„Purple Rising“ erweckt im Hüttenwerk Michelstadt Deep Purple zum Leben

Als wäre die Zeit stehen geblieben: So muss es vor 45 oder 50 Jahren geklungen haben, als die britische Hardrockband Deep Purple in wechselnden Besetzungen eines ihrer legendären Konzerte gab. „Mark II“ ist dabei die Formation, die sich am ehesten ins Gedächtnis eingebrannt hat, da der Fünfer so legendäre Songs wie „Smoke on the Water“, „Child in Time“, „Lazy“ oder „Space Truckin‘“ komponierte. Aber auch Mark III mit „Burn“ oder „Mistreated“ kommt zu seinem Recht.

Satt wummert der Bass von Roger Glover aus den Marshall-Boxen, majestätisch thront die Hammond-Orgel von Jon Lord über den Songs, filigran reiht sich Ritchie Blackmores Gitarrenspiel ein, in schnellem Rhythmus halten die Drums von Ian Paice den Takt, während sich Ian Gillan die Seele aus dem Leib singt und schreit. Mit einem Unterschied: Es stehen nicht die Deep Purple von 1972 wie bei „Made in Japan“ auf der Bühne des Hüttenwerks, sondern mit „Purple Rising“ eine Coverband, die die Hits von damals auf der Bühne frisch und fetzig spielt – einfach perfekt.

Dominik Stotzem (Bass), Andreas König (Hammondorgel, Keyboards), Patrick Sühl (Vocals), Stefan Deissler (Drums) und Reik Muhs (Gitarre) erschaffen im Hüttenwerk Michelstadt eine perfekte Illusion früherer Jahre. Enthusiastisch, exzessiv, ausufernd, nicht enden wollend, auf den Punkt genau werden die alten Kracher von der fünfköpfigen Band förmlich zelebriert, die Spielfreude kommt in jedem Ton rüber. Die Reminiszenz ist quasi total.

Es stimmt alles, von den Handbewegungen, dem affektierten Gehabe über die Kleidung und den Haaren bis hin zu den diversen Instrumenten. Reik Muhs imitiert den Meister auf den sechs Saiten, Ritchie Blackmore, beinahe schon so perfekt, dass es unheimlich ist. Selbst die Frisur aus den 70ern stimmt. Mit der Fender Stratocaster-Gitarre ergibt das inklusive stimmiger Bewegungen, den typischen Posen und dem virtuosen Spiel ein Gesamtbild, wie es besser nicht sein könnte.

Richtig (unheimlich) authentisch wird es, wenn er sich mit Andreas König an Hammond-Orgel und Keyboards immer wieder die legendären musikalischen Duelle liefert. „Highway Star“, „Space Truckin‘“ oder „Black Night“ sind solche Klassiker, die inklusive der eingestreuten Soli überhaupt nicht mehr enden wollen.

Wie König den nicht mehr unter uns weilenden Jon Lord gibt, ist ebenfalls ein Hingucker für sich. Seine Hammond-Orgel hat schon 63 Jahre auf dem Buckel und ist bei jedem Aufbau „eine Riesen-Plackerei“. Aber der Sound! Der ist unvergleichlich und legt quasi sofort den Schalter um – das legendäre Live-Album „Made in Japan“ lässt grüßen. Dazu noch die Leslie-Verstärker, nur wenig jünger als das Instrument. Auch Jon Lords Fingerzeige hat sein Epigone bis ins kleinste Detail drauf.

Dominik Stotzem am Bass hat eher was vom zappeligen und nie still stehenden Ausnahmekünstler Glenn Hughes. Er ist eindeutig der Partymacher in der Band, animiert das Publikum ein ums andere Mal erfolgreich zum Mitmachen und Mitsingen, ist wie ein Irrwisch auf der Bühne unterwegs und hat einfach den puren Groove im Blut.

Sänger Patrick Sühl darf sich gleich an vier Vorgängern abarbeiten und macht seine Sache sehr gut. Rod Evans stand bei „Hush“ und „April“ am Mikro, mit dem Deep Purple 1968 die ersten großen Erfolge feierte. Und dann natürlich Ian Gillan vom klassischen Mark II-Line-up, den Sühl sehr gut draufhat. „Child in Time“ etwa oder „Smoke on the Water“ klingen mit geschlossenen Augen wie vor mehr als 45 Jahren. Mit „Stormbringer“ lieferte David Coverdale ein Glanzstück ab. Etwas schwerer tut er sich mit dem Gesang von Glenn Hughes oder auch Joe Lynn Turner, wenn mit „Fortuneteller“ ein Rainbow-Stück eingestreut wird.

„Catch the Rainbow“ am Schluss, bei dem der vor einigen Jahren verstorbene Ronnie James Dio am Mikro stand, ist ein besonderes Schmankerl. Wie auch „Halleluja“, der erste Song der Mark II-Besetzung, oder das Concerto von Jon Lord, bei dem dieser wegbereitend eine Rockband zusammen mit einem klassischen Orchester auftreten ließ. Der Jubel der Besucher kennt keine Grenzen, die Band wird enthusiastisch gefeiert.

Advertisements