Rund um den Metzkeil bricht die Hitze aus: Mehr als 700 Gäste kommen zur 5. Beerfelder Musiknacht

Die ganze Innenstadt ist eine einzige große Partymeile. Nasskalter Regen? Egal. Besonders zwischen Rat- und Bürgerhaus lassen sich die Musikbegeisterten bei der 5. Beerfelder Musiknacht vom beständigen Nieseln nicht abschrecken. Weniger Besucher als vor zwei Jahren, aber für die miese Witterung überraschend viele ziehen durch die Kneipen, ohne sich um die Dusche von oben zu kümmern. Alle sechs teilnehmen Kneipen und Gaststätten sind den ganzen Abend über proppenvoll.

Mehr als 700 Gäste zählen die Veranstalter vom Gewerbeverein am Schluss. Auch wenn man natürlich einen Rückgang der Zahlen verzeichnen muss: Die Begeisterung der Fans und Musiker macht das wieder wett. Die Bands haben eine riesige Resonanz auf ihre Auftritte. Somit eine perfekte Symbiose für einen mehr als gelungenen Abend, den viele auch nutzen, um einfach mal wieder in angenehmer Atmosphäre alte Freunde wiederzutreffen.

Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeigt sich schon bei der beeindruckenden Feuershow von „art Artistica“ zu Beginn auf dem Metzkeil. Dicht gedrängt stehen um die 500 Besucher bei einsetzendem Nieselregen zusammen, um sich das Spiel mit dem Feuer aus nächster Nähe anzuschauen – und vielleicht schon ein wenig aufzuwärmen. Danach geht’s schnurstracks in die verschiedenen Lokalitäten, wo mit Gongschlag halb 9 die Musik startet – und mehr als vier Stunden lang nicht mehr stoppt. Etwas nervig sind lediglich die quasi gleichzeitigen Pausen in allen Lokalitäten.

Die „Blue Healers“ aus Frankenthal, 2015 der Kracher im Programm, dürfen deshalb im Rössl dieses Jahr wieder ran. Blues, Rock oder zusammen erdigen Bluesrock zelebrieren die vier. Das ist absolut authentisch, knackig, handgemacht, laut, mitreißend – 70er-Jahre-Feeling pur, das die Musiker exzessiv ausleben. ZZ Top, AC/DC, James Brown oder Led Zeppelin sind nur einige der Heroen, denen die Band gekonnt nacheifert – und damit nicht nur das Lokal, sondern gleich die gesamte Straße mitbeschallt.

„Britgirl Abroad“ im Schwanen sind eine Klasse für sich. Die achtköpfige Band um die extrovertierte Frontfrau Kate Dowle beschallt den Saal von vorn bis hinten mit Folk-, Pop- und Rocksongs aus eigener Feder. Die sind überaus eingängig und hitparadentauglich. Dazu noch die charmante „Denglish“-Moderation von – eben Britgirl – Kate und fertig ist ein Auftritt, der sich sehen und hören lassen kann.

Herzstück der Besetzung ist der mehrstimmige Chorgesang von Ina Powis, Ilze Strömich und Barbara Galata. Aber auch die anderen Musiker, allen voran Andreas Kischa auf der Gitarre, verbreiten gute Laune pur. Sie sorgen ganz im Gegensatz zum Wetter auf der britischen Insel für einen kochenden Saal, aus dem die schwüle Wärme nur so herauswabert.

Frauenpower ebenfalls bei „Millenium“. Stimmgewaltige Leadsängerin ist Barbara Boll, die ebenso wie Britgirl-Mitwirkende ihre Wurzeln bei der Mannheimer Band „Sheerocks“ hat. Was die Rockröhre im Eiscafé Lido raushaut, lässt die Scheiben erzittern. Kein Wunder, dass die Band nur akustisch covert – verstärkt würde es die Fenster raushauen. Die sind sowieso in allen Lokalen bis oben hin beschlagen. Denn die Besucher drängen sich in Massen hinein, die Luft ist zum Schneiden, die Stimmung wortwörtlich auf dem Siedepunkt, wenn die Musiker loslegen.

Die „Grupo Andaré“ bei „Tapas y Copas“ ist mit ihrem karibischen Flair ebenfalls perfekt darin, die frierend reinkommenden Gäste sofort in wärmere Gefilde zu beamen. Im Zelt gegenüber bei „s’Lagger“ besorgen das die Musikfans selbst, indem sie es möglichst dicht bevölkern. Die „Acoustic Fools“ heizen dort mit Rock- und Popperlen wie „Horse with no name“ ein.

Der „Goldene Stern“ schließlich gehört der Folkgruppe „Dhalias Lane“. Zu den ehemaligen Wild-Silk-Mitgliedern Berk Demiray (Gitarre, Gesang) und Rainer Burgner (Flöten) haben sich Bozena Woitasky (Geige) und an diesem Abend auch die Beerfeldenerin Sofia Glaser (Gesang, Percussion) gesellt. „Molly Malone“, „Sally Gardens“ oder „Ships are sailing“ gehören zu den Stücken, die jeder schon einmal gehört hat.

Für die Organisatoren ist die fünfte Auflage des größten Musik-Spektakels in Beerfelden in Relation zum Wetter wieder ein Erfolg. Nicht nur aus Beerfelden, sondern auch von weiter her, aus dem Weschnitz- und Neckartal, aber auch aus dem nördlichen Odenwaldkreis, kommen die Gäste zum Feiern. Erst spät in der Nacht wird der letzte Verstärker ausgedreht, die letzte Gitarre ausgestöpselt, werden die Instrumente eingepackt. Bis der letzte Gast den Heimweg antritt, sind schon die frühen Morgenstunden angebrochen. Alle freuen sich auf die Fortsetzung. Mehr Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1667992489911560.1073742027.100001024761983&type=1&l=994c8cb5ef