Ausstellung mit „Augenblicken der Erinnerung“ von demenzerkrankten Menschen im Haus Cordula Rothenberg

„Das Leuchten in den Augen“ heißt eine Fotoausstellung mit Momentaufnahmen von demenzerkrankten Menschen. Sie entstand im Erzählcafé des Gerontopsychiatrischen Zentrums am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) Wiesloch. Jetzt sind die eindrucksvollen Bilder mit „Augenblicken der Erinnerung“, festgehalten vom Fotografen Sven Fritzsch, im Azurit-Seniorenzentrum Cordula in Rothenberg zu sehen. Fritzsch begleitete über Monate hinweg die Sozialarbeiterin Monika Hanke bei der Erinnerungsarbeit mit Demenzerkrankten.

Die Idee kam Hanke eher zufällig, berichtete sie bei der Eröffnung im Beisein von Hausleiter Jörg Wehrle und Bürgermeister Hans Heinz Keursten. Sie ist am PZN seit 1992 in der Betreuung gerontopsychiatrischer Patienten tätig. Beim Treffen mit dem alten Jugendfreund aus Leipzig meinte sie zu diesem: „Meinst du, du kannst das Leuchten in den Augen einfangen?“ Fritzsch fackelte nicht lange. „Er war bestimmt zehn Mal bei uns und hat fotografiert“, erinnerte sich Hanke.

Als dann durch die PZN-Leitung entsprechende Mittel bewilligt wurden, „haben wir die Bilder herstellen lassen“. Das war gar nicht so einfach, denn es galt, „die besten aus 10.000 herauszusuchen“. Zusätzlich wurden ein Filmpreis und ein Jugendwettbewerb ausgeschrieben. Den sicherte sich damals eine fünfköpfige Mädchengruppe mit einem Demenz-Rap. Ziel von allem war die Entstigmatisierung der Demenzerkrankung, der sich das PZN damit schon seit 2010 widmet.

Entstanden sind durch Fritzsch bewegende Fotografien von Gesichtern, in denen sich die geweckte Erinnerung als „Leuchten in den Augen“ ausdrückt. Sie dokumentieren Momente, in denen das Bewusstsein über die eigene Identität und längst vergangene Stationen des Lebens gedanklich wieder erlebt werden konnten. In einer Situation, da die Sprache als Ausdrucksmittel fehlte, gelang es dem Fotografen durch das Einfangen von Blicken, Mimik und Gestik, ein Verständnis zu erzeugen von dem, was in den porträtierten Menschen vor sich geht.

Die Schwarz-Weiß-Motive in den Gängen und Sälen des Cordula-Heims beeindrucken auf eindrucksvolle Weise durch die Fröhlichkeit, die trotz der Krankheit aus den Gesichtern der Menschen spricht. Mit den entsprechenden Zitaten versehen, entsteht hier ein Stück Erinnerung, der schon vergessen glaubt. Denn, so weiß Hanke: „Was bleibt, ist die Erinnerung.“

Die Sozialarbeiterin Hanke versucht in ihrer biografischen Erinnerungsarbeit, die noch im (Langzeit-)Gedächtnis vorhandenen Kompetenzen zu sehen, zu fördern und wertzuschätzen. Beim Gespräch über die „alten Zeiten“ werden Erinnerungen wachgerufen, die laut Hanke „den Patienten spüren lassen, dass er wichtig und wertvoll ist“.

Diese natürliche Wertschätzung kommt bei den Erkrankten nicht nur stimmungsfördernd an, sondern „uns Jüngeren eröffnet sich dadurch ein Blick auf erlebte Geschichte, an der wir nicht beteiligt waren“. Damit lerne man Dinge und Fertigkeiten kennen, „die unserer modernen Welt zum Opfer gefallen sind“. Dadurch nehmen die Beteiligten „eine Erfahrung mit in unserer eigenes Leben“, formulierte sie es.

Jörg Wehrle freute sich, die weitgereiste Ausstellung nun auch in den Haus-Cordula-Räumen zeigen zu können. Sie war bereits in stationären und ambulanten Einrichtungen, städtischen Gebäuden, aber auch Kirchen in ganz Baden-Württemberg zu sehen. So im Heidelberger Landratsamt, in Aalen, Ehningen oder am Bodensee. Dem Hausleiter geht es darum, mit der oft unter dem Deckel gehaltenen Krankheit Demenz offen umzugehen. Auch Bürgermeister Hans Heinz Keursten wies auf das wichtige Thema hin und freute sich, die Ausstellung mit eröffnen zu können.

 

Info: Die Ausstellung ist in den Räumen des Azurit-Seniorenzentrums Cordula, Hirschhorner Straße 25, 64757 Rothenberg, Telefon 06275-9198200, bis 24. Oktober werktags von 10 bis 17 Uhr oder auf telefonische Vereinbarung zu sehen. Weitere Vorträge im Rahmen der Demenz-Reihe: „In Liebe und Wut: wahre Superhelden geben nie auf“ mit Margot Unbescheid am 11. Oktober; Pflegekonzepte für Demenz mit Rainer Abendroth am 25. Oktober; „Lügen oder nicht lügen – wie halten wir es mit der Wahrheit bei Demenz?“ mit Margot Unbescheid am 8. November; Umgang mit Menschen mit Demenz mit Monika Hanke am 29. November, jeweils mittwochs 19 Uhr. Weitere Infos unter http://www.demenz-begegnen.de

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