Großer Andrang aufs Bürgermeister-Amt: Schon sechs Kandidaten für den Oberzent-Chefsessel

Der Job in der neuen Stadt muss sehr attraktiv sein. Denn wie sonst lässt es sich erklären, dass (mindestens) sechs Bewerber am 29. April Bürgermeister von Oberzent werden wollen. Am kommenden Montag läuft um 18 Uhr die Bewerbungsfrist ab. Im Gespräch ist derzeit noch ein siebter Kandidat von auswärts, der aber erst jetzt die entsprechenden Formulare abgeholt hat. Somit könnte es knapp werden, die 74 Unterstützer-Unterschriften zusammenzubekommen.

Die jüngste Stadt Deutschlands, flächenmäßig die drittgrößte Hessen, aber nur mit 10.200 Einwohnern, kann mit einigen Pfunden wuchern. Geht es um die Natur, ist es der enorme Waldreichtum im Süden des Odenwaldkreises. Geht es um die Finanzen, steht das Fusionsergebnis aus Rothenberg, Hesseneck, Sensbachtal und Beerfelden glänzend da.

Durch die zusätzlichen Mittel aus dem kommunalen Finanzausgleich, die Teilschulden-Übernahme durchs Land und drei eingesparte Bürgermeister-Gehälter eröffnen sich kommunalpolitische Spielräume, die in den vergangenen Jahren schmerzlich vermisst wurden. Es besteht jedoch auch dringender Handlungsbedarf, damit die ländliche Region im Dreieck zwischen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern mit den Städten mithalten kann.

Kein Wunder, dass sich alle Bewerber mehr oder weniger auf die gleichen Themen fixieren. Ganz vorn steht das Gesundheitszentrum, um die ärztliche Haus- und Facharztversorgung in der Stadt sicherzustellen. Genauso geht es aber auch um den Erhalt der Infrastruktur, die Belebung der Tourismus, den ÖPNV und die Förderung der Wirtschaftskraft. Die Windkraftnutzung sehen praktisch alle sehr kritisch oder lehnen sie gleich in Bausch und Bogen ab.

Von Finkenbach bis zur Gebhardshütte, von Falken-Gesäß bis nach Schöllenbach, von Rothenberg bis nach Unter-Sensbach: Die sechs Kandidaten bilden die gesamte Breite und Länge der neuen Stadt mit ihren 19 Ortsteilen und 165 Quadratkilometern Fläche ab. Sie alle kommen damit aus der Gemarkung von Oberzent. Ein Auswärtiger wagte sich (bisher) nicht in den Kreis der Einheimischen. Das könnte sich kurzfristig jetzt noch ändern.

Unterschiedlich gesät ist die bisherige Verwaltungs- und kommunalpolitische Erfahrung der Kandidaten. Mit dem vorherigen Hessenecker Bürgermeister Thomas Ihrig hob die SPD einen sehr erfahrenen Verwaltungsmann auf den Schild, der zuvor 24 Jahre lang die Geschicke in der damals kleinsten selbständigen Gemeinde Hessens lenkte. Der 52-jährige Ihrig ist mit Sicherheit ein politisches Schwergewicht auf der Bewerber-Bühne.

In dieser Hinsicht dürfte ihm am ehesten Christian Kehrer Paroli bieten können. Der Finkenbacher tritt als unabhängiger und parteiloser Kandidat an. Seine späte Kandidatur, die er erst vor wenigen Tagen bekannt gab, wirbelte das bisherige Fünfer-Feld kräftig auf. Denn der 42-jährige Kehrer ist als vorheriger Leiter des Kommunalservice Oberzent und des Fusionsprojekts sowie jetziger Chef der Stabsstelle im Rathaus bestens mit der Materie in allen vier ehemaligen Orten vertraut.

Für die Grünen tritt Thomas Väth aus dem Weiler Gebhardshütte an. Der 52-jährige Sprecher des Stadtverbands Oberzent kommt aus der freien Wirtschaft und betreibt gemeinsam mit seiner Frau die Schaaf & Väth OHG, die sich mit der Herstellung von „Flowerpads“ beschäftigt. FDP-Kandidat Andreas Krauch leitet den Falkenhof in Falken-Gesäß. Der jetzige FDP-Stadtverordnete hat bereits Wahlkampf-Erfahrung: Der 59-jährige kandidierte vor einigen Jahren schon einmal in Beerfelden, damals gegen Gottfried Görig.

Ebenfalls im städtischen Übergangsparlament sitzt Claus Weyrauch. Der Rothenberger geht für die ÜWO ins Rennen und war zuvor als Mitglied der WGR seit 2016 im Parlament des Höhendorfs. Als Mittelstandsberater hat der 50-Jährige unter anderem einen genauen fachmännischen Blick auf Tourismus und Wirtschaft. Oliver von Falkenburg arbeitet bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Bergstraße. Der 32-jährige gebürtige Niederbayer, wohnhaft in Unter-Sensbach, geht für die CDU ins Rennen.

Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl in Oberzent endet am Montag, 19. Februar, 18 Uhr. Bis dahin müssen die Unterlagen im Rathaus bei Wahlleiter Helmut Ulrich abgegeben sein. Der Urnengang findet am Sonntag, 29. April, parallel mit der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung und zu den Ortsbeiräten statt.

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