Erasmus-Projekt an der Oberzent-Schule Beerfelden: Jugendliche lernen über den eigenen Horizont hinaus zu schauen

Der internationale Schüleraustausch hat an der Oberzent-Schule eine lange Tradition. Seit über zehn Jahren beteiligt man die integrierte Gesamtschule am Erasmus-Projekt der Europäischen Union. Aktuell läuft – seit 2015 – die fünfte Fortsetzung mit einer Schule aus Polen und der Türkei. „Wir müssen jedes Mal ein sehr aufwändiges Konzept erstellen“, weiß Conny Frank, die seit Anfang an dabei ist. Vor vier Jahren kam ihre Kollegin Derya Özdemir mit ins Boot. Beide betreuen nun federführend das Programm.

„Es müssen immer drei Länder mit vertreten sein“, erläutert Frank die Voraussetzungen. Es sei gar nicht so einfach, „die passenden Partnerschulen zu finden.“ Ein roter Faden ist die Beteiligung der Schule aus dem polnischen Elblag. „Sie sind seit Beginn an mit dabei“, so Frank. Bei der Erstauflage waren außerdem noch Lehranstalten aus Portugal und Italien (Neapel) involviert. Später dann wieder Portugal, aber auch mal Irland (Dublin) und Venedig (Italien). Schon beim vorherigen Projekt und auch jetzt wieder ist mit der Partnerschule in Gemlik (Region Bursa) die Türkei vertreten.

„Dress to impress: A fashion kiss for peace“ lautet das derzeitige Motto. Das Projekt wurde für drei Jahre bei der EU beantragt und von dieser auch genehmigt, berichtet Conny Frank. Antragstellung, Konzepterarbeitung, Einreichung und regelmäßige Berichterstattung seien sehr viel Arbeit. Aber erfolgreich: „Wir haben 92 von 100 Punkten erreicht“, zeigt sie sich stolz. Die Partnerschulen nehmen bei Bewilligung automatisch teil. Für die Schüler heißt das dann, dass sie für die Reise nichts bezahlen müssen, weil die EU den Austausch finanziert.

Von diesem Auftakt vor eineinhalb Jahren ist Conny Frank vor allem noch die Fashion-Show vor dem Berliner Reichstag in besonderer Erinnerung. Mit viel Aufwand wurde dafür die Genehmigung erreicht. Die Schüler trugen die Friedensaktivitäten in die Hauptstadt, freut sie sich. Denn darum geht es: die Kinder für das Motto Frieden/Peace zu sensibilisieren. Dies geschieht über das Thema Mode, mit dem die 13- bis 16-jährigen Jugendlichen etwas anfangen können.

Nach dem Auftakttreffen im April 2016 in der Oberzent gab es bereits einen Gegenbesuch in Polen. 15 Schüler aus dem Beerfeldener Erasmus-Team, einem festen Bestandteil des Schullebens, reisten im April dieses Jahres nach Polen. Der geplante Gegenbesuch in die Türkei wird leider aufgrund der angespannten politischen Situation ausfallen, bedauert die Lehrerin. Dort war die ganze Schule an der Umsetzung beteiligt. „Wir wollen den Friedensgedanken weitertragen“, erläutert Frank die Motivation.

Das absolute Highlight war in Elblag/Nähe Danzig die Entwicklung einer gemeinsamen länderübergreifenden Fashionshow mit weißen Luftballons und Friedensbotschaften, die zuvor in diversen Workshops vorbereitet wurden. In der riesigen Sporthalle mit transparentem Dachgewölbe entstanden durch musikalische Untermalung eine Stimmung voller Begeisterung und ein fröhliches Miteinander.

In diesem Schuljahr wurde in Beerfelden ein neues Erasmus-Team gebildet, da viele bisher dort aktive Zehntklässler im Sommer die Oberzent-Schule verlassen hatten. Acht- bis Zehntklässler sind nun in ihm vertreten. Für Frank und Özdemir ist es „sehr spannend“, die Jugendlichen über den Modebegriff für die Völkerverständigung zu interessieren. „Wir machen ihnen auch klar, was der Frieden für uns bedeutet“, so die Lehrerin. Gerade in der aktuellen politischen Situation mit viel Unruhe auf der Welt sei das sehr wichtig.

„Es ist toll, dass die Schüler durch das Erasmus-Programm die Möglichkeit haben zu reisen, andere Länder und Kulturen kennenzulernen“, betont Derya Özdemir. Sie bedauert, dass der Gegenbesuch in der Türkei nicht möglich ist. Eine Schülerreise dorthin werde vom Auswärtigen Amt nicht empfohlen. Deshalb findet der Abschluss in Beerfelden statt. Somit können die türkischen Schüler aus Gemlik leider nicht bei diesem Finale des dreijährigen Projekts dabei sein.

Beide Lehrerinnen freuen sich über die Möglichkeit, über Erasmus die Schüler „für eine gemeinsame Sache begeistern zu können“. Damit lernen die Jugendlichen, „über den eigenen Horizont der Oberzent hinauszuschauen“. Die 13- bis 16-Jährigen werden dadurch weltoffener und toleranter. „Vorurteile werden abgebaut“, betonen Frank und Özdemir. Genau diese Zielsetzung des Projekts habe sich schon oft erfüllt, beobachteten beide.

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