Ganz Oberzent trifft sich auf der Flaniermeile beim Brunnenfest

Wenn das Brunnenfest ansteht, dann findet sich halb Oberzent in der Innenstadt von Beerfelden. Und nicht nur die: Aus Unterzent, Überwald und Neckartal kommen die Gäste auf den Berg, um das riesige Angebot von Gewerbe und Vereinen, gepaart mit einem großen Unterhaltungsangebot, für einen Tag zu genießen. Denn neben dem Pferdemarkt ist das Brunnenfest „die“ Veranstaltung der Stadt am Berge. Man trifft sich, kommt ins Gespräch, tauscht Erinnerungen aus, sieht alte Freunde wieder.

Es eigentlich nichts, was es nicht gibt: Leckereien, fest oder flüssig, in allen Formen, sodass keine Wünsche übrig bleiben. Informationen übers Handwerk, Pflanzen, Kinderkarussell, Musik, und, und, und. Dazu auch was fürs Auge von Fans alter Bulldogs. Die Oldtimer- und Traktoren-Freunde Beerfelden haben ein paar alte Schnauferl direkt an Metzkeil gestellt.

Wilfried Krämer nennt einen Lanz Aulendorf aus dem Jahr 1956 sein Eigen. Er steht seit zehn Jahren jedes Mal auf dem Brunnenfest. Fast wäre es jetzt nichts geworden. „Heute Morgen hat es nur klack gemacht“, sagt er. Die Batterie. Beim Sohn holte er schnell eine neue und dann war der Tag gerettet. Über 1200 Kubik hat sein Schmuckstück, das er mit Liebe pflegt. Frieder Backoff gehört ein 50 Jahre alter Krämer mit 32,5 PS gleich nebenan.

Oberzent-Schulleiter Bernd Siefert, der mit seiner Familie quasi jedes Jahr auf dem Markt unterwegs ist, freut sich über die Belebung der neuen Stadt. „Das Brunnenfest zeigt, was in Oberzent alles geboten wird.“ Für die Freiwillige Feuerwehr bedeutet die Veranstaltung einen Großeinsatz. „Von morgens bis abends sind 80 Mann gefordert“, berichtet Marc Gärtner. Dazu noch Auf- und Abbau.

Aber für die Feuerwehr ist das Brunnenfest auch eine Ehrensache, denn sie rief es damals zusammen mit dem Gewerbeverein ins Leben. Nicht nur zur Eröffnung, bei der auch Landrat Frank Matiaske dabei war, herrscht im großen Zelt volles Haus. „Etwas ganz besonderes“ war der Start auch für Interims-Bürgermeister Egon Scheuermann, der das erste und letzte Mal die Freude hatte, zum Freibier zu bitten. Beim Pferdemarkt ist schon sein Nachfolger im Amt – und früher durfte er als Sensbachtaler Rathauschef in Beerfelden nicht an den Zapfhahn.

Eine Tradition älter als das Fest hat die Bäckerei Heilmann aus Hetzbach. Seit über 100 Jahren ist sie im Stadtteil ansässig und wird heute von Stefan Schmitt geleitet. Daniela Bietz und Katharina Hartmann hielten unter anderem im Holzofen gebackenen Dinkelknorz und einen Landmühlenlaib für die Gäste parat, letzterer aus 80 Prozent Roggen, 20 Prozent Weizen, Sauerteig und Sonnenblumenkernen.

Schräg  gegenüber, bei der Beerfellmer Landmetzgerei Sattler, kommt Fleischliches aus eigener Produktion auf den Teller. Bratwurst und Steak sind die Klassiker, erstmals in diesem Jahr gab es einen frisch belegten Pulled-Beef-Burger. „Das Brunnenfest gehört für uns einfach dazu“, betont Isabella Sattler, die den Stand vor allem mit Familienangehörigen schmeißt. Mann Norbert steht am Grill, Sohn Tobias hat die Rinderzucht, die das Fleisch für die Leckermäuler liefert.

Vielen Brunnenfest-Besuchern geht es darum, Bekannte hier zu treffen, die man sonst das Jahr über wenig sieht. Johanna Käpernick-Krämer nutzt die Gelegenheit, dass sie in diesem Jahr nicht wie letztes Mal am Stand der Generationenhilfe tätig ist und schlenderte durch die Straßen. Auch  Katharina Riesinger, Rainer Flick oder Chris Poffo freuen sich, viele bekannte Gesichter zu treffen. Riesinger findet das große Angebot ansprechend, das es sonst in Oberzent so nicht gibt. „Das hat Flair“, betont sie übereinstimmend mit Poffo.

Monika Jung aus Finkenbach ist das erste Mal mit ihren Holzarbeiten dabei. Seit zweieinhalb Jahren widmet sie sich bereits diesem Hobby. „Ich habe eine große Verbundenheit mit Holz“, sagt sie, deren Schwiegereltern lange Jahre die Bürstenfabrik Edelmann führten. Für EGO-Vorstand Thomas Mergenthaler ist die Teilnahme am Brunnenlauf seit über 20 Jahren Pflicht. „Man kennt die Leute“, sagt er, und wird von der guten Stimmung getragen. Er freut sich jedes Mal darauf, sein Flüssigkeitsdefizit danach bei den umliegenden Ständen wieder auffrischen zu können.

 

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