Machbarkeitsstudie war genau kalkuliert: Fast eine Punktlandung bei Oberzent-Gebühren

Die Steuern, Gebühren und Abgaben in der neuen Stadt Oberzent sind mit Blick auf die in der Machbarkeitsstudie prognostizierten Werte quasi eine Punktlandung. Das ist um so bemerkenswerter, als dass die Studie bereits im Vorfeld des Bürgerentscheids Ende 2015 erstellt wurde. Es gab mehr oder weniger nur interne Verschiebungen, erläuterte Markus Fuß vom Büro Schüllermann den Stadtverordneten auf deren konstituierender Sitzung in der Rothenberger Sporthalle. Unterm Strich bleiben die Entlastungen oder marginalen Mehrbelastungen praktisch gleich.

Die ehemaligen Hessenecker sparen in Oberzent am meisten gegenüber den früheren Abgaben, zeigt die Modellberechnung. Wenn auch die Einsparung um ein paar Euro weniger beträgt, zahlt eine dortige Durchschnittsfamilie im Jahr etwa 400 Euro weniger. Im früheren Rothenberg sind es 14 (Studie: 6,60) Euro, in Sensbachtal 37 (16) Euro, die fusionsbedingt mehr im Geldbeutel bleiben. In Beerfelden war man von 2,76 Euro zusätzlich im Jahr ausgegangen, jetzt sind es fünf weniger.

Die Modellfamilie besteht aus zwei Erwachsenen, zwei Kindern und einem Hund. Die Familie wohnt in einem Einfamilienhaus. Die Dach- und Hoffläche (200 Quadratmeter) sind an den Kanal angeschlossen. Das Haus wurde mit einem Messbetrag von 80 Euro vom Finanzamt veranschlagt. Die Familie verbraucht 150 Kubikmeter Wasser im Jahr. Auf dem Grundstück befindet sich eine 120-Liter-Restmülltonne.

Bei einem Alleinstehenden stellt es sich ähnlich dar. Die Mehrkosten würden in Beerfelden etwa einen Euro pro Monat betragen. Gegenüber der Machbarkeitsstudie sind die Verschiebungen in den einzelnen Orten aufs Jahr gerechnet ebenfalls gering. Ein früherer Hessenecker spart demnach 96 Euro (Studie 116), ein Rothenberger 91 (86), ein Sensbachtaler 27 (9).

Im Einfamilienhaus wohnt laut Modellberechnung eine Person mit einem Hund. Die Dachfläche (120 Quadratmeter) ist an den Kanal angeschlossen. Das Haus wurde mit einem Messbetrag von 50 Euro vom Finanzamt bewertet. Die Person verbraucht 40 Kubikmeter Wasser im Jahr. Auf dem Grundstück befindet sich eine 60-Liter-Restmülltonne.

Die verschiedenen Steuersätze wurden so beschlossen wie vor mehr als zwei Jahren angesetzt. Die Grundsteuer A beläuft sich auf 350 v.H., die für Wohnbebauung maßgebliche Grundsteuer B auf 365 Prozentpunkte. Damit liegen beide auf exakt derselben Höhe wie früher in Rothenberg, Beerfelden und Sensbachtal. Nur Hesseneck hatte zuvor 380 v.H. für beide Steuerarten.

Verglichen mit den umliegenden Gemeinden schneidet Oberzent ziemlich gut ab. Mossautal hat bei der Grundsteuer B die gleiche Höhe, Erbach 430 v.H. Das angrenzende Hirschhorn ist mit 600 Prozentpunkten weit dahinter, das badische Eberbach verlangt 400 v.H. von seinen Grundstücksbesitzern. Die Gewerbesteuer wird in Oberzent mit 380 v.H. berechnet, was dem früheren Schnitt bis auf Rothenberg entspricht, das zuvor weniger verlangte.

Der Kubikmeter Wasser kostet in der neuen Stadt künftig 1,90 Euro, das sind sieben Cent mehr als in der Machbarkeitsstudie veranschlagt. Wobei Christian Kehrer von der städtischen Stabsstelle darauf hinweist, „dass wir bei der Manpower aufrüsten“. Vier Angestellte sind zukünftig im Bereich Wasserversorgung tätig. Zum einen soll der Trinkwasserverordnung „für das kostbare Nass“ Genüge getan werden, zum anderen will man bei Störungen schneller reagieren können und eine 24-Stunden-Rufbereitschaft für die Bürger einrichten.

Was Wasser mehr kostet, kommt beim Abwasser aber wieder rein. Das kostet pro Kubikmeter sieben Cent weniger, jetzt 3,20 Euro. Niederschlagswasser wird mit 55 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche kalkuliert, angesetzt waren in der Studie 60 Cent. Die Hundesteuer bleibt wie ursprünglich geplant bei 48 Euro für den ersten und 72 Euro für den zweiten Hund. Für Kindergarten und Friedhof soll es zuerst eine Konzepterstellung und dann eine Gebührenkalkulation geben, bevor es an die Umsetzung geht.

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