Garantiert mobil ist in Kortelshütte noch ein Fremdwort

Die Mobilität im ländlichen Raum ist für die Bürger ein großes Thema. Oftmals geht ohne Auto gar nichts. Was für die Jüngeren kein oder ein kleineres Problem ist, kann sich für Ältere, die nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen können, zu einem veritablen Hindernis auswachsen, um sich von A nach B bewegen zu können. Für den neu gegründeten Ortsbeirat Kortelshütte ein wichtiger Grund, das Programm „Garantiert Mobil“ des Odenwaldkreises aufzugreifen und durch die Fachleute vorstellen zu lassen.

Zu Gast waren Amadeus van Lier, Wirtschaftsförderer für den Bereich Oberzent, und Alois Weiss, bei der OREG im Bereich Nahverkehr tätig. Kern von „Garantiert mobil“ ist eine Mobilitätsgarantie, also das Versprechen, jederzeit von einer Ortschaft im Odenwaldkreis in das nächste Zentrum und immer auch ins Mittelzentrum Erbach/Michelstadt zu gelangen. Bedingung ist eine Anmeldung des Fahrtwunschs spätestens 60 Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit. „Garantiert mobil“ kennt keine Bindung an einen Fahrplan und keine Einschränkungen am Wochenende oder in den Schulferien.

Über das Buchungsportal sucht der Fahrgast in der Start-Ziel-Relation seines Fahrtwunsches nach einer entsprechenden Verbindung. In der Auskunft wird ihm dann stets ein bestehendes ÖPNV- (Regel- oder „RufBus“-)Angebot angezeigt. Angezeigt werden ihm aber auch Mitnahmefahrten, die ein Anbieter im Buchungsportal eingetragen hat. Zusätzlich wird eine „Taxomobil“-Fahrt angeboten, wenn für seine Fahrtstrecke die Mobilitätsgarantie gilt.

Das große Interesse der Bürger kam durch den sehr guten Besuch zum Ausdruck. 40 von ihnen waren im Dorfgemeinschaftshaus zu Gast, freute sich Ortsvorsteher Tobias Stadler. Weil sich „Garantiert mobil“ gerade an Ältere richtet, wies Weiss darauf hin, dass – nach einer erstmaligen Online-Registrierung – die Fahrtbuchung auch per Telefon erfolgen kann.

Regelmäßigere Anbindungen wünschen sich die Kortelshütter nach Beerfelden und weiter nach Michelstadt. Gibt es tagsüber noch Busverbindungen, mit denen man zum günstigen RMV-Tarif dorthin kommt, gestaltet sich dies mit dem „Taxomobil“ außerhalb der normalen Fahrtzeiten erheblich teurer. Auf 26 Euro kam eine Kortelshütterin, die nach Michelstadt zum Krankenhaus wollte. Und dieser Preis wird bereits von der Stadt Oberzent subventioniert.

Von Bürgerseite wurden Probleme in der Schulbusverbindung Michelstadt-Kortelshütte genannt. Die Busse kämen so voll (und verspätet) in Beerfelden an, dass es Probleme mit der Umsteigeverbindung gibt. Es wurde daneben die schlechte(und teilweise fehlende) Anbindung in Richtung Hirschhorn und Neckartal angemahnt. Hier wurde der Wunsch nach einer besseren Vertaktung mit der S-Bahn geäußert. Weiss erläuterte, dass die OREG noch in Verhandlungen mit Dienstleistern sei, um das Angebot etwa durch Ruftaxi-Fahrten zu verbessern.

Der OREG-Mann nahm die ganzen Anliegen auf. Er verdeutlichte jedoch auch, dass eine Änderung der Bus- und S-Bahntaktung nicht von jetzt auf nachher möglich sei, da viele Faktoren mit hineinspielten. Sehr wenig frequentiert werden die ebenfalls angebotenen privaten Mitnahmefahrten, eigentlich ein Herzstück des Konzepts. 600 wurden in der vergangenen Zeit angeboten und nur ein Bruchteil davon gebucht, sehen die Fachleute hier noch Vermarktungsbedarf. Darum will sich die OREG in spe kümmern, nachdem jetzt die technischen Kinderkrankheiten des Systems überwunden sind. Zwei Mobilitätsberater stehen dafür in den Startlöchern.

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