Mit zwei klassischen Gitarren wurde von „Millennium“ in Michelstadt die Hütte gerockt

Was für eine große Party, die so gar nicht geplant war. Es kam wie so bei einer Musik-Session oft unverhofft. Und was daraus dann entsteht, ist umso besser. Hinter „Millennium“ verbergen sich die beiden Gitarren-Cracks Andreas Singer und Rainer Müller aus Rimbach und Fürth, die bei ihren Auftritten mit Gastsänger(inne)n zusammenarbeiten. Im Hüttenwerk waren das jetzt Michi Tischler und Bluesrock-Röhre Fritz Strößinger von den legendären Bergsträßer „Starfuckers“. Flugs gesellten sich von der Hausband noch Axel Imhof am Bass und Thomas Klein (Percussion) hinzu.

Das Sextett lieferte eine spontan improvisierte Show ab, die einfach nur Laune machte. Die einzelnen Songs entwickelten eine ungeahnte Dynamik. Auch wenn mal was schief ging, weil diese Besetzung noch nie zusammengespielt hatte, wurde das einfach weggelacht. Die Zuschauer waren genauso begeistert wie die Musiker von dem, was da ad-hoc auf den Instrumenten und mit Stimmen gezaubert wurde. Viel länger als geplant „musste“ die Band auf der Bühne stehen.

Irgendwann ist dann doch mal Schluss. Aber Fritz Strößinger sorgte für einen, den man nicht so schnell vergisst. „Hymn“ von Barclay James Harvest haut er in einer Form ins Mikro, dass es eine Pracht ist. Dazu noch die beiden akustischen Gitarren im Hintergrund, klassisch mit spanischen Anklängen gespielt. Das alles gibt einen Soundteppich, den man mal gehört haben muss um zu wissen, wie der Song unverstärkt von einem altgedienten Rocker geröhrt wird. Das Lied wird in der Begeisterung und Spiellaune fast zur Endlos-Schleife, in der Strößinger ein ums andere Mal im Zusammenwirken mit den Saitenkünstlern den monumentalen Touch des Welthits rüberbringt.

Schon „In the air tonight“ von Phil Collins als Abschluss des regulären Sets hatte klar gemacht, dass die Musiker nicht ohne eine Zugabe davonkommen würden. Auch hier dominierte Strößinger mit seiner markanten Stimme, während Andreas Singer ein filigranes Solo zauberte. Diese geballte Spielfreude zusammen mit unbändigem Spaß riss einfach mit. Ihrer Vorliebe für Disco-Musik frönte Michi Tischler dann mit einem „Hot Stuff“ von Donna Summer, das voll abging.

Sie hatte bereits bei „Let it rain“ von Amanda Marshall gleich nach der Pause eindrucksvoll gezeigt, was sie stimmlich drauf hat. Das „Amazing” von George Michael oder auch „One“ von U2 in der Version mit Mary J. Blidge (also Michi Tischler) waren weitere Stücke, in denen sich die beiden Sänger die Bälle zuwarfen. Das soulige Duett lebte durch die Improvisation. Was wären diese Songs aber ohne die Gitarrenklänge. Erst im Hintergrund, wurde bei den Soli die Kunst der beiden Könner auf den sechs Saiten deutlich.

Der warme Klang ihrer Instrumente bildete das Fundament und die stilistische Basis der Formation. Mit vollen Einsatz: „Ich hab‘ mir die Finger blutig gespielt“, lachte Andreas Singer nach dem dreistündigen Auftritt. Zum Wohl der Zuschauer. Die bekamen ein „Billie Jean” von Michael Jackson zu hören, das sie so noch nicht kannten. Oder wer kann schon von sich behaupten, das „Jump“ von Van Halen mit zwei akustischen Gitarren zu kennen.

Fritz Strößinger gab dem Song mit seinen rauen Rockattitüden ein ganz anderes Aussehen als David Lee Roth. Andreas Singer und Rainer Müller dann noch vereint als Eddie van Halen – das hatte nmicht nur was, sondern ganz viel. Das „Horse without a name“ von America oder „Maneater“ von Hall & Oates waren weitere Stücke, die einfach nur Laune machten. Dazu noch Akteure auf der Bühne, die miteinander können, über sich und die anderen lachen und aus dem Nichts einen Song zaubern.

„Burning down the house” der Talking heads, „Eye of the Tiger” von Survivor, „Run to you“ von Bryan Adams  oder „Junimond“ von Rio Reiser sind neben vielen anderen Songs Titel, die in dieser ungewöhnlichen Version einfach ins Ohr gehen und dort haften bleiben. Ein Abend genau nach dem Geschmack von Singer & Müller, die gerne der Improvisation freien Lauf geben. „Akustisch ist alles echt, authentisch“, betont der Gitarrist Singer.

Info: www.millennium-band.de

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, December 2, 2017

 

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