Eberbacher Grundschüler waren von den Beerfelder Bienen begeistert

Lustig zappelt der Drohn zwischen den Fingern von Su-Menekse. Interessiert und ohne Scheu schaut sich die Zweitklässlerin die männliche Biene von allen Seiten an. Nebendran freut sich Klassenlehrerin Pia Peters wie ein Schneekönig. „Genau das war mein Ziel“, sagt sie: nämlich den Kindern der 2a aus der Eberbacher Dr.-Weiß-Grundschule die Scheu vor den fleißigen Tieren zu nehmen. 22 Schüler waren zusammen mit ihr und fünf begleitenden Müttern zu Gast beim Imkerverein Beerfelder Land, wo es alles rund um die Bienen in spielerischer Form zu erfahren gab.

Etwa bei Alexander Friedel. Der wusste mit der Lust auf Süßes den Schülern die Angst vor der Bienenwabe zu nehmen. Drei Kilo ist der volle Honigraum schwer, berichtete er beim Herausnehmen aus der Beute, dem Bienenstock. Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna schauten erst einmal etwas skeptisch auf das Gewusel und Geschwirre. Zaghaft steckten sie den Finger in den Honig, dann in den Mund – und der Bann war gebrochen. „Das schmeckt voll süß“, freute sich Carolina. Prompt tauchten sie die Finger zum Probieren noch mehrmals hinein.

„Unter dem Honigraum befinden sich zwei Bruträume“, erläuterte Friedel den Kindern. Die Honigsaison dauert von Mitte April bis Ende Juni. Die Bienen liefern pro Volk im Schnitt etwa 75 Kilo Honig im Jahr, leckeren Blütenhonig vom Bienenplatz Beerfelden. Aktuell sind es vor allem die stark blühenden Brombeeren, aber auch die Esskastanien, die als Nahrungsquelle dienen.

In der ersten Klasse galt es ein Maskottchen zu finden, erläutert Pia Peters den Hintergrund des Besuchs. „Da haben wir die Biene genommen.“ Kein Wunder, denn die Klassenlehrerin aus Michelstadt ist selbst Imkerin mit vier großen und zwei kleinen Völkern und Mitglied des Kreisverbands der Odenwälder Imker. Bei Dieter Berg, dem früheren Vorsitzenden des Beerfelder Vereins, ging sie „in die Lehre“. Es sei naheliegend, „dass die Bienenklasse mal bei den Bienen war“, schmunzelt sie.

Die Schüler waren bei den verschiedenen Aufgaben mit Begeisterung bei der Sache. Neben Friedel und Berg kümmerten sich auch die Vereinsmitglieder Norbert Kramer, Marlon Ihrig und Uwe Röglin um sie. Es ging um die Themen Kerzenrollen aus Bienenwachs, Königinnen zeichnen, Lebensräume schaffen, Futterquellen anlegen, die Entwicklung der Bienen oder männliche Tiere erkennen.

Im Unterricht war der Besuch natürlich im Vorfeld Thema. „Bis zu 60.000 Arbeiterinnen leben in einem Bienenstock“, erläuterte Peters dabei den Schülern. Dazu kommen maximal ein Drittel Drohnen und eine Königin. Im Laufe des Jahres nimmt die Zahl der Arbeiterinnen ab. Sie leben im Schnitt 35 Tage, während die Königin bis zu fünf Jahre alt werden kann. Sie legt am Tag etwa 2000 Eier.  Um Stock putzen, Wabenbau und Aufzucht kümmern sich die Weibchen. Die Männchen „fressen, fliegen aus, befruchten und werden dann gekillt“, brachte es die Lehrerin plastisch auf den Punkt.

„Das Kerzenrollen war besonders schön“, meinte Jule. Carolina schmeckte der Honig super, den sie direkt aus der Wabe naschen durfte. „Ich hatte keine Angst“, meinte sie selbstbewusst. Auch Anna machte alles viel Spaß. „Der Honig war sehr lecker“, sagte sie. Yusuf war von den „großen Glubschaugen“ der Drohnen beeindruckt. Auch hatte er sich den Unterschied zu den Arbeiterinnen gemerkt. Wie die Vereinsmitglieder ein verwildertes Grundstück wieder herrichteten, fand er toll.

Was es damit auf sich hat, erklärte Norbert Kramer. An der B45 nahm sich der Imkerverein ein Gelände vor, richtete es her, säte einen Grünstreifen ein und pflegt es regelmäßig. Wildbienen finden dort Nahrung. „Kürzlich haben wir Heu gemacht“, sagte er. Das geht dann an einen Bauern. An Birkenhöhe und Jahnstraße gibt es zwei weitere Grundstücke, auf denen Spätblüher angepflanzt wurden.

„Zehn Quadratmeter Blühstreifen pro Garten sind nicht viel“, meinte Kramer. Wenn es 1000 Einwohner machen, „kommt damit ein Hektar zusammen“. Er ist gegen einen kurz gehaltenen Rasen. „Wo was wächst, finden die Bienen genug Nahrung“, so sein Credo.

 

Bild: Alexander Friedel mit Sol-Lady, Carolina, Erik und Anna (v.l.)

 

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