Prolls vs. Neureiche: Rothenberger Theatergruppe spielt „Rabatz auf dem Campingplatz“

Das Chaos ist vorprogrammiert. Und natürlich auch Programm. Denn der ewige Zwist zwischen Proll-Familie und neureichen besserwisserischen Bonzen ist all seinen Facetten immer gut für Lacher ohne Ende. Beim Stück „Rabatz auf dem Campingplatz“ spielen sich die Akteure der Rothenberger Theatergruppe die Gag-Bälle zu, dass es eine Wucht ist und die ausverkaufte Sporthalle ein ums andere Mal zu Lachstürmen hinreißt. Kein Wunder, dass es nach Ende des Drei-Stunden-Stücks langanhaltenden, begeisterten Applaus gibt.

Beim Betreten der Halle fällt sofort das aufwändige Bühnenbild ins Auge. Achim Bartmann und Matthias Hering stellten es in tagelanger Vorarbeit eigenhändig her. Links und rechts die beiden Wohnwagen, zwischendrin diverse Campingutensilien, die man halt so braucht. Die Gefährte waren so groß, dass sie in Einzelteilen nach innen transportiert und dort aufgebaut werden musst. Die Riesenblumen steuerte Ingrid Braun bei. Weitere örtliche Firmen brachten sich tatkräftig ein. Der örtliche MGV war für die Bewirtung zuständig. „Die Wohnwagen haben wir auf der Bühne gestrichen“, lacht Vorsitzende Susanne Weyrauch, selbst als Mathilda Finkenstädt aktiv.

Sie ist diejenige, die ihren Heinz-Dieter in einem fort bevormundet, den Ehemann bei allen Dingen vorschicken will und ihn wie einen treuen Pudel aussehen lässt, der immer nach dem Stöckchen von Frauchen springt. Doch nach und nach emanzipiert sich der so Getriezte von seiner bessere Hälfte und lässt sie ein ums andere Mal auflaufen. Wie Benny Götz unter der Fuchtel des Luxus-Eheweibchens steht, ist immer für einige Lacher gut.

Wie überhaupt das Stück durch seine Situationskomik in jeder Sekunde lebt und pulsiert. Die Laienschauspieler gehen in ihren Rollen richtig auf, können „so richtig die Sau rauslassen“. Wenn sie Bruns heiße, dann wortwörtlich. Denn die Dauer-Camper exerzieren genüsslich die Familie mit einer einfachen Weltsicht, für die die Finkenstädts Bewohner vom anderen Planeten sind. Da bleiben natürlich die Reibungspunkte nicht aus. Aber genau die sind es ja, die den Reiz des Ganzen ausmachen.

Wenn Dominik Seip als Familienoberhaupt wahlweise mit eng anliegender Badehose oder schlabberndem, lilafarbenem Jogginganzug durch die Szene schlurft und dabei herrlich dialektbehaftet seine Sicht der Dinge zum Besten gibt, dann biegen sich die Balken. Jupp Bruns haut unverhofft immer wieder ein paar Gags raus, dass es eine Pracht ist. In Janis Heckmann als leicht minderbemittelter Sohn Boris hat er dabei exzellente Unterstützung. Tanja Schmidt als Frau Trudi verschwindet fast ein bisschen hinter den omnipräsenten Alpha-Männern mit dicker Hose.

Großmutter Finkenstädt in der Gestalt von Gabi Braner ist eine herrliche Zielscheibe des Bruns‘schen Spotts. Die Etepetete-Oma, die eigentlich gar nicht mit wollte, keift mit gestelzter Stimme den ganzen Tag über, sodass alle froh sind, wenn sie sich endlich mal schlafen legt. Nervig für Heinz-Dieter und Tochter Klara (Elisa Köhler). Die 23-Jährige will einfach nur eine schöne Woche haben und bandelt zart mit Campingplatz-Mitarbeiter Michael (Janik Uhrig) an. Aber da hat sie die Rechnung ohne den Stalker Boris gemacht, der selbst ein Auge auf die Schöne geworfen hat.

Wie sich die Bruns-Prolls einen Sport daraus machen, die Finkenstädts zu provozieren, ist für das Publikum von acht bis 80 in jeder Szene eine helle Freude. Dazu noch das beständige Rumgehacke von Mathilda auf dem armen Heinz-Dieter, der in einem fort nur noch „Ja mein Schatz“ stammeln kann, abgerundet mit eingestreuten Gags aus dem Nichts: Der Theatergruppe ist nach drei Jahren Pause eine fulminante Rückkehr auf die Bühne gelungen.

Das wurde nach Ende des Stücks kräftig gefeiert. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Susanne Weayrauch. „Alles hat super geklappt.“ Der Applaus des Publikums spornt an, sagt sie, „und setzt noch einen auf die Motivation drauf“. Mit Marina Weinthäter und Ulrike Beisel in Regie und Ablauf-Organisation wussten sich die Akteure in guten Händen.

Zum Inhalt: Eine gut situierte Familie, die Finkenstädts, gewinnt bei einem Preisrätsel eine Woche Wohnwagen-Ferien in der Lüneburger Heide. Campen ist für diese an Luxus gewöhnten Menschen eine vollkommen neue Welt. Entsprechend haben sie große Anpassungsprobleme. Das gilt nicht für drei Mitglieder der Bruns-Familie. Die kennen sich bestens aus. Beste Voraussetzung für Kabbeleien und Chaos ohne Ende.

Info: „Rabatz auf dem Campingplatz“ (Familie Bruns in Aktion), eine Komödie in drei Akten von Carl Slotboom, wird von der Rothenberger Theatergruppe noch einmal am Freitag, 17., und Samstag, 18. November, in der Sporthalle aufgeführt. Beginn ist um 20 Uhr, Einlass um 18.30 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es nur noch für den 17. November bei der Metzgerei Beisel und Jehle in Rothenberg. Der 18. November ist ausverkauft.

Mehr Bilder hier:

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2017/11/13/prolls-vs-neureiche-rothenberger-theatergruppe-spielt-rabatz-auf-dem-campingplatz/

Posted by Thomas Wilken on Monday, November 13, 2017

 

 

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