Moscheebesuch der Oberzentschul-Siebtklässler: Vorurteile abbauen und Vertrauen aufbauen

Ein Nachmittag im Zeichen des Aufeinander Zugehens: Die siebten Klassen der Oberzent-Schule, mehr als 60 Kinder, besuchten die muslimische Gemeinde in Beerfelden. Die hat ihre Räume in der ehemaligen Gaststätte Zimmermann neben dem Bürgerhaus. Die Schüler mitsamt ihren Religions- und Ethiklehrkräfte wurden von Herrn Erdogan und einigen Gemeindemitgliedern herzlich empfangen.

Im Rahmen ihres Religionsunterrichts hatten sich die Schüler bereits mit der Weltreligion Islam beschäftigt. Die Gastgeber waren stolz darauf, ihre in Eigenarbeit renovierten Räumlichkeiten zu zeigen. Es lag ihnen viel daran sich ausführlich vorzustellen, die Fragen der Kinder zu beantworten und Vorurteile abzubauen. Berkant Özdemir forderte alle auf: „Wenn ihr etwas nicht versteht, dann redet nicht über uns, sondern mit uns und fragt.“

Die Schüler durften die Gebetsräume der Frauen und der Männer betreten – natürlich nachdem sie  die Schuhe ausgezogen hatten. Imam Osman legte eigens für die Jugendlichen sein Gebetsgewand an und stellte eine Kurzfassung des Muezzin-Rufs vor. Aufmerksam beobachteten die Schüler das Geschehen und lauschten den fremden Klängen.

Besonders beeindruckt waren sie, als Mitschüler Halil Özdemir aus dem Koran die erste Sure in arabischer Sprache vorlas und Schulleiter Bernd Siefert diese in Deutsch übersetzte. Die über 60 Besucher wurden in zwei Gruppen durch die Räume geführt. Beim abschließenden Gespräch im Gastraum bekamen alle etwas zu trinken.

Die Kinder stellten mutig Fragen: „Wie wurde das Gebetshaus finanziert?“ Über Spenden und in Eigenarbeit, so die Antwort. „Ist es in Deutschland nicht schwierig, sich als Berufstätiger an die Gebetszeiten zu halten?“, wollten die Schüler darüber hinaus wissen. Wenn man zu einer bestimmten Gebetszeit arbeiten muss, könne man dies auch verschieben, so Erdogan. Er nutze das Gebet, um sich zu sammeln, runterzufahren und dann konzentriert weiterzuarbeiten.

„Dürfen Sie auch im Sommer bei großer Hitze während des Ramadan nicht trinken?“, hieß es. Im  Prinzip nicht, so die Antwort. Aber es gebe Ausnahmen für Gläubige mit gesundheitlichen Problemen oder auch Menschen, die schwer arbeiten. Dieses Jahr liegt Ramadan mitten im Hochsommer, was es für die Gläubigen sicherlich zu einer Herausforderung werden lässt, die Fastenzeit zu absolvieren. Sie zählt jedoch im Islam zu den höchsten Glaubensgrundsätzen.

„Warum gibt es immer wieder Krieg?“, lautete eine Frage mit aktuellem Hintergrund. Die Vertreter der muslimischen Gemeinde baten um Differenzierung. „Nicht alle Muslime sind Terroristen“, meinten sie. Der Islam sei seit 1500 Jahren eigentlich eine friedliche und tolerante Religion. Das Ziel sei ein friedliches Zusammenleben ohne Vorurteile. „Es geht uns um das gemeinsame Miteinander“, so die Mitglieder.

Unter dem Schlagwort „Aufeinander zugehen“ finden in der Oberzent-Schule mehrere Projekte statt. Da es auch Aktionen mit den beiden christlichen Kirchengemeinden gibt, entstand daraus der Wunsch, ebenfalls die muslimische Gemeinde mit aufzunehmen. Zuerst war Schulleiter Bernd Siefert  mit seiner siebten Religionsklasse eine Stunde dort. Dabei wurde deutlich, dass sowohl die Zeit nicht reichte als auch das Thema interessant für alle Siebtklässler ist.

Zu schnell verflog die Zeit für die Schüler. Sie konnten gar nicht alle Fragen stellen, die ihnen auf dem Herzen lagen. Mit liebevoll verpackten Süßigkeiten machten sich die Jugendlichen auf den Rückweg zur Schule. Die Gastfreundschaft beeindruckte alle. Das Ziel, miteinander ins Gespräch zu kommen, Berührungsängste abzubauen, Vertrauen aufzubauen,  wurde erreicht.

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