Oberzent soll touristisch neu aufgestellt werden: Lift soll saniert und Sensbacher Höhe eine Fly-Line bekommen

Der Tourismus in der neuen Stadt Oberzent hat noch viel Potenzial. Er ist außerdem ein Pfund, mit dem die Region wuchern kann. Denn die herrliche Odenwald-Landschaft ist ein beliebtes Urlaubsziel – wenn die Ziele attraktiv sind und bekannt gemacht werden. Bikepark-Betreiber Werner Manschitz und Claus Weyrauch hatten schon einmal das Konzept zur Lift-Sanierung und Attraktivierung der Sensbacher Höhe durch verschiedene Freizeitangebote vorgestellt. Kurz vor Jahresende präsentierten beide das Thema erneut in überarbeiteter Version.

Die vier scheidenden Bürgermeister, Gemeindevertreter- und Fraktionsvorsitzende waren Adressaten der überarbeiteten Vorlage. „Wir wollen die Chancen im Zuge der Fusion ausnutzen“, so Weyrauch. Die Stadt Oberzent solle touristisch neu aufgestellt werden. Die Sensbacher Höhe ist dabei als „Highlight und Leuchtturm“ konzipiert. Allerdings wird das Ganze trotz Fördermitteln nicht billig, weswegen bald in die Beratung eingestiegen werden soll. 3,7 Millionen Euro würde das Komplettpaket kosten.

Darin enthalten ist auch ein Radwegenetz, das in Zusammenarbeit mit dem Geo-Naturpark entstehen könnte. Denn der E-Bike-Trend „wird immer stärker, aber läuft derzeit an uns vorbei“. In diesem Zuge will man von Beerfelden aus den Marbachstausee anbinden, wo der Abwasserverband Mittlere Mümling einen Badesteg und Kiosk plane. Damit hoffen die Initiatoren, dem Tourismus einen kräftigen Schub zu geben und die rückläufigen Übernachtungszahlen wieder ansteigen zu lassen.

Damit im Sommer der bald 50 Jahre alte Schlepplift für den Bikepark und im Winter fürs Skifahren genutzt werden kann, muss er dringend erneuert werden. Außerdem sind die Kapazitäten zu gering. Von einem zuvor ins Auge gefassten Sessellift „sind wir wegen der zu hohen Kosten wieder abgekommen“, sagte der Mittelstandsberater. Ein Zweier-Sessellift hätte nicht die benötigte Kapazität und ein Vierer „mit 3,5 Millionen Euro utopische Kosten“.

Deshalb soll es nun eine Erneuerung des bisherigen Lifts tun. Die kostet immer noch 800.000 Euro, würde aber durch schnellere Geschwindigkeit und kürzere Abstände die Kapazität von bisher 250 Bikern in der Stunde verdoppeln. Als Attraktion auf der Sensbacher Höhe sieht das Konzept eine sogenannte „Fly-Line“ vor. Dahinter verbirgt sich ein Rohrsystem, mit dem die Wagemutigen in den Baumwipfeln im Slalom zu Tal schweben.

Danach geht es darum, „die Leute wieder von unten nach oben zu bringen“ – etwa über eine Art Erlebnisschaukelpfad. Eine bewirtete Hütte mit Aussichtsturm, gleichzeitig Startpunkt der Fly-Line, ist ebenfalls Teil des Projekts. Für die Gebäude der Talstation ist an eine Auffrischung und Ergänzung gedacht. Daneben braucht die Technik eine Überholung. „Moving in Nature“ nennt Weyrauch als strategischen Ansatz: mit den Stärken der Oberzent wuchern. Schwimmen, Laufen, Paddeln, Rad und Bootfahrern, Wandern – alles findet in toller Natur statt.

Woher soll das viele Geld kommen? Laut Weyrauch sind für einen Großteil der Maßnahmen 50-prozentige Zuschüsse aus dem europäischen Regionalfonds zu erwarten. „Wir hoffen, dass auch Mittel aus dem Leader-Programm fließen“, meint der Berater. Bleiben aber immer noch fast zwei Millionen Euro an der neuen Stadt hängen.

In der Theorie wäre eine Finanzierung über die Pacht möglich, betont er. Dies aber nur mit einer sehr langen Laufzeit. Bei einer Verringerung käme die Stadt ins Boot. Der Bikepark habe derzeit 15.000 Besucher im Jahr. Für die Fly-Line kalkuliert man im Schnitt mit 100 Besuchern an 125 Öffnungstagen. Um die Kosten zu verdeutlichen und Klarheit über eine mögliche Förderung zu bekommen, soll es eine Projektskizze geben. Mit der wollen dann die Initiatoren so schnell wie möglich in die Gremien der neuen Stadt gehen.

„Die Touristen sollen ihr Geld in der Oberzent ausgeben“, wünschen sich Manschitz und Weyrauch. Über die attraktiven Freizeitangebote soll ein Multiplikator-Effekt entstehen, der in Gastronomie und Pensionen mehr Frequenz schafft und ihren Betrieb wieder attraktiver macht. Von den Teilnehmern gab’s ein positives Feedback mit der Bitte um Kostenklärung. Denn es drängt nicht nur der TÜV, sondern auch das Auslaufen des Efre-Förderprogramms 2020.

 

 

Die Überalterung der Hotel- und Gastronomiebetreiber gibt im Odenwaldkreis Grund zur Sorge. Laut einer IHK-Studie sind 47 Prozent aller Unternehmer bereits 57 Jahre oder älter. Wiederum zwei Drittel dieser Altersgruppe sind bereits so gut wie im Rentenalter und davon die Hälfte älter als 70. Damit stellt sich ein akutes Nachfolgeprogramm. Schwacher Trost: Im benachbarten Kreis Bergstraße ist die Lage noch prekärer: „Je ländlicher, desto älter“, heißt es im Gaststättengewerbe.

Advertisements