Oberzent hat Landesgeschichte geschrieben: Gründungsfeier der neuen Stadt

Gelungener Einstand für die neue Stadt. Neujahrsempfang und Gründungsfeier von Oberzent in der gleichnamigen Halle stießen auf großes Interesse aus der Bürgerschaft. Angenehm kurz gehaltene Reden, dazwischen als Auflockerung ein paar Liedvorträge und nicht zu vergessen der Sektempfang mit dem eigens dafür kreierten Tropfen sorgten für einen gemütlichen Rahmen, in dem die Besucher danach noch lange verweilten und sich mit ihren neuen Mitbürgern austauschten.

Natürlich durfte der Hinweis auf die Einmaligkeit des Ereignisses in den verschiedenen Wortbeiträgen nicht fehlen. Wann kommt es schon einmal vor, dass sich vier Gemeinden freiwilligen zu einer neuen, großen zusammenschließen, ohne dass dabei Druck von oben ausgeübt wird, wie es bei der Gebietsreform in den 1970er Jahren war. Das Land Hessen erhofft sich von der gelungenen Vorlage Nachahmer.

Motive aus der neuen Stadt liefen im Hintergrund über die Leinwand, während im Vordergrund Staatsbeauftragter Egon Scheuermann, der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer und der geschäftsführende Direktor des hessischen Städte- und Gemeindebundes, Karl-Christian Schelzke, die Entwicklung hin zur und rund um die Fusion Revue passieren ließen. Weil der Zusammenschluss auf Augenhöhe erfolgte, „sind wir alle Gewinner“, meinte Scheuermann.

Drei handelnde Akteure des seit 2012 laufenden Prozesses hob er besonders hervor: Fusions-Projektleiter Christian Kehrer, Kommunalberater Thomas Fiedler und den ehemaligen Landrat Horst Schnur. Der ist auch Erfinder des Wortes „Tälerstolz“, um die vielen verschiedenen Befindlichkeiten der einzelnen Dörfer zu beschreiben. „Diesen Tälerstolz wollen wir auf keinen Fall verlieren“, betonte der Interims-Bürgermeister.

Bauland zu erschwinglichen Preisen, bekannte Betriebe, Natur bis direkt vor die Haustür: So beschrieb Scheuermann die Oberzent. Er verschwieg aber auch nicht, „dass wir die Stadtentwicklung vorantreiben müssen“. Denn es gilt noch einige Baustellen wie Gesundheitszentrum, Ärzteversorgung oder Infrastruktur zu beackern. Viel Lob gab es von ihm für die ehrenamtlichen Aktivitäten. Vereine, diverse Organisationen und Feuerwehr sind Träger des örtlichen Lebens.

Seit drei Wochen im „Echtbetrieb“, sah der Staatsbeauftragte immer mal wieder Unterschiede zwischen Theorie und Praxis aufflackern. Auch dank der engagierten Mitarbeiter „spielt sich das Allermeiste langsam ein“. Das erste halbe Jahr bis zur Konstituierung der neuen Gremien nach der Wahl am 29. April „ist keine Verschnaufpause“, hob Scheuermann hervor. „Wir dürfen uns nicht verzetteln, sondern müssen Schwerpunkte festlegen und angehen“, sagte er.

In seiner vielbeachteten, humorvollen und frei gehaltenen Rede attestierte Finanzminister Schäfer der neuen Stadt: „Sie haben Landesgeschichte geschrieben.“ Mit viel Geschick, guter Kommunikation und der Bereitschaft der Bürger, sich auf Neues einzulassen, wurde das Vorhaben geschafft. Es sei sicher nicht einfach gewesen, in einer solch großen Flächenstadt alle zu erreichen und mitzunehmen. „Sie haben allen Anlass, mit großer Zuversicht auf die Zukunft zu blicken“, betonte er.

„Es wächst zusammen, was auch historisch zusammengehört“, meinte Schelzke in Abwandlung des bekannten Willy-Brandt-Zitats. Die Fehler aus der früheren Gebietsreform, über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden zu haben, seien dieses Mal vermieden worden. Indem alles ganz offen und frühzeitig diskutiert wurde, „haben Sie alles richtig gemacht“, lobte er. Wer das schaffe, woran andere scheiterten, meinte er mit einem Seitenhieb auf Erbach und Michelstadt, „kann stolz sein“. Es gab von Schelzke eine Urkunde für Egon Scheuermann, der am 1. Januar sein zehntes Bürgermeisterjubiläum gefeiert hatte. Dieser wie auch seine drei früheren Amtskollegen Hans Heinz Keursten, Gottfried Görig und Thomas Ihrig erhielten als weiteres Geschenk Luftaufnahmen ihrer jeweiligen Gemeinden.

Aufgelockert wurden die Redebeiträge durch vielfältige musikalische Umrahmung aus verschiedenen Oberzent-Stadtteilen. MGV Ober-Hainbrunn, MGV Eintracht-Liederkranz Sensbachtal, GV Sängerkranz Schöllenbach und der evangelische Kirchenchor Beerfelden ließen ihre Stimmen erklingen. Letzterer bekam begeisterten Beifall für sein Loblied auf die neue Stadt: „Wir heißen Oberzent, es wird Zeit, dass ihr uns kennt“, hieß es dort. „Gemeinsam sind wir stark“, meinten die etwa 50 Sängerinnen und Sänger. Ganz klar für sie: „Die Zukunft liegt im Odenwald.“

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Posted by Thomas Wilken on Monday, January 22, 2018

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