Abstruse Geschichten mit zwei Vollblut-Comedians: Henni Nachtsheim und Rick Kavanian in Bad König

Das war ein krönender Abschluss der diesjährigen Open-Air-Saison: Bis auf den letzten Platz besetzt präsentierte sich die Freilichtbühne im Herzen des Städtchens, als dort die Vollblut-Comedians Henni Nachtsheim und Rick Kavanian mit „Dollbohrer“ ihr zweites gemeinsames Programm vorstellten. Situationskomik, Wortakrobatik mit Hintersinn, sich selbst auf die Schippe nehmen: Was die beiden mehr als zwei Stunden im Amphitheater abliefern, ist allererste Sahne und sorgt mit eingestreuten ruhigen Passagen immer wieder für Lachsalven bei den 500 Besuchern.

Vordergründig geht es bei der Lesung um die „wahren Helden des Alltags“: Sanitärarbeiter Schleusenwärter, Putzfrauen oder Pornodarsteller. Aber eigentlich sind die nur Aufhänger für komödiantische Bälle, die sich Nachtsheim und Kavanian zuwerfen. Die Geschichte ist das eine, was die beiden daraus machen, das andere – inklusive einer guten Portion Stand-up-Comedy, die das Salz in der Suppe bildet.

Eine Klasse für sich ist schon die Solo-Einleitung von Henni Nachtsheim, der einen Hälfte von „Badesalz“: Der wahre Held seiner Kindheit ist für ihn Kurt Veith, der ihm immer die rot-schwarzen Gummiteufel verkaufte. Zusammen mit den ausschweifenden Ausschmückungen, wie er damals 1,50 Mark für 30 Stück bekam und wie es überhaupt zur Idee für dieses Programm kam, hat der Komiker schon damit die Besucher auf seiner Seite.

Und dann Rick Kavanian, der vor allem durch seine Auftritte an der Seite von Michael Herbig in der Billy-Parade, im „Schuh des Manitou“ oder „(T)Raumschiff Surprise“ bekannt wurde. Kurz einmal Luft holen und schon sprudelt ein anderer Dialekt, eine andere Betonung, eine andere Stimmfärbung aus ihm heraus. Zuerst etwas verloren in der Mitte der beiden, darf Martin Johnson am Piano im Sketch vor der Pause auch mal zeigen, was er (musikalisch) drauf hat.

Wortverdrehungen, Dialekt, Interaktion sind die Geheimnisse der babbelnden Badesalz-Bully-Symbiosenparade. Wie Putzfrau Ilse mit dem Butterbrot im Beichtstuhl plötzlich dem Auftragskiller die Beichte abnehmen soll und dabei ungeahnte Qualitäten entwickelt, ist für sich schon eine solch abstruse Geschichte, dass sie nur zum Lachen sein kann. Wenn dabei noch Nachtsheim und Kavanian über sich selbst lachen, wenn sie sich beim Sprechen verhaspeln oder der eine seinen Part exzessiv auslebt, dann kommt das nochmal eine Nummer besser.

„Schwatz mit Batz“, die Fernsehsendung in den Niederungen des Lokalen, ist der Kracher in der ersten Hälfte. Wie die beiden, als Interview mit zwei Pornostars getarnt, bekannte Filmtitel versexen, das komplette Gerne durch den Kakao ziehen, sich über den eigenen Gag vor Lachen ausschütten, ist ganz große Comedy. Im Gedächtnis bleibt die angekündigte Dokumentation über den Dietzenbacher Bierkonsum hängen: „Ex in the City“.

Rick Kavanian als holländische Eule Renatie ist eine Wucht. Er steigert sich in diese Rolle so kräftig rein, dass er seine deutsche Freundin Henni-Jutta mit Männerproblemen an die Wand plappert. Noch eine Geschichte der zwei Plappermäuler, der eine auf hessisch, der andere in allen anderen Dialekten, die den Comedians bei herrlichen äußeren Bedingungen in ihrem mehr als zweistündigen Auftritt rauschenden Applaus und begeisterte Zugaberufe beschert.

Der Förderkreis Freilichtbühne ist genauso zufrieden. Drei Mal war in dieser Saison das Amphitheater sehr voll bis proppenvoll. Verdienter Lohn für die Anstrengungen der Ehrenamtlichen, „Kultur aufs Land zu bringen und das wunderschöne Amphitheater zu bespielen“, wie es Vorsitzende Beate Beerbohm formuliert. Die 165 Mitglieder, von denen an diesem Abend um die 25 mit anpacken, stemmen im Jahr zwischen drei und vier Events.

„Mit mehr Manpower könnten wir auch mehr auf die Bühne bringen“, fordert Beerbohm lächelnd dazu auf, sich zu engagieren. Es ist ein Geben und Nehmen: Die Mitglieder ermöglichen durch ihren Jahresbeitrag die Events, das Publikum aber, gerade wenn es in so großer Zahl erscheint, die Fortsetzung der kleinen, aber feinen Reihe, die 2019 ins 22. Jahr geht.

Info: Der Förderkreis Freilichtbühne veranstaltet in der Wandelhalle Bad König am 2. Dezember um 19 Uhr ein Weihnachtskonzert mit dem Chor des MGV Frohsinn 1888 Nieder-Kinzig statt. Tickets unter http://www.kultinarium.de.

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