Wechsel vom Familienbetrieb in größere Firma: Sensbachtal blickt vor der Oberzent-Fusion auf das Geleistete zurück

Das war’s mit der eigenständigen Gemeinde Sensbachtal, die in diesem Form gar nicht so lange Bestand hatte: nämlich erst seit der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre. Gemeindevertreter-Vorsitzende Karin Scior schellte die letzte Sitzung der Mandatsträger kurz vor dem Jahresende und damit der Oberzent-Fusion aus und lud danach noch zum gemütlichen Beisammensein in die „Krone“ ein, wo die Mandatsträger die Zeit in „Unabhängigkeit“ in trauter Runde Revue passieren ließen.

„Wir haben noch alle wesentlichen Dinge angestoßen, die für unsere drei Orte in den kommenden Jahren wichtig sind“, betonte Bürgermeister Egon Scheuermann. Er nannte vor allem die grundhafte Sanierung der Sporthalle. Diese ist eine „ganz, ganz wichtige Einrichtung“ für die Gemeinde und werde an jedem Tag durch Vereine und Gruppen stark genutzt. Weiterer Punkt ist die Dorfentwicklung, um das Gemeindezentrum auf Vordermann zu bringen. Das Geld soll auch in die Spielplätze in Ober- und Unter-Sensbach sowie Hebstahl fließen, um diese zu erneuern. Außerdem steht die Schaffung eines Dorfmittelpunkts in Ober-Sensbach an. Hier ist die Fläche des alten Löschweihers im Gespräch.

Scheuermann sprach von einer sehr erfreulichen Entwicklung im kommunalen Kindergarten Unter-Sensbach. Besuchten diesen zu Jahresanfang nur zwölf Kinder, so sind es aktuell 18. „Mit dieser Konstellation ist die gemischte Gruppe ausgelastet“, sagte er. Es könnten derzeit keine weiteren Kinder aufgenommen werden. Anfragen für Januar und Februar lägen aber bereits vor. Jedoch lassen es laut Rathauschef die Räumlichkeiten zu, „dass wir wieder einen zweigruppigen Kindergarten einrichten könnten“. Allerdings muss man dafür auch Erzieher auf einem leergefegten Arbeitsmarkt finden.

In der Diskussion ist dem Bürgermeister zufolge ebenfalls die Ausweitung auf einen Ganztags-Kindergarten. Die grundsätzliche Frage sei, „wie schnell können wir in der Oberzent weitere Plätze schaffen und was ist dafür notwendig“. Dies werde Thema einer der ersten Magistratssitzungen im neuen Jahr sein. Mit den Mitteln aus der Hessenkasse könnte es Scheuermann zufolge auch möglich sein, Maßnahmen wie das Ärztehaus besser zu stemmen.

Auf den Tag genau ist Scheuermann zehn Jahre im Bürgermeister-Amt, wenn am 1. Januar die Fusion steigt. „Das war eine nicht immer einfache Zeit“, meinte er, „aber wir haben es ganz gut über die Bühne gebracht“. Er bezeichnete den Zusammenschluss aus Sensbachtaler Sicht als interessante Perspektive: wie wenn man „aus einem kleinen Familienbetrieb in eine größere Firma überwechselt“. Deshalb freut sich der Bürgermeister auch auf seine Aufgabe als Staatsbeauftragter.

Fürs erste halbe Jahr, in dem er als De-fakto-Stadtoberhaupt „regiert“, nannte er Themen wie die Gesundheitsversorgung oder die Förderung des Tourismus als wichtige Aufgaben einer neuen gemeinsamen Stadtverordneten-Versammlung. In der will er sich dafür einsetzen, „dass die Dinge so bewährt weiterlaufen wie bisher“. Scheuermann dankte der Gemeindevertetung für eine „sehr konstruktive und aufs Gemeinwohl ausgerichtete Zusammenarbeit“.

Den hessischen Verdienstorden am Bande, mit dem er vor kurzem neben den drei anderen Oberzent-Bürgermeistern ausgezeichnet wurde, habe er nur erhalten, „weil die Mandatsträger in der Vergangenheit so klug und weitsichtig entschieden haben“. Es gelte immer in die Zukunft zu blicken: „Wer kein Risiko eingeht, wird nicht vorankommen“, sagte Scheuermann. Deshalb ist der Orden „für uns alle gedacht“.

Karin Scior dankte den Mandatsträgern für deren Arbeit in der vergangenen Zeit. Sie wünschte sich, dass alle offen für neue Herausforderungen sind. Denn notwendige Veränderungen brauchten Zeit, betonte sie. Sicherlich werde die Fusion nicht für jeden das „Nonplusultra“ sein. Von Jutta Haas gab es zum Schluss noch ein Präsent von Gemeindevorstand, -vertretung und Verwaltungsmitarbeitern für den Bürgermeister – im Vorgriff auf das zehnte Jubiläum in seinem Amt zum Jahreswechsel.

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