Oberzent-Fusion: Abschied vom „letzten Rothenberger Bürgermeister“

Zugegeben, was sind 18 Jahre Bürgermeister gegen 668 Jahre Rothenberg. Doch Hans Heinz Keursten hat in seiner Amtszeit das Höhendorf sehr stark und auf Jahrzehnte hinaus geprägt. Mit der erfolgten Oberzent-Fusion ging nicht nur die Jahrhunderte währende Rothenberger Selbstständigkeit zu Ende, sondern auch Keurstens Amtszeit nach 18 Jahren. Um diese beiden Anlässe gebührend zu begehen, waren Gemeindevertreter, -vorstand und -mitarbeiter sowie ihre Partner in der Sporthalle zu einer Abschiedsfeier zusammengekommen.

Die Halle ist es auch, in deren Sanierung der Rathauschef in den vergangenen Jahren sehr viel Arbeit investierte. Die Erschließung des Neubaugebiets Alt-Schulzenfeld wird er auch über die Pensionierung hinaus noch betreuen. Nicht zuletzt ist Keursten ein großer Verfechter der neu zu wählenden Ortsbeiräte, sodass hier sicherlich etwas von ihm zu erwarten ist.

Gemeindevertreter-Vorsitzender Horst Schwinn, Erster Beigeordneter Jürgen Sauer und WGR-Fraktionsvorsitzender Wilfried Friedrich würdigten das Engagement des scheidenden Bürgermeisters. Sie stellten die gute Zusammenarbeit zwischen den Gremien heraus, die sich in der Umsetzung von vielen Projekten wiederspiegelte. Friedrich übernahm fraktionsübergreifend die Laudatio.

„Durch den Fußball ist Hans Heinz Keursten nach Finkenbach gekommen“, sagte er. Der Liebe wegen zu seiner späteren Frau Angelika blieb er auch dort. Fast hätte es Keursten noch auf 52 Jahre im öffentlichen Dienst gebracht – heutzutage ist eine solch lange Dienstzeit kaum noch vorstellbar. In seinen „Königsjahren“ wurde er vertraut mit der Region und dem Odenwaldkreis, was 1999 zur Bürgermeister-Kandidatur in Rothenberg führte.

Zur Jahrtausendwende ins Amt eingeführt, folgten zwei eindeutige Wiederwahlen. Insgesamt wurden daraus fast genau 18 Jahre „Gestaltung, Verwaltung, Verantwortung, Leistung und Weitblick in Rothenberg“. Mit hohem Engagement habe sich Keursten für den Ausbau des Kindergartens, den Erhalt der Grundschule sowie Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen eingesetzt.

Eines der Hauptanliegen war dem Fraktionschef zufolge insbesondere die Förderung der vielen Vereine. Er unterstützte die Feste, nicht nur mit seinem persönlichen Besuch, sondern – wenn es notwendig war – auch unter Mitwirkung des Bauhofes. Es war ihm laut Friedrich stets wichtig, Rothenberg mit seiner Vielfalt positiv nach außen darzustellen. Auch kamen mit ihm und durch ihn die einzelnen Ortsteile näher zusammen.

Die finanziellen Geschicke der Gemeinde habe er immer so gemeistert, dass das oftmals doch „knapp“ erscheinende Geld für alle geplanten Vorhaben reichte. „Es wurde viel geleistet in den vergangenen 18 Jahren“, betonte der WGR-Mann: Investitionen in die Infrastruktur, Straßenbau-Maßnahmen, Dorferneuerungen, Baugebietserschließungen, Brückenbau und -erneuerungen, Rückhaltebecken und vieles mehr. Von der „absolut gelungenen Leistung“ bei der Sporthallen-Sanierung inklusive Teilneubau „kann sich heute Abend jeder überzeugen“.

Nicht nur im Rahmen der Fusionsgespräche wurde Hans-Heinz Keursten in Kreis und als stets engagierter und verlässlicher Gesprächspartner geschätzt, betonte Friedrich. Nun gehe eine angenehme Ära des „letzten Bürgermeisters von Rothenberg“ zu Ende. Der Wandel der Zeit mache auch vor der Verwaltung nicht Halt. Ab jetzt gehe es um die Stadt Oberzent. Doch Hans Heinz Keursten bleibe in seinem Unruhestand „noch etwas erhalten“, schmunzelte er.

Friedrich schloss mit herzlichem Dank „für diese konstruktiven Jahre“ zum Wohl aller. Dank galt auch Keursten Angelika, „die viele Abende auf ihn verzichten musste“. Mit einem guten Tropfen für die nun zahlreichen freien Abende im eigenen Wohnzimmer und einem Reisegutschein wurde dem Bürgermeister i.R. gedankt. Dieser hob die Zusammenarbeit im Sinne der Gemeinde hervor. Er zeigte sich von der Qualität der Gremien sehr angetan. „Wir waren nicht immer einer Meinung, aber es wurde sachlich diskutiert“, sagte er.

 

 

Zur Person: Hans Heinz Keursten

1952: geboren in Wankum/Nordrhein-Westfalen, an der niederländischen Grenze

1966-1969: Ausbildung Verwaltungslehre in Wankum

1969: Verwaltungsangestellter Wankum

1969-1981: Verwaltungsangestellter in Wachtendonk

1981-1991: Verwaltungsangestellter Neukirchen-Vluyn

1991-2000: Verwaltungsangestellter Bad König

2000-21.12.2017: Bürgermeister von Rothenberg mit Wiederwahl in 2005 und 2011

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