„U12“ zelebrierte auf der Michelstädter Hüttenwerk-Bühne eine Hommage an die irische Rockband U2

Bono singt sich mit viel Botschaft auf der Bühne die Seele aus dem Leib, „The Edge“ ist mit seinen unverwechselbaren Gitarrenklängen zu hören, Adam Clayton zupft stoisch perfekt den Bass und Larry Mullen jr. trommelt wie ein Wilder auf seinem Schlagzeug. Das könnte ein Überraschungsgig von der irischen Rockband U2 im Michelstädter Hüttenwerk sein, wenn man nicht so genau hinschauen würde. Tatsächlich aber eifern die vier Musiker von „U12“ ihren Vorbildern in perfekter Manier nach. Outfit, Klang, Passion, Instrumente: Es stimmte.

Von der Qualität der Interpretation hatten wohl auch etliche Fans im Vorfeld Wind bekommen. Denn beim ersten Auftritt der Main-Metropolen-Epigonen im tiefen Odenwald war es im Hüttenwerk für diese Verhältnisse sehr voll. Da hatten andere, bekanntere Coverbands deutlich mehr Anlaufschwierigkeiten, bei der Premiere genug Besucher in die Location zu ziehen.

Bei anderen wiederum war die gefühlte Distanz zu den Musikern viel geringer, weil diese vom ersten Song an das Publikum in ihrem Band zogen, sich viel präsenter und mehr „zum Anfassen“ präsentierten. Das war dieses Mal nicht so. Vor der Bühne war zu Beginn noch ziemlich viel Platz. Der füllt sich mehr und mehr erst nach der Pause, als die Coverband dann mit den ganzen Hits der Iren Stimmung ohne Ende verbreitete, mitgesungen und -getanzt wurde.

Am Anfang ging’s mit Wolfgang Meisetschläger (Gesang, Gitarre), Oliver Horst (Gitarre, Gesang), Dennis Lapp (Bass) und Lothar Weise jr. (Schlagzeug, Gesang) noch etwas verhalten los. Das könnte auch daran gelegen haben, dass bis auf „Sunday Bloody Sunday“ oder „Desire“ erst einmal eher unbekanntere Stücke der Supergruppe gespielt wurden. Was beileibe nicht heißt, dass die in irgendeiner Form schlechter gewesen wären. Eben nur nicht solche Ohrwürmer wie die späteren Hits.

Die vier Vollblutmusiker von U12 nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch alle Schaffensphasen der irischen Vorbilder. Dabei klang die Band in allen Nuancen so authentisch, wie es nur die persönliche Faszination durch das Original ermöglicht. Wie Meisetschläger den Bono in Bewegung, Ausdrucksweise und Gesang gibt, ist das schon sehr nah am Meister selbst. Oliver Horsts Gitarre hat dabei den absolut typischen Edge-Sound drauf, der die Songs von U2 so unverwechselbar macht.

Die vier Musiker beweisen dabei, dass U2 längst nicht nur für die Stadion-Hymnen steht, sondern mit „Sometimes you can’t“ oder „Sweetest Thing“ dynamische, eingängige Balladen im Gepäck hat, die durch virtuoses Zusammenspiel begeistern. Wenn darauf ein Gassenhauer wie „Sunday Bloody Sunday“ folgt, schnellt der Stimmungspegel natürlich gewaltig in die Höhe. Auch sich Oliver Horst beim Intro so kräftig verhaut, dass er über den eigenen Fehler lachend nochmal von vorn anfangen muss. Er sorgt nebenher zusammen mit Lothar Weise für einen sehr prägnanten Background-Gesang bei etlichen Songs und gibt diesen viel Klangform.

„Desire“ kurz vor der Pause macht dann Lust auf das, was danach kommt. Denn im zweiten Set legen die Frankfurter so richtig los, ein Hit reiht sich an den anderen. „One“, „New Years Day“, „Where the streets have no name“, „I still haven‘t found”, „Pride“ oder „With or without you“ zusammen mit dem Original-Sound knallen in die Menge, die davon nicht genug bekommen kann und Zugaben fordert.

Die Coverband macht nebenher klar, dass die Musik von Bono & Co. nicht nur ein Privileg von kultureller und sozialer Botschaft ist, sondern mit ihren hymnenhaften Refrains auch einfach nur riesigen Spaß machen kann. Genau diese Hingabe nimmt man den vier Musikern auf der Bühne auch sofort ab, selbst wenn sie bisweilen mal etwas kühl und professionell rüberkommen.

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