Privatwaldabend des Forstamts Beerfelden: organisatorische Fragen der Holzvermarktung und Zukunft der Forstbetriebsgemeinschaft

Wie sieht’s aktuell im Wald aus? Der Chef des Forstamts Beerfelden, Norbert Sasse, sein neuer Stellvertreter Sebastian Vocilka und Gudrun Kranhold gaben dazu im Finkenbacher „Löwen“ Auskunft. Neben der Bedeutung des Kartellurteils für die weitere Beförsterung, die Sasse bereits vergangene Woche in Unter-Sensbach thematisiert hatte, ging es hier wie dort beim Privatwaldabend auch um organisatorische Fragen der Holzvermarktung und die Zukunft der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG).

Vocilka beleuchtete die Möglichkeiten der Holzernte. In Eigenarbeit sei diese eher die Ausnahme. Wenn sie übers Forstamt erledigt werde, dann entweder über Unternehmer oder Selbstwerber. In letzterem Fall „gibt es ein bisschen weniger“, weil diese die Bäume direkt aus dem Wald holten. Als Beispiel nannte er einen 90 Euro fürs gute Nadelholz beim Unternehmer-Einsatz, 70 Euro bei Selbstwerber.

Ein Harvester sei wesentlich günstiger, so Vocilka, aber nicht überall einsetzbar. Mit diesem lasse sich das Holz für unter 20 Euro Kosten pro Festmeter einbringen, motormanuell seien es über 20 Euro, am Hang oder in schwierigen Lagen um die 30 Euro. Wichtig ist ihm und Sasse der rechtzeitige Bescheid: Wenn die Holzernte über einen Unternehmer erfolgen soll, „dann bitte drei Monate vorher beim Revierleiter anmelden“. Nach Sturmschäden oder in Eigenarbeit gelten andere Fristen.

Gudrun Kranhold ging auf die veränderten Betreuungskosten für Privatwaldbesitzer ein, die seit vergangenen Jahr gelten. Die damit verbundene Erhöhung führte dazu, dass nur etwa zwei Drittel der bisherigen Eigentümer neue Verträge mit Hessen-Forst abschloss. Früher waren es 719 Betriebe mit 3700 Hektar, jetzt noch 390 mit 2300 Hektar. „Viele Waldbesitzer warten erst einmal ab“, skizzierte Kranhold die Lage.

Denn gegenüber den früheren, eher symbolischen Gebühren, heben sich die neuen ziemlich ab. Die hatte Hessen Forst eingeführt, um das große Defizit in dieser Kostenstelle zu senken. Die Betreuungspauschale von 12,50 Euro pro Hektar/Jahr greift erst ab einer Waldfläche von fünf Hektar aufwärts. Darunter muss gezahlt werden „erst dann, wenn Holz gemacht wird“. Und der Eigentümer die betreffenden Module „Holzeinschlag und Verkauf“ gebucht hat. Dafür werden zusammen sechs Euro pro geschlagenem Festmeter fällig.

Wie die Forstamtsmitarbeiterin erläuterte, nennen 52 Prozent der unter Vertrag stehenden Privatwaldbesitzer Flächen von mehr als fünf Hektar ihr Eigen. Auf 460 Hektar hätten die Eigentümer die beiden Module gebucht. Inzwischen habe sich herausgestellt, dass Modul 3, also nur der Verkauf, ohne den vorgeschalteten mitgebuchten Holzeinschlag „problematisch ist“. Denn dann muss Kranhold zufolge „im Vorfeld alles stimmen“. Sonst hat der Förster „über Gebühr Aufwand“.

Allerdings wird man ihren Worten zufolge nicht in bestehende Strukturen eingreifen. Die Überlegung richtet sich in die Zukunft, ob diese Einzelwahlmöglichkeit noch angeboten werden soll. Denn aktuell gibt es durch das Kartellverfahren und die anhängigen Klagen so viele Änderungen, dass der Forst erst einmal abwarten möchte, dass wieder Ruhe im Wald einkehrt. Sasse rechnet bis Ende des kommenden Jahres auf Klärung.

Die Veränderungen im Forst, bedingt durch das Kartellurteil, „werden Auswirkungen auch auf die Forstbetriebsgemeinschaften haben“, sagte er Forstamtsdirektor. Bisher machte man immer alles gemeinsam. „Wir leben in Unsicherheit“, meinte er. Aktuell wisse man nicht, „wie es mit der Beförsterung des Kommunalwalds und dem Holzverkauf weiter geht“. Der Privatwald unter 100 Hektar könne weiterhin durch Hessen-Forst betreut werden. Gleichzeitig wies er darauf hin, „dass nur Mitglied in einer FBG werden kann, wer einen Beförsterungsvertrag hat“.

Im Laufe der kommenden 14 Monate werde man sehen, „wie sich die FBG aufstellen muss“. In der Übergangszeit wurde im Frühjahr mit Gottfried Görig der scheidende Beerfeldener Bürgermeister zum Vorsitzenden gewählt. Bis der Wahl eines Nachfolgers in 2018 sei die Frage zu klären, „ob der Kommunalwald dann noch Teil der FBG sein wird“.

 

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