Hochliturgischer Gottesdienst in Beerfelden an Karfreitag

Auf die evangelischen Christen von Oberzent wartet am Karfreitag ein ganz besonderer Gottesdienst. Der wird vom evangelischen Pfarrer Roland Bahre um 10 Uhr in der Martinskirche Beerfelden gestaltet. Das Thema lautet „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ als Erinnerung an Jesus‘ Worte am Kreuz, wie sie in Psalm 22 überliefert sind. „Es wird ein hochliturgischer Gottesdienst mit Kreuzlitanei und einigen anderen Besonderheiten, die es hier im Odenwald nicht so oft gibt“, erläutert der Pfarrer

Bahre hat diese Riten von seinem Studium an der Hochschule für Liturgie (St. Anselmo) in Rom mitgebracht, wo er 2009/2010 als evangelischer Student unter Katholiken weilte. Zugleich studierte er auch an der Gregoriana, der päpstlichen Universität in der italienischen Hauptstadt. Der Pfarrer eignete sich dort liturgisches Gespür und Wissen an.

„Der Einsamkeit des Todes und des Sterbens“ soll mit dem Gottesdienst nachempfunden werden, erklärt der Geistliche. Denn Jesus fühlte sich in dieser Stunde „Gott-los“. Am Altar liegt ein großes Kreuz, auf das jeder Besucher einen Stein legen kann und damit ausdrückt, „dass uns vieles schwer auf dem Herzen liegt“. Nachempfunden ist dies dem jüdischen Bestattungsritual.

Das Kreuz wird während des Gottesdiensts verhangen sein und die Glocken schweigen bis zur Osternacht. Dann wird am Sonntag um 6 Uhr das Osterfeuer entzündet und eine feierliche Evangeliums-Verlesung stattfinden, führt der Pfarrer weiter aus. „Ohne die Osternacht kann man den Karfreitag nicht aushalten“, verdeutlicht er. Es gehe nicht um Personen oder Menschen, betont der Geistliche, „sondern ganz um Christus“.

Vor zwei Jahren feierte Bahre, der seit drei Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Beerfelden als Seelsorger tätig ist, das erste Mal diese Art von Hochliturgie in einem sehr gut besuchten Gottesdienst. Die damalige Rückmeldung war positiv. „Absolut beeindruckend und sehr bewegend“, lauteten die Reaktionen der Gläubigen. „Sehr tiefgehend, zu Tränen rührend“, war ein anderes  Feedback.

Der Kirchenchor unter der Leitung von Iris Thierolf gestaltet den Gottesdienst mit. Er singt allerdings von oben und nicht von unten wie normal. Sehr berührende Musik wie das „Ave Verum“ von Mozart oder Werke von Zoltán Kodály oder Josef Gabriel Rheinberger kommen zur Aufführung. Am Ende des Gottesdienst wird es keinen Segen geben, so Bahre weiter.

„Das wird schmerzhaft, aber das müssen wir aushalten“, stimmt er die Besucher darauf ein, dass man so „die Gottverlassenheit des Moments fühlt und der Einsamkeit auf die Spur kommt“. Eben ein anderer, „schmerzhafter Gottesdienst“ passend zur Kreuzigung Christi. „Nichts passiert von ungefähr, alles hat seinen liturgischen und theologischen Sinn“, erläutert der Pfarrer.

Alle Gottesdiensttermine über Ostern auf http://www.ev-kirchengemeinde-beerfelden.ekhn.de

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