Angefahrenes Rehkitz „Bambi“ wird in Kortelshütte wieder aufgepäppelt

„Bambi“ ist ihr Ein und Alles. Die achtjährige Jule kümmert sich gleich morgens nach dem Aufstehen um das etwa sechs Wochen alte Rehkitz, das ihre Eltern Melanie und Ralf auf dem heimischen Grundstück im Oberzent-Stadtteil aufpäppeln. Das Tier wurde vor kurzem gegen 11 Uhr mitten im Ort oberhalb von Dekodur in der Langenthaler Straße von Hirschhorn angefahren und einfach liegengelassen. Da Kabel Jagdmitpächter im Hirschhorner Dammberg-Stadtwald ist, ist er für solche Fälle zuständiger Ansprechpartner und folgerichtig läutete bei ihm das Telefon.

Ein aufmerksamer Anwohner hatte das Geschehen beobachtet und die Polizei alarmiert. Die erreichte Ralf Kabel an seiner Arbeitsstätte in Heidelberg. Der peste nach Hirschhorn. Vor Ort wurde erst einmal nach der Mutter gesucht. „Die war aber nicht zu finden“, so der 43-jährige Immobilienmakler. Aber selbst wenn, wäre das Rehkitz ohne „menschliche“ Hilfe wohl nicht durchgekommen. „Es ist mit der rechten Seite ans Auto geprallt, hat eine schwere Kopfverletzung und sich die ersten Tage überhaupt nicht bewegt“, schildert er.

Ein per Zufall vorbeikommender Rettungssanitäter schaute sich das Tier an. „Der geht davon aus, dass das Gehirn nicht verletzt wurde“, so Kabel. Allerdings war es längere Zeit kritisch, ob Bambi überhaupt überleben würde. „Die ersten Tage hat das Kitz stark nach seiner Mutter gefiept“, war träge, teilnahmslos, bewegte sich nicht, erläutert er. Plötzlich kam dann die Wende, das Tier begann zu fressen und sich zu bewegen.

Das rechte Auge scheint durch den Unfall erblindet zu sein. Augentropfen halfen nicht. Das Kitz war durch die Verletzung zuerst stark gehandicapt und „ist überall dagegen gestoßen“, erzählt Jule. Dann aber gewöhnte es sich immer mehr daran und läuft jetzt zwar noch staksig, aber zielstrebig übers Gelände. Seine Heimat hat das Tier vorerst auf dem eingezäunten Spielgelände der Kabels gefunden. Das wird jetzt noch einmal mit Maschendrahtzaun verstärkt, um unliebsame vierbeinige Eindringlinge fern zu halten.

„Eine Auswilderung ist leider nicht mehr machbar“, bedauert Ralf Kabel. Denn das Tier hat sich viel zu stark an die Menschen gewöhnt. Auch ist es seinen Worten zufolge schwierig, weibliche Rehe im Wildgehege unterzubringen, weil sie ziemlich spezielles Futter fressen. Deshalb wird Bambi quasi sein eigenes Grundstück bekommen. Oberhalb des Kabel-Hauses gibt es ein 600 Quadratmeter großes, verwildertes Gelände, das entsprechend hergerichtet wird.

Pferde und Hasen gehören ebenfalls noch zum Kabel’schen Haushalt. Schon einmal wurde ein Vierbeiner aufgepäppelt: Wildschwein „Willi“ kam als Frischling nach Kortelshütte und entwickelte sich dann zu einem 60-Kilo-Keiler. Der hörte zwar auf seinen Namen, „aber war nicht mehr zu halten und büxte laufend aus“, lacht Kabel. Deshalb kam Willi dann zu seinen Artgenossen in den Tierpark Schwarzach.

Ab und zu frisst Bambi ein bisschen Gras, Löwenzahn und Klee, aber der Großteil der Nahrung besteht aus Schafsmilch. „Ich habe einen Sack voll davon gekauft“, schmunzelt Ralf Kabel. „Alle drei Stunden gibt’s die Schoppenflasche“, ergänzt seine Frau Melanie. Am Anfang trank das Tier nicht richtig, aber nach ein paar Tagen wurde es immer mehr. Abends gibt es derzeit um 22.30 Uhr 150 Milliliter. Das reicht dann bis um 7.30 Uhr.

Dann darf Jule ran. Sie geht morgens gleich mit runter und hebt beim Füttern den Kopf des Tieres. Die Achtjährige freut sich, dass es Bambi „jetzt wieder besser geht“ und das Kitz über den Berg ist. Sie hat nun in den Sommerferien jeden Tag eine Beschäftigung, lacht Mutter Melanie. Denn Ralf Kabel brachte das Tier genau am ersten Ferientag mit nach Hause.

 

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