Melodisch, mächtig, metallisch: „Leaves Eyes“ im Weinheimer Café Central

Wilde Wikinger in Weinheim: Die Symphonic Metal Band „Leaves Eyes“ hatte zu ihrem Auftritt ins Café Central gleich mehrere furchterregende Gesellen in voller Montur mitgebracht, die zusammen mit den Musikern auf der Bühne waffenstarrend und Schwert schwingend Stimmung machten. Dazu noch die harten, aber immer melodischen Klänge, die sirenenhafte Stimme der finnischen Sängerin Elina Siirala und die heftigen Growls von Alexander Krull – fertig war eine Heavy-Mixtur, die etwa 150 Fans in der schwül-warmen Atmosphäre begeisterte.

„Sign of the dragonhaed“ heißt die neue CD der deutsch-skandinavischen Band, für die der Weinheimer Auftritt fast schon ein Clubkonzert gewesen sein muss. Denn das Quintett spielte bereits beim ungleich größeren Wave Gothic Treffen in Leipzig oder beim Wacken Open Air. Folk- oder Viking-Metal haben die fünf ihre Musik untertitelt –  richtigerweise, denn die keltischen und nordischen Einflüsse sind unüberhör- und -sehbar. Wenn dann zum Schluss fast ein komplettes Wikingerdorf die Bühne entert, gerät der Song schon fast zur Theateraufführung.

„Sign of the dragonhead“ ist auch die erste Veröffentlichung mit dem neuen Line-up, zu dem seit 2016 Siirala gehört, die auf Liv Kristine folgte. Torsten Bauer an Gitarre und Bass ist zwar wie Krull ein Leaves-Eyes-Urgestein seit Gründung 2003, aber Pete Streit (Gitarre) kam erst 2015 hinzu, zwei Jahre nach Schlagzeuger Joris Nijenhuis. Sie stehen für harte Riffs, aber auch sphärische Synthie-Klänge, die zusammen mit dem Gesang den Songs immer eine Struktur geben und sie nicht ins reine Gitarren-Geschrubbe abrutschen lassen.

Auf dem neuen Silberling spinnt die Gruppe die Wikinger-Chroniken aus den früheren Jahren fröhlich weiter, nimmt aber neue Einflüsse mit auf, ohne die alten Stärken zu vergessen. „Across The Sea” wird so etwa zu einer Art „Metal-Shanty” mit unwiderstehlichem Rhythmus. „Like A Mountain” erzählt eine tragische isländische Liebesgeschichte, untermalt von einem gothiclastigen Basstrack. Wie überhaupt die Double Bassdrum gerade im hinteren Teil des Cafés so manchen Gitarrenton überdeckte.

Elina Siirala kann sämtliche Facetten ihrer eindrucksvollen Stimme voll ausschöpfen. Sie dominiert mit ihrem wandlungsfähigen Organ, das teilweise schon Anklänge ans Opernhafte hat, ganz klar die verschiedenen Songs. Da merkt man sehr deutlich die klassische Ausbildung. Mal sanft säuselnd, dann aber auch wieder kraftvoll, saalfüllend, voll klingend bei anderen: Jeder Songs ist ein Erlebnis. Wenn Sänger Alex Krull nicht gerade seine mit Reißnägeln gegurgelte Growls einstreute, dann animierte er die Menge erfolgreich zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitgrölen – eine eingeschworene Gemeinschaft.

Natürlich standen die neuen Lieder ganz klar im Mittelpunkt des Konzerts, das Mayan und Almanac als Vorgruppen sah. Mittelalterliche Schlüsselfideln, Geigen, schottische Dudelsäcke und Flöten bildeten einen interessanten  Hintergrund bei Stücken wie „Shadows In The Night” und „Völva“, die die Fans bei geschlossenen Augen in eine mystische Welt der nordischen Seher und Sucher entführten. Melodisch, mächtig, metallisch präsentierte sich die Band, die gnadenlos Stimmung machte und nicht so  schnell von der Bühne gelassen wurde.

Den Vergleich mit einer der führenden Bands der Szene „Nightwish“, muss sich die Truppe gefallen lassen. Einige Anklänge lassen sich feststellen, was per se aber nichts Schlechtes ist.  Im Gegenteil: „Leaves Eyes“ wissen ihre eigenen Einflüsse geschickt einzubauen. „Riders On The Wind”, eigentlich ein klassisches Heavy Metal-Stück, gewinnt stark durch die Konfrontation mit Celtic Folk und bildet die Basis für eine große Wikinger-Party.

„Jomsborg” wiederum handelt von einer legendären baltischen Festung und ihrer Armee, zelebriert durch am Anfang genannte Streiter. Gleichzeitig bildet der Song eine Hommage an die Reenactment-Szene, die immer mehr an Zulauf gewinnt. Living History wie etwa in Haithabu, eine frühe Wkinger-Siedlung, die heute in Schleswig liegt, ist dafür nur ein Schlagwort. So weit musste man aus Baden aber nicht fahren, um die Wikinger zu sehen – das Café Central reichte.

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Posted by Thomas Wilken on Friday, May 11, 2018

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