Olli Roth spielt praktisch alles: Der Sänger und Gitarrist beeindruckt im Hüttenwerk Michelstadt mit seinem riesigen Repertoire

Ein Mann, eine wandlungsfähige Stimme, eine akustische Gitarre. Mehr braucht es nicht, um das Hüttenwerk-Café bis auf den letzten Platz zu füllen. Dicht gedrängt sitzen die Gäste noch bin den Gang hinaus, um Olli Roth zu lauschen. Der hat zusätzlich noch diverse Kästchen, Pedale und Knöpfe auf seinem Board, mit denen er den einen oder anderen Effekt zaubert und so sich selbst mehrstimmig begleitet. Rock, Blues, Folk, Soul, Funk: Dem Singer/Songwriter aus dem Heidelberger Raum ist kein Genre fremd.

Seine Vielfältigkeit hat ihm auch eine überregionale Bekanntheit bis hinein in den Odenwald gebracht. Bei der Hüttenwerk-Hausband ist er ein ums andere Mal zu Gast, bei der Beerfelder Musiknacht ließ Olli Roth ebenfalls schon seine Stimme erklingen. Seit etlichen Jahr(zehnt)en ist der Allrounder bereits auf praktisch jeder Bühne präsent, die Kraichgau, Kurpfalz oder eben Odenwald zu bieten haben.

Kein Konzert gleicht bei ihm dem anderen. Sein Repertoire ist so breit gestreut, dass er quasi auf Zuruf die Songs spielen kann. Hunderte von Liedern hat er aus dem Effeff drauf. Das beweist er auch gleich zu Beginn, als sich eine Zuschauerin etwas von Willy Deville wünscht. Den „Cadillac Walk“ gibt’s quasi wie aus der Pistole geschossen. „Cocaine“ von Eric Clapton oder das eigene „Always be your friend“ zeigen seine große Wandlungsfähigkeit.

Olli Roth ist aber nicht nur Musiker, sondern auch Geschichtenerzähler. Wer so viel rumkommt, der hat natürlich viele Storys in petto, die das Leben schreibt. Damit bringt er die Gäste immer wieder zum Lachen. Denen ist er mehr als dankbar, dass sie ihm nach so vielen Jahren immer noch die Treue halten. „Ohne euch würde die Livemusik keinen Sinn machen“, gibt’s als Kompliment vom Musiker an die Fans. Die lassen sich nicht nur wegen des Lobs nicht zweimal bitten mitzuklatschen und sparen ebenso wenig beim Applaus nach den verschiedenen Songs.

Dass sich der Alleskönner „auch mal an ausgefallene Stücke traut“, beweist er mit dem „Lonesome Lover“ der Little River Band. Das beginnt eigentlich mit einem großen Chor, „von dem mir alle sagten, den kann man nicht spielen“. Kann man – und hört sich gut an. Auch dank des „kleinen schwarzen Kastens“ auf dem Boden, mit dem Roth solche Effekte erzeugen kann. „Der war teuer“, grinst er.

„You’re the Voice“ von John Farnham passt irgendwie wie die Faust aufs Auge. Denn Olli Roth kann mit seiner Stimme quasi alles singen. Beim Genannten lässt er die Zuhörer mit einstimmen („Es gibt auch etwas von den Kings of Leon zum Mitsingen, aber das ist mir zu langweilig“). Um gleich danach mit Fistelstimme „Kiss“ von Prince anzuspielen und zu zeigen, was er auf der Gitarre alles funkig drauf hat. Wenn es mal rockig sein soll, gibt es auf dem Boden ein weiteres Pedal, mit dem er aus den akustischen sechs Saiten eine rockige Gitarre mit Wah-Wah-Effekt zaubert.

Eine der Lieblingsbands des „Rockers“ Olli Roth ist Whitesnake mit Frontmann David Coverdale. Dem attestiert sein Epigone grinsend erst einmal, mit Mitte 60 dank Komplett-Lifting besser auszusehen als mit Mitte 30. Um dann ein „Here I go again“ zu röhren, bei dessen höchsten Tönen sich Hüttenwerk-Chefin und -Sängerin Michi Tischler, die gerade vorbeiläuft, bewundernd herumdreht.

Komplett anders geht es weiter: „Falling Slowly“ ist eine zeitlos schöne Ballade von Glen Hansard, mit der der Ire den Oscar als Filmmusik zu „Once“ gewann. Wie Olli Roth diesen Songs sehr einfühlsam quasi zelebriert, steht in völligem Kontrast zu den Rockstücken, die er ebenfalls einfach so abrufen kann. So geht es den ganzen Abend über weiter, dass sich die Gäste am Schluss fast logischerweise nicht losreißen können und dem Künstler noch einiges mehr entlocken möchten. Der lässt sich nicht lange bitten. Sein Repertoire ist schließlich groß genug.

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Posted by Thomas Wilken on Saturday, January 27, 2018

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