Die Kirche muss zu den Menschen kommen: Pfarrer Roger Frohmuth feiert in Beerfelden das 25.Jubiläum seiner Ordination

Roger Frohmuth wirft den Kopf in den Nacken und lacht lauthals, sodass der ganze Körper bebt und auch die Besucher im nächsten Zimmer noch hören, wie viel Spaß der Mann hat. Die Hände zeichnen seine Worte nach, er weiß anschaulich, lebendig, wortgewaltig, plakativ über sich und seinen Glauben zu sprechen. Der 53-Jährige ist eine Frohnatur, macht seinem Nachnamen alle Ehre. Er weiß seine Stimme so einzusetzen, dass sie Gehör findet und widerhallt in dem, was er anderen zu sagen hat. Das Ganze ohne erhobenen Zeigefinger.

Frohmuth entspricht gar nicht so sehr dem Klischee eines Pfarrers. Aber das ist vielleicht gerade sein „Erfolgsgeheimnis“: Frohmuth ist ein Pfarrer zum Anfassen, einer mit Augenzwinkern, mit Selbstironie, der die Menschen genauso nimmt wie sie sind und nicht an ihnen herumkrittelt. Er will auf der persönlichen Schiene den Glauben vermitteln, „sonst fährt auch der Zug nicht“. Ihn fasziniert der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Leuten.

25 Jahre ist es jetzt her, dass Roger Frohmuth in Beerfeldens evangelischer Martinskirche ordiniert wurde. Genau dort feiert er jetzt am 24. Juni im Rahmen eines Festgottesdiensts das Vierteljahrhundert als Pfarrer. „Das ist außergewöhnlich, dass es in derselben Kirche stattfindet“, betont er. Denn ein Pfarrvikar muss mit der Ernennung zum Pfarrer als Lebenszeit die bisherige Stelle frei machen, was er 1997 schweren Herzens tat. Es folgte ein zwölfjähriges Intermezzo in Nieder-Ramstadt.

„Es war wie heimkommen“, sagt Frohmuth über seine Rückkehr 2009 in die Stadt am Berge. Die war einem glücklichen Zufall geschuldet – ein Pfarrer würde Fügung sagen. Denn der Geistliche kam bei einem längeren Krankenhausaufenthalt dazu, das einschlägige Amtsblatt genauer zu studieren, in dem auch die Stellenanzeigen aufgeführt waren. So auch die für die Pfarrerstelle in Beerfelden. Eigentlich war die Frist kurz vorher abgelaufen, aber Frohmuth schaffte es noch ins Auswahlverfahren – und seine Beerfellmer hatten ihn wieder.

„Als wären zwölf Jahre nichts gewesen“, wurde seine Rückkehr im Ort fast wie selbstverständlich aufgenommen. Der Geistliche schildert mit Augenzwinkern seinen Gang durch die Turmstraße kurz danach. Da schaute einer aus dem Fenster, „der da schon immer rausschaute“. Der lakonische Kommentar des Einwohners: „Na, wieder do.“ Für einen Pfarrer „ist es toll, mit offenen Türen empfangen zu werden“, betont der 53-Jährige.

Er schätzt es sehr, dass ihm so viele Möglichkeiten geboten werden, das Wort Gottes kund zu tun. Der Geistliche muss sich „nicht aufdrängen“, was er sowieso nicht tun würde. Für die Oberzentler ist es wichtig, dass Veranstaltungen mit einem Gottesdienst beginnen, hat er festgestellt. Ihn freut es, „dass es möglich ist, im weltlichen Bereich unseren Senf dazu zu geben“, lacht Frohmuth.

Mit seiner mobilen Kanzel predigt der Pfarrer „überall wo es geht“. Denn die Kirche „muss zu den Menschen kommen“, betont er. Es gelte neue Formen zu finden, das Wort Gottes weiterzugeben. Genau das sieht er als seine Hauptaufgabe an. Um zu predigen, „sollte kein Weg zu weit und zu schmutzig sein“, so Frohmuth. Vorurteile gibt es bei hm nicht, alle sind Kinder Gottes. Er sieht sich nicht als Moralapostel, denn die Predigt soll die frohe Botschaft verkünden. Das macht Frohmuth auch ungern von oben herab, „weil ich nicht herabkündigen will“. Er ist lieber auf Augenhöhe.

„Ich will die Leute nicht verändern und vereinnahmen“, hebt er hervor, sondern so wertschätzen wie sie sind. Der Geistliche hält nichts „vom brutal Missionarischen“. Es ist der Mensch Roger Frohmuth, der mit seinen Schäfchen spricht und ihnen das Wort Gottes weitergibt. So wie es sein soll. „Wenn ich vergesse, dass ich Pfarrer bin und stattdessen ganz ich bin, dann ist es am besten.“ Und lacht wieder aus voller Kehle. „Das ist mein Weg“, sagt der musikalisch Beschlagene mit Anklang an Frank Sinatra.

Die Verbindung von Leib und Seele war Frohmuth von Beginn an immer wichtig. „Christsein ist nichts Leibfeindliches“, meint er. Männerkochkurse sind seit je her sein Steckenpferd. Eine große Rolle spielt für ihn seit je her die Kirchenmusik. Natürlich ist beim Jubiläum deshalb auch der Kirchenchor zu hören. Ein Glaube, der nur im Kopf hängen bleibt „und nicht in Herz und Füße geht, ist tot“, lautet deshalb auch sein Credo.

Roger Frohmuth, 53 Jahre alt, verheiratet, wurde in Darmstadt geboren und wuchs in Hassenroth auf. Nach dem Abitur in Groß-Umstadt studierte er in Erlangen und Heidelberg evangelische Theologie. Als „jüngster Examenskandidat“ war mit Ende 24 fertig. „Aber das Leben fehlte noch.“ Weshalb er in einem Jahr zuerst bei Pirelli am Band arbeitete, dann ein halbes Jahr bei der Bahnhofsmission in Darmstadt tätig war und schließlich in die Kirchenverwaltung Darmstadt hineinschnupperte. „Dann war ich reif fürs Vikariat“, schmunzelt der Geistliche.

Das begann Frohmuth Anfang 1991 in der Petrusgemeinde Gießen. Schon dort entdeckte er seine Liebe zur Kirchenmusik und kam mit einem Männerkochkurs in Kontakt – Dinge, die sich in Beerfelden fortsetzen sollten. Von Dezember 1992 bis Mai 1993 folgte ein Spezialvikariat im Diakonischen Werk Hessen-Nassau (Frankfurt). Von Juni 1993 bis August 1997 war Frohmuth Pfarrvikar in Beerfelden. Von September 1997 bis Juli 2009 folgte die Tätigkeit als Pfarrer in Nieder-Ramstadt, ehe er danach wieder nach Beerfelden zurückkehrte. „Ich bin sehr gerne Gemeindepfarrer“, sagt er. „Das ist der tollste Job der Welt“. Eine Karriere in der Kirchenhierarche käme ihm nie in den Sinn.

Info: Die 25. Wiederkehr von Roger Frohmuths Ordination wird am Johannestag, Sonntag, 24. Juni, mit einem Festgottesdienst in der evangelischen Martinskirche Beerfelden gefeiert. Dieser beginnt um 10 Uhr und wird musikalisch umrahmt. Im Anschluss gibt es geselliges Fest rund ums Gemeindehaus, bei dem die „Martinsmänner“ (aus dem Männerkochkurs) Kartoffelsuppe kochen. Zuerst spielt die Feuerwehrkapelle Beerfelden auf, danach singen die Kindergartenkinder Lieder.

 

 

 

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