Sofia Glaser und Berk Demiray spielen im Michelstädter Hüttenwerk eine bunte Palette von Pop- und Rocksongs bis hin zu irischer Folklore

Es ist schon erstaunlich, mit wie wenig Aufwand sich ein eindrucksvoller musikalischer Abend gestalten lässt. Eine Gitarre und eine Stimme reichen Sofia Glaser aus, um im Hüttenwerk stürmischen Beifall einzuheimsen. Wenn dann Duopartner Berk Demiray, liebevoll-ironisch „der Praktikant“ genannt, zu seinem Instrument greift und virtuos seine Künste auf den sechs Saiten demonstriert, dann erzeugen die beiden eine Klangfülle, die wohl auch ohne Verstärkung bis in den hintersten Winkel dringen würde.

Die 22-jährige Sofia Glaser aus Beerfelden, früher dort in der Mädelsband „Die Optimisten“ aktiv und in der vergangenen Zeit auf Solopfaden unterwegs, hat sich mit Berk Demiray aus Lorsch einen erfahrenen Hasen als Mitmusiker „geangelt“. Mit ihm spielt sie auch seit vergangenen Jahr in der keltischen Folk-Gruppe „Dhalias Lane“ zusammen. Zuletzt war sie in dieser Konstellation bei der Beerfeldener Musiknacht Ende Oktober zu sehen.

Demiray ist ein Meister seiner Gitarre und zudem ein ausdrucksstarker Sänger, der es versteht, sich facettenreich darzustellen. Neben der Gitarre und der Langhalslaute ist das Komponieren seine große Leidenschaft. Er schreibt viele der eigenen Stücke der Gruppe. In über 20 Jahren hat er mit seinen Bandkollegen weit über 1000 Konzerte bundesweit absolviert – früher als Wild Silk, heute mit Dhalias Lane. Das Programm mit Sofia Glaser firmiert unter dem Namen „Duo Sehnsucht“.

Wenn zwei Musiker mit völlig verschiedenem musikalischen Background ihre Interessen zusammenwerfen, kommt dabei ein mehr als abwechslungsreiches Set zusammen. Was Sofia Glaser stimmlich drauf hat, zeigt sie gleich beim ersten Song. „Talkin’ bout a revolution“ von Tracy Chapman lässt ihr bestens Raum, um eindrucksvoll die Wandlungsfähigkeit und den Umfang ihrer Stimme zur Geltung zu bringen.

Nur mit der akustischen Gitarre begleitet, verleiht sie dem Song große Dynamik, Inbrunst. Sie ist voll drin in den Stücken, lebt sie förmlich bis zum letzten Ton, zelebriert manche Passagen förmlich. Ihre Leidenschaft für die Lieder wissen auch die Fans zu schätzen. Die füllen den Gastraum im Hüttenwerk bis auf den letzten Platz. Für einen Freitag ist es so brechend voll im Eventlokal, dass sogar noch im Gang einige zusätzliche Bistrotische aufgestellt werden müssen.

Die Gäste werden nicht enttäuscht. Dass Sofia Glaser auch „folkig“ kann, zeigt sie bei „Black is the Colour“ oder „Sally Gardens“ zusammen mit Berk Demiray. Der weiß zu den keltischen Stücken viel zu sagen. Sie sind für mit die schönsten Liebeslieder, die Irland hervorgebracht. Sein virtuoses Spiel auf der akustischen Gitarre, zusammen mit Sofias volltönender Stimme, die jeden Pub auf der Grünen Insel unverstärkt bis ganz nach hinten ausfüllen würde, zaubert eine ganz besondere Stimmung in den grauen Odenwald.

Da geht einigen das Herz auf. Das Paar gleich neben der Bühne umarmt sich noch inniger als zuvor. Aus der Ecke, wo die Eltern Sonja und Udo Glaser sitzen, ist ein leises „sehr schön“ zu hören, als die melancholischen, aber trotzdem frohen Klänge verebben. „Meine Eltern sind die besten Fans, aber auch Kritiker“, meint Sofia scherzend auf die lachende Einlassung von Berk Demiray, für ihn wäre es ein Horror, immer den Erzeugern „vorspielen“ zu müssen.

Die 22-Jährige beweist an diesem Abend auch immer wieder, dass ihr vor der „Kritik“ nicht bange sein muss. „Hedonism“, „Read about it“ von Emeli Sandé oder „The different“ von Melissa Etheridge zeigen, dass sie aktuelle Pop- und Rocksongs ebenso drauf hat wie mit dem „Schnitter“ ein mittelalterliches Stück. „Don’t Be So Shy“ von Imany, „Runnin‘“ von Beyonce oder Tom Petty „Free Fallin“ stehen in schönem Kontrast zu den irischen und schottischen, eher ruhigen und getragenen Songs.

Aus der grünen Odenwald-Landschaft „beamt“ es dann die Zuschauer von einer Sekunde auf die andere in die windumtosten, leicht welligen, ebenso grünen Hügel von Irlands Westen, wo sich der Tau des häufigen Regens in der Sonne spiegelt und hinter jeder Straßenecke eine Schafherde friedlich grast. Es gibt vier Jahreszeiten an einem Tag, die sich auch in der Musik widerspiegeln. Von tieftraurig bis himmelhoch-jauchzend ist alles dabei.

Sofia Glaser ist die Tochter des Fotografen-Ehepaar Sonja und Udo Glaser aus Beerfelden. „Musik mache ich eigentlich schon immer“, erzählt sie. „Gitarre habe ich mir selbst auf der zwölfsaitigen Gitarre meines Vaters beigebracht.“ Die ersten Auftritte gab es dann mit der Mädels-Band „Optimisten“, die sich an der Oberzent-Schule gegründet hatte. Dazu zählten neben ihr die ebenfalls aus der Stadt am Berge stammenden Tabea Hartmann, Elena und Rebecca Reinhard. Anfangs spielte Sofia Glaser dort Schlagzeug. „Mit der Zeit haben wir angefangen, die Instrumente einfach durchzuwechseln“, erinnert sie sich. So blieb sie bei der Gitarre hängen.

2009 machte die damals 14-Jährige beim Gesangstalent im Michelstädter Hüttenwerk mit. „Daraufhin bin ich zusätzlich zu den ‚Optimisten‘ noch in die Band ‚Second Wave‘ gekommen“, war schon damals der Erfolg vorgezeichnet. Zusätzlich fing Sofia Glaser damit an, kleine Akustik-Duo/Solo-Projekte aufzuziehen. Und sie war des Öfteren in Lampertheim und Bürstadt bei Live-Jams dabei.

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, January 13, 2018

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