Damit die Bürger nicht selbst löschen müssen: Finkenbacher Feuerwehr startete ungewöhnliche Aktion zur Mitgliedergewinnung

Vereine müssen mit der Zeit gehen, sonst gehen sie mit der Zeit. Bei der Finkenbacher Feuerwehr will man nicht tatenlos zusehen, wie die Mitglieder der Einsatzabteilung und des Feuerwehrvereins immer weniger werden. „Wir sind zwar noch ganz gut aufgestellt, aber wollen schon frühzeitig im Vorfeld handeln“, erläutert Vorsitzender Jens Schindler die besondere Werbeaktion, mit der die Brandschützer jetzt im Ort unterwegs sind. „In der näheren Umgebung ist mir das in der Form noch nicht untergekommen“, meint er angesichts des unkonventionellen Herangehens.

Schindler griff dabei auf eine etwas provokante Kampagne zurück, die vor einiger Zeit von der Feuerwehr Vallstedt/Allvesse (in der Nähe von Braunschweig) zusammen mit Typografix Design ins Leben gerufen wurde. Vor zwei Jahren fiel sie dem Odenwälder in die Hände. „Haushalts-Löscheimer“ steht auf den weißen Gefäßen, die in 240-facher Ausfertigung an alle Finkenbacher Haushalte verteilt werden.

Dankbar ist man bei der Wehr der Firma Bechthold in Beerfelden, die diese zur Verfügung stellten. Die Eimer sind als Geschenk für die Finkenbacher gedacht. In der Hoffnung, „dass sie nie zum Löschen gebraucht werden“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende Alexander Volk. Ein Flyer, den die Ehrenamtlichen in stundenlanger Arbeit in jedes Behältnis legten, weist die Bürger darauf hin, dass es immer weniger Vereinsmitglieder gibt „und die Feuerwehren langsam kaputt gehen“, so Schindler. Vor allem ist es ja nicht nur die Brandbekämpfung, mit der die Wehren aktiv sind. Sie leisten ebenso einen großen Beitrag zum kulturellen Leben im Ort. Wie die Finkenbacher mit ihrem Weinfest. Auch die Durchführung des „Finki“-Festivals ist ohne sie nicht mehr denkbar.

Wenn keine Floriansjünger mehr ausrücken, sind die Einwohner im Notfall selbst gefragt. Deshalb auch die Löscheimer, um mit eigener Kraft einem Feuer zu Leibe rücken zu können. „Brand unter 112 melden, zehn Minuten abwarten in der Hoffnung, dass die Feuerwehr kommt, wenn nicht, dann Haushalts-Löschkübel mit Wasser befüllen“, lautet die Anweisung. Und: „Wenn Feuer zu groß, Nachbarn informieren und Kübelkette bilden.“

Die merkwürdigen Instruktionen sind auf der Rückseite erklärt. Dort werden die Aufgaben der Wehr erläutert und wird auf ihre Bedeutung im Ort hingewiesen. Durch den Löscheimer „soll mit Witz und Ironie darauf aufmerksam gemacht werden, dass die ehrenamtliche Tätigkeit einer Feuerwehr wichtig ist“, betont Schindler. Die Finkenbacher wünschen sich mehr aktive Mitglieder, „um Mitbürgern in Not zu helfen“. Neben den Alteingesessenen will man auch Zugezogene erreichen.

Wenn sich jemand nicht aktiv einbringen kann oder möchte, ist eine Fördermitgliedschaft ebenso willkommen. „Das kostet nur einen Euro im Monat“, weist der Vorsitzende darauf hin, dass auch wenig Geld der Feuerwehr hilft. Denn mit Vereinsgeldern werden etwa Ausgehuniformen beschafft. Oder, wenn genug zusammen gekommen ist, ein Fahrzeug wie der Mannschaftstransportwagen auf eigene Kosten beschafft. Zusätzliche Ausrüstung wird ebenfalls darüber finanziert.

Damit der Flyer nicht nur graue Theorie bleibt, lädt die Feuerwehr am Samstag, 21. Oktober, ab 9 Uhr zu einem Tag der offenen Tür rund um ihr Gerätehaus in der Wetterbergstraße ein. Dabei präsentiert die Einsatzabteilung unter anderem ihr neues Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser (TSF-W). Der Verein informiert über seine Aufgaben, von der Jugendfeuerwehr gibt es eine kleine Schauübung zu sehen.

„Wir haben nur noch acht Jugendliche in unseren Reihen“, bedauert Wehrführer Fabian Sauter. „Ein paar mehr dürfen gerne noch dazu kommen.“ Denn Jugendwehr bedeute Spaß im Team, Wettbewerbe mit anderen Feuerwehren, Gruppenstunden, Zeltlager und vieles mehr. In der Einsatzabteilung sind es derzeit 31 Aktive. Der Verein zählt insgesamt 130 Mitglieder. Neben den verschiedenen Aktivitäten wird am Aktionstag auch per Brandsimulator gezeigt, wie man löscht.

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