Rothenberg gehört im GEO-Saison zu den 15 schönsten deutschen Dörfern

Wird das Höhendorf jetzt von den Touristen überrannt? Denn Rothenberg fand Aufnahme in die Oktober-Ausgabe von „Geo-Saison“. Unter dem Titel „Deutschlands schönste Dörfer, 15 Landpartien für ein perfektes Wochenende“ werden dort von der Ostsee bis nach Bayern „Traumziele“ vorgestellt, in die sich eine Reise lohnt. Rothenberg ist als einziger hessischer Ort dabei. Wenn auch nur die Hälfte dessen stimmt, was im Artikel steht.

Für den Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, Thomas Wilcke, kam diese Aufnahme als begehrtes Ausflugsziel einigermaßen überraschend. „Es hat mich vor einiger Zeit mal jemand angerufen“, erinnert er sich. Bis zum Erscheinen des Hefts war dies aber wieder in Vergessenheit geraten. Umso schöner, dass Rothenberg nun in dieser Form gewürdigt wurde, findet er.

Auch wenn es etliche sachliche Fehler gibt, so überwiegt bei Wilcke doch die Freude darüber, in dieser Form Werbung für das Dorf zu bekommen. Er muss schmunzeln über die „Grube Messel“ als Empfehlung für die Umgebung, schüttelt den Kopf übers Eberbacher Café „Reichspost“ als Adresse fürs Essen oder die Tour auf dem „Siegfried-Radweg“, der vom Himbächel-Viadukt nach Wald-Michelbach führt, aber doch eine ganze Ecke von Rothenberg entfernt ist.

Einziger „Empfehlungs-Treffer“ des Artikels ist die Übernachtungsmöglichkeit beim „Hirschwirt“, der ja übrigens auch gutes Essen anbietet. Da muss man nicht nach Eberbach in ein Café fahren – und das noch mit dem Rad 300 Höhenmeter runter wie beschrieben. Denn rauf muss der geneigte Radler ja auch wieder. Vor allem wird dort nach einer Radtour keiner so richtig satt, da das Haupt-Angebot auf Kuchen und süßen Teilchen liegt.

„Gelobtes Land, die schönsten deutschen Dörfer“, ist der GEO-Artikel überschrieben, der dem Platz unter den Linden, hinterm Deich, in den bayrischen Bergen oder eben auf Odenwald-Hügeln huldigt. „So wie der Grimm’sche Märchenwald ist auch das idyllische deutsche Dorf ein Ort der Sehnsucht“, schreiben die Autoren.

„Im sagenhaften Odenwald“ ist die Rothenberger Beschreibung überschrieben. Genauso sagenhaft ist das, was dann im Text folgt. Mit etwas Glück findet man auch ein paar richtige Angaben. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Ausflügler zu sehr an den Buchstaben halten und auch mal Fünfe gerade sein lassen, wenn wild Brunnen, Bezeichnungen und Orte durcheinander geworfen werden.

Der Geopark-Pfad zum Thema Wasserversorgung, der zehn Kilometer um Kortelshütte und Hainbrunn führt, wird flugs nach Finkenbach verlegt. Aus dem Industriedenkmal „Alte Pumpe“ an der Landesstraße zwischen Rothenberg und Kortelshütte wird der Zwölf-Röhren-Brunnen im Finkenbachtal – die Beerfellmer wird’s freuen.

Außerdem im Angebot: das Felsenmeer, das bei Eberbach (nicht gelogen) als Steinkaskade einen Hügel flutet. Es liegt eigentlich bei Lautertal. Der Nibelungensteig bei Hetzbach wird einfach etliche Kilometer nach Süden verlegt – wie der Marbachstausee, der, glaubt man der Darstellung, vor den Toren Rothenbergs vor sich hinplätschert. „Sound of the Forest“-Klänge umrahmen im August „den Waldort musikalisch“, suggerieren die GEO-Macher fälscherlicherweise.

Aber gut, immerhin wird Rothenberg bundesweit in der renommierten Heftreihe des Hamburger Gruner & Jahr-Verlags genannt. Und aus dem Norden gesehen mag sich ja das eine oder andere wirklich so darstellen. Was sind da schon 30 Kilometer Entfernung und ein paar falsche Ortsnamen. Wie Wilcke schon sagte: Hauptsache Werbung.

 

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