Mit seinem Angebot ist der Beerfelder Wochenmarkt jeden Freitag ein großer Anziehungspunkt

„Klein, aber fein“ ist ein Attribut, das voll und ganz auf den Beerfelder Wochenmarkt zutrifft. Jeden Freitagnachmittag gibt es vor der evangelischen Kirche an drei bis vier Ständen Leckeres für heimische Küche und Keller zu kaufen. Das Angebot ist schmal, aber begehrt – die Beerfellmer wissen zu schätzen, dass sie hier Waren bekommen, die es sonst nicht an jeder Ecke gibt. Auch die Beschicker sind zufrieden und kommen seit vielen Jahren unverdrossen wieder.

Ursula Fleck, die am Putenstand vom Weilerhof arbeitet, ist eine Frau der ersten Stunde. „Ich bin seit Anfang an dabei“, lacht die einheimische Verkäuferin, die mit anpackt, wenn der Verkaufswagen aus der Nähe von Helmstadt-Bargen Station in Oberzent macht. „Hier läuft es immer sehr gut“, freut sie sich – auch wenn nur wenige Stände auf dem Marktplatz anzutreffen sind.

Die Kunden „kaufen kunterbunt“, hat sie festgestellt. Seit Jahren gibt es einen festen Stamm. Der erweitert sich immer mal wieder durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Da wird dann ein Nachbar oder ein neu Zugezogener vorbeigeschickt“, weiß Ursula Fleck. „Das läuft hier alles ganz ungezwungen“, sagt sie. Eier und Marmeladen, von ihr mitgebracht, stehen nebenan auf der Sitzbank zum Verkauf bereit.

Auch die andere Verkäuferin Heike Kreth kommt gerne nach Beerfelden. „Ich fühle mich hier richtig wohl“, betont sie, „das ist alles eine große Marktfamilie“. Vor dem Stand, in der Mitte des Platzes, sind auch ein paar Stehtische zu finden. „Da kommt nachher, nach der Arbeit, der Damen-Stammtisch vorbei“, schmunzelt Ursula Fleck. Der trifft sich bei Wind und Wetter an dieser Stelle. Unter der Woche hat man sich bereits verabredet und genießt dann bei angeregten Gesprächen ein Gläschen Sekt.

Die Fahnen des Imkervereins Beerfelder Land halten Uschi und Harald Bohländer hoch. Der Markt bietet eine gute Absatzmöglichkeit für Kleinimker, erläutert sie. „Der feste Honig eignet sich gut für den Tee“, erklärt ihr Mann. Auch bei Halsweh kann ein Löffel nicht schaden. Honig von der Sommerblüte vermittelt noch ein schwaches Gefühl davon, wie wärmere Temperaturen schmecken können. Die heilsame Wirkung von Propolis ist ja hinreichend bekannt. Seit Anfang an sind die Imker auf dem Markt dabei. Mehr als zehn Jahre lang war der Vorsitzende Dieter Berg jeder Freitag am Stand anzutreffen, bis dies die Bohländers übernahmen.

Als eine der letzten stieß die Beerfelder Landmetzgerei Sattler mit ihrem breiten Sortiment zu den Marktbeschickern hinzu. „Als wir unseren Laden vor einigen Jahren dichtgemacht haben, wollten wir den Bürgern aber trotzdem noch unsere Waren anbieten“, sagt Isabella Sattler. Denn die Nachfrage ist nach wie vor da. Das zeigt auch an der breiten Palette, die keine fleischlichen Wünsche offen lässt. „99 Prozent aus eigener Schlachtung und Aufzucht“, betont Sattler.

Die Familientradition hält Sebastian Bähr hoch. „Schon mein Großvater lieferte Weine nach Beerfelden“, weiß er. Was vor Jahrzehnten begann, führt der Enkel jeden letzten Freitag im Monat fort. Dann packt er die Kisten aus dem Familienweingut Beyer-Bähr in Rheinhessen ins Auto und fährt damit in den Odenwald. „Der Ursus Vinum Riesling und der Frauenberg kommen immer gut an“, sagt Bähr. Aber auch die anderen süffigen Tropfen aus Flörsheim-Dalsheim werden von den Oberzentern gerne getrunken.

Initiator des Marktes war 2003 die Projektgruppe Wochenmarkt, die aus der „Zukunftskonferenz“ der Stadt Beerfelden hervorging, erklärt Regina Georg seitens der Verwaltung. Man griff den Wunsch vieler Bürger auf. 2005 fand dann zum ersten Mal ein Markt statt. Auf diesem waren in früheren Jahren auch Käse, Wurst und Fisch anzutreffen, ehe sich das Sortiment auf die jetzigen Anbieter reduzierte. Im Sommer kommt noch ein Verkaufsautomat der Gärtnerei Berger hinzu, aus dem sich Biogemüse und Pflanzen ziehen lassen. Es ist zwar schwierig, neue Stände zu gewinnen. „Für die jetzigen läuft es aber gut“, freut sich Georg.

 

Der Beerfeldener Wochenmarkt findet jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr auf dem Platz vor der evangelischen Kirche statt.

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