Rothenberger Kerweborscht hat kräftig Dorscht

Aus dem Kerwepfarrer wird der –borscht, aus dem Vikar der Pfarrer: humoriger Personalwechsel bei der Rothenberger Kerwe. Simon Hammann darf nun den Kerwesegen sprechen, sein Vorgänger Tobias Genschel muss seine Trinkfestigkeit beweisen und ist mit seiner Kerweschlumpel „Marie Huana“ gesegnet. Im Rahmen der „Gockel-Kerwe“ fand während der vier tollen Tage der Fassbieranstich im Gasthaus „Hirsch“ statt – plus anschließender gemeinschaftlicher Leerung des Zehn-Liter-Humpens unter Mithilfe der versammelten Gästeschar.

In launigen Worten stellte Genschel, zuvor zehn Jahre an vorderster Kerwepfarrerfront, den Generationswechsel hin zum jugendlichen Nachfolger vor. Der besuchte, so die Mär, einige Lehrgänge in Oberursel, machte seinen Abschluss mit Prädikat, absolvierte dann Fortbildungen im Megapark auf Mallorca und stellte dort seine Fähigkeit zum Predigen unter Beweis. Die Ordination auf das neue Amt geschah am Freitag in der Schmiede von Harry Foshag, ehe danach im „Feuchten Eck“ der – nomen est omen – Start der Kerwe ordentlich begossen wurde.

Zuvor gab es eine Planwagenfahrt durch den Ort, an der ein harter Kern von 30 Mitgliedern des Kerwekomitees teilnahm. An verschiedenen Stationen in Rothenberg fanden die Feierwütigen Tankstellen vor, um den leeren Akku wieder aufladen zu können. Die Ausgrabung der Kerwe des vergangenen Jahres in Form von zwei Flaschen Bier und einer Flasche Jim Beam fand oberhalb von Pfarrer Hoffmanns Haus statt. Auch die Überreste der letztjährigen Kerwepuppe wurden dabei gefunden.

„Wir haben einen Generationswechsel eingeleitet, um auch Jüngere am die Traditionsveranstaltung heranzuführen“, sagte Genschel. Denn Hammann als „Jungspund“ habe einen besseren Draht zu den Jugendlichen. Mit Erfolg: Drei 17-Jährige waren dieses Jahr eifrig dabei. Wie der Ex-Pfarrer und aktuelle Borscht erläuterte, wird über die Gründung eines Kerwevereins nachgedacht, um die Veranstaltung noch besser durchführen zu können.

Thorsten Heckmann von Schmucker-Bier freute sich über die Premiere mit dem Mossauer Gerstensaft im „Hirsch“. Eine Wirtschaftskerwe sei für ihn etwas Neues, meinte er. „Ich bin jedes Wochenende unterwegs, aber sonst nur auf Dorfplatz- oder Zeltkerwen.“ Mit nur einem kräftigen Schlag wurde vom Kerweborscht der Hahn ins Fass getrieben, sodass der kostenlose Gerstensaft fließen konnte.

Am Sonntag wanderte Kerwegemeinde gemeinsam hoch auf den Rothenberger Sportplatz, um die freudige Botschaft zu verkünden. Beim Heimspiel der zweiten Mannschaft „unterstützten wir die Jungs in Blau-Weiß“, so Hammann. Er selbst tat dies auch am Zapfhahn, denn in einem Dorf wie Rothenberg ist man natürlich in mehreren Vereinen aktiv. „Ich bestehe auf das erste Bier“, lachte daraufhin Genschel.

Früher gab es zur Kerwe sogar mal einen großen Umzug und Buden am Metzkeil. Da sich irgendwann aber niemand mehr fand, der dies organisierte, schlief die Tradition ein. Seitdem die jetzige Gruppierung die Kerwe neu aufleben ließ, wird es jedes Jahr ein bisschen mehr. „Das macht immer einen Riesenspaß“, lachen die Organisatoren. „Wir wollen die alte Tradition am Leben erhalten“: Für diesen Zweck haben sich im Höhendorf  Gleichgesinnte zusammengefunden, die seit 2009 jedes Jahr eine Neuauflage veranstalten.

Info: Am Montag findet der Ausklang ab 11 Uhr mit einem Schlachtplattenessen in der „Frischen Quelle“ statt. Gegen Abend findet die Verbrennung der Kerweschlumbel in der Hauptstraße statt. Die Beerdigung steigt dann wie immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Asche wird danach zusammen mit den obligatorischen Bierflaschen an einem geheimen Ort fürs nächste Jahr vergraben.

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