Studenten trugen interessante Vorschläge zur Wiederbelegung der Burgruine Freienstein vor

„BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“, „Bühne Freienstein“, „Outdoor Escape Area“, „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ und „Das Minimum – der Prozess“: Fünf Ideen, fünf Vorschläge, fünf Gedankenspiele, wie die Burgruine Freienstein in Gammelsbach wiederbelebt werden könnte. Erarbeitet haben sie 19 Studierende der Hochschule Geisenheim University und der Technischen Universität Darmstadt. Präsentiert wurden sie jetzt in Beerfeldens Alter Turnhalle einer interessierten Schar aus politisch Verantwortlichen, Behördenvertretern und Bürgern.

Um es vorweg zu nehmen: Die „eine“ Idee, bei der sofort alle „hier“ riefen, gab es nicht. Aber die Resonanz auf die Vorträge war durch die Bank weg positiv. Die Tendenz ging eher dahin, sich aus den einzelnen Präsentationen die Sahnestückchen herauszupicken und zu einem „Best of“ zusammenzufügen. Aus allen bis auf eine: Die „Outdoor Escape Area“, bei der es in einer Art Survival Trip darum ging, sich nach einem Flugzeugabsturz rund um die Burg als Abenteuerurlaub selbst zu versorgen (wie etwa Tom Hanks im Film „Castaway“), stieß bei den Älteren auf Widerspruch.

Im Anschluss an die Präsentationen brachten die Bürger ihre eigenen Ideen mit ein. Alles zusammen wird nun von den Studenten noch einmal aufbereitet und soll dann im September in Gammelsbach wieder vorgestellt werden. Generell, so Bürgermeister Christian Kehrer in seiner Bilanz, sei die Vorstellung sehr positiv aufgenommen worden. Als „innovativ“ bezeichnete sie auch Markus Harzenetter.

Der Präsident des hessischen Landesdenkmalamts machte aber ebenso klar, dass die Maßnahmen „nicht von heute auf morgen gehen“. Er regte kleine Schritte an: Zuerst einmal sollte um die Burgruine herum alles frei gemacht werden, um überhaupt die entsprechenden Stellen erreichen zu können. Danach geht es um Versorgungsleitungen. Und schließlich müsse man bei den geplanten Maßnahmen Denkmal- und Naturschutzaspekte abklären, die gesetzlichen Möglichkeiten abklopfen.

Natürlich müssen ebenfalls die Eigentumsverhältnisse mit in Betracht gezogen werden. Als Letztes geht’s dann um das liebe Geld. Kehrer stellt sich eine Mischfinanzierung vor, bei der man versucht, aus verschiedenen Töpfen die benötigten Mittel für Umbau und Sanierung zusammenzubekommen. In den kommenden Jahren sollen dann sukzessive die gewünschten Ergebnisse erreicht werden.

Der Bürgermeister hatte in seinen Eingangsworten den Bogen von den Glanzzeiten der Burgen und Schlösser bis hin zum „drohenden Verfall“ gezogen. Um diese Kulturdenkmäler zu bewahren, „müssen alle an einem Strang ziehen“. Für Michael Reuter, der als Vertreter des Landrats und Vorsitzender Perspektivgruppe Freienstein seine Worten an die Zuschauer richtete, war die Veranstaltung ein weiterer Schritt dahin, „Freienstein aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“.

Mit dem heutigen Tag beginnt laut Reuter „eine sehr intensive Diskussion“. Er freute sich, dass das Landesdenkmal an vorderster Front mit im Boot ist. Man solle den Vorteil nutzen, „dass so viele zusammenarbeiten“, sagte er. Reuter wies darauf hin, dass die neue Stadt Oberzent in ihren Grenzen das frühere Amt Freienstein abbilde – eine besondere Verantwortung.

Harzenetter bezeichnete die Burgruine als „ein besonderes denkmalpflegerisches Objekt“. Den gesamten Prozess nannte er „unglaublich spannend“. Er nahm Bezug auf die besondere Herangehensweise: dass die Entwicklung eines Baudenkmals in Lehrveranstaltungen einbezogen werde. „Das weckt Neugier vor Ort.“

Prof. Dr. Constanze Petrow vom Fachgebiet Freiraumplanung der Hochschule Geisenheim und Dr. Meinrad von Engelberg vom Fachgebiet Kunstgeschichte der TU Darmstadt leiteten das interdisziplinäre Projekt an. Laut Petrow sollten Szenarien entwickelt werden, „keine komplett ausgearbeiteten Entwürfe“. Es ging den Studierenden darum, nicht nur etwas Neues einzubringen, sondern auch gleichzeitig auf bürgerschaftliches Engagement vor Ort zurückzugreifen. Es kristallisierten sich zwei Herangehensweisen heraus: langsam und schrittweise gegenüber „gleich voll rein mit vielen neuen Ideen“.

  1. „BurgBad Freienstein – die Oase in Oberzent“ von Giulia Thielmann, Nicole Wunder, Marie-Louise Faber, Fabienne Wilmann: Wellness-Oase mit Schwimmbad in den alten Mauern unter Beibehaltung des äußeren Rahmens
  2. „Bühne Freienstein“ von Imke Finn, Alexandra Antic, Julika Wilken, Lukas Weber, Stephanie Melzer: Schaffung einer Open-Air-Veranstaltungsstätte (Bsp. Schloss Zwingenberg), Umbau des ehemaligen Meyerhauses zu einem Eventsaal z.B. für Hochzeiten
  3. „Outdoor Escape Area“ von Patrizia Baumeister, Tim Harz, David Jansen in de Wal, Katharina Münch: Integration eines abgestürzten Fliegers in die Burgruine als Survivaltrip
  4. „Neu auf Alt – Mach Dich Frei-enstein“ von Aylin Kreß, Florian Eisenlohr, Lennart Desor, Valentin Braun: Integration eines neues Gebäudes in die Burg mit großer Dachterrasse und Blick aufs Tal
  5. „Das Minimum – der Prozess“ von Johanna Moraweg, Eva Willms: Ideensammlung in Form von verstärkter Bürgerbeteiligung durch „Ritter Steini“ auf diversen Veranstaltungen und Festen
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