven Flächen doch möglich machen könnte. Denn trotz geringerer Geschwindigkeiten könnten die Rothenberger Gebiete, für die Investoren aktuell nicht gerade Schlange stehen, in zwei oder der Jahren rentabel werden, befürchtete Heiß.

WGR-GVo Karl-Heinz Braun sprach aus, was allgemeiner Konsens war: „Ich erwarte vom Regierungspräsidium, den FNP zu übernehmen“. Denn er sei mit Politik und Bürgerschaft abgestimmt. Der FNP „ist von der Abwägung her in Ordnung“, sagte Zimmermann. Deshalb habe er kein Verständnis für die politische Blockade.

Zum Thema Einkesselung empfahl der Abgeordnete, dass die Rothenberger von der Regionalversammlung eine Simulation einfordern sollten, die sowohl hessische als auch badische Planungen mit einbeziehe. Denn „es wäre fatal“, wenn alle potenziell möglichen Windräder gebaut würden, sagte Keursten. In der Blickachse nach Westen „gäbe es keinen ruhigen Punkt mehr“, kritisierte SPD-Gemeindevertreter Thomas Wilcke.

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