Die Kinderkrankheiten bei der Adress-Umstellung auf Oberzent werden weniger

Es knirscht noch etwas an verschiedenen Stellen. Doch Fusions-Projektleiter Christian Kehrer ist optimistisch, dass sich im März die letzten Baustellen langsam erledigt haben. Für die Bürger sind die Probleme bei der Paketzustellung in Oberzent am ehesten spürbar. Sie wurden auch schon mehrfach öffentlich thematisiert. Allerdings sind anderswo ebenfalls die neuen Adressen oder Postleitzahlen oder beides noch nicht eingepflegt.

Als besonders resistent gegenüber Veränderungen zeigt sich Google Maps. „Die haben wir bestimmt schon zehn Mal angeschrieben“, klingt Kehrer einigermaßen resigniert. Doch nach wie vor findet sich der Verwaltungssitz der neuen Stadt Oberzent beim Internetriesen in Unter-Sensbach neben dem Rathaus jenseits des Baches auf der Wiese. Und nicht in Beerfelden am Metzkeil.

Da lobt sich der Fusionsleiter die OpenStreetMap. „Die haben sogar von sich aus mit uns Kontakt aufgenommen“, sagt er. Und waren in der Umstellung ziemlich schnell. „Das zeigt bereits 64760 Oberzent an“, macht Kehrer kurz den realitätsnahen Test. Zu schnell waren sogar Amazon und Tchibo, die bei der Online-Adresseingabe schon im Dezember die neue Adresse einforderten.

Ein paar Krankenkassen hinken seiner Beobachtung nach noch hinterher. „Die Barmer hat noch Karten mit Altdaten verschickt“, wurde ihm mitgeteilt. Bei der AOK stimmt zwar die neue PLZ, aber die neuen Straßennamen sind noch nicht eingepflegt. Hier wie dort bittet Kehrer die Bürger um Geduld für die Übergangszeit. „Das wird sich noch ein paar Wochen hinziehen.“ Wie auch bei den Internet-Vergleichsportalen Verivox und Check 24, bei denen teilweise nicht alle Anbieter angezeigt werden, weil es noch Probleme mit der PLZ-Übertragung gibt. „Wir sind da dran“, betont er.

Die Briefpost kommt an, die Leute sind versichert, hebt Christian Kehrer hervor. Damit es auch mit den Paketen funktioniert, steht die Verwaltung in Kontakt mit Pressestellen und Geschäftsleitungen von DHL, UPS, GLS oder Hermes. Nicht nur das. Teilweise „haben wir sogar die Auslieferer abgefangen, um denen neue Listen in die Hand zu drücken“, schmunzelt er über die Eigeninitiative.

Die Umstellung von Personalausweis, Reisepass und Kfz-Schein soll ab dem 19. Februar starten. Die Zusammenführung aller Daten beim neuen Einwohnermeldeamt stellte sich seinen Worten zufolge etwas schwieriger heraus als gedacht. In den jeweiligen Stadtteilen werden die Bürger dann gestaffelt nach Alphabet aufgerufen, in den darauf folgenden drei Wochen ihre Dokumente ändern zu lassen.

Bis dahin bleibt aber genug andere Arbeit. An diesem 19. Februar endet nämlich auch die Bewerbungsfrist für Stadtverordneten-, Bürgermeister- und Ortsbeiratswahl. In punkto letzterer freut sich Kehrer über die „sehr gute Resonanz“ bei der Aufstellung von Bewerberlisten. War man in manchen Stadtteilen skeptisch, ob genug Kandidaten zusammenkommen, sind die Listen überall voll. Gammelsbach, Sensbachtal oder Beerfelden verzeichnen sogar viel mehr Bewerber als Sitze in den jeweiligen Ortsbeiräten.

Die reine Verwaltungsarbeit normalisiert sich langsam, berichtet der Fusionsleiter. „Es wird allerdings noch ein paar Tage dauern, bis die Bauverwaltung komplett in Rothenberg eingezogen ist.“ In der Übergangsphase bis zur Wahl eines neuen Parlaments sind die ehemaligen Bürgermeister und jetzigen Stadträte noch in „ihren“ ehemaligen Rathäusern anzutreffen.

Beerfeldens Gottfried Görig hat ein Büro im Dachboden des Rathauses bezogen, wie auch Hans Heinz Keursten in Rothenberg. Thomas Ihrig sitzt weiter in seinem Raum in Schöllenbach. Egon Scheuermann pendelt zwischen seinem ehemaligen Arbeitsplatz in Unter-Sensbach und Beerfelden, wo er jetzt als Staatsbeauftragter und Interims-Bürgermeister die Geschicke der Stadt bis Mitte des Jahres lenkt.

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