Mit den „Quinns“ werden im Hüttenwerk alte Rockklassiker lebendig

Zeitmaschine an und 50 Jahre zurück in die Ära der glorreichen Rock- und Popmusik mit zeitlosen Ohrwürmern, die auch heute noch jeden Musikfan verzücken. „The Quinns“ stehen auf der Bühne des Hüttenwerks und bringen die goldenen Oldies mit viel Power rüber, dass bei den Zuschauern wohlige Erinnerungen an die ausgehenden 1960er und beginnenden 1970er Jahre hochkommen. Doch nicht nur „Zeitzeugen“ sind zu diesem Konzert gekommen, auch viele Jüngere, die zu dieser Zeit noch gar nicht geboren waren, wissen die handgemachte Musik von früher zu schätzen.

Manfred Mann, Beatles, Kinks, Stones oder The Who, Doors, Cream, Bee Gees, David Bowie oder T-Rex: Die fünf Musiker nehmen die anfangs noch etwas spärliche Gästeschar mit in die Flower-Power-Ära. Passend dazu auch die Kleidung jener Zeit: rot-, orange- oder weiß-schwarz-gestreifte Hosen, knallige Outfits, übergroße Sonnenbrille oder weißes Rüschenhemd ziehen die Blicke auf sich. Bis dann die Musik einsetzt und die Aufmerksamkeit zum Gehör wechselt.

Ein voller, druckvoller Sound, gepaart mit mehrstimmigem Gesang und einer guten Abmischung, die leider nicht mehr selbstverständlich ist, sorgen dafür, dass die Illusion nahezu perfekt ist. Frontmann Mark Patrick, einige Jahre auch bei „Paddy goes to Holyhead” am Mikro, drückt den Songs seinen Stempel auf. Er schafft es, die verschiedenen Original-Stimmen bestens unter einen Gut zu bekommen. „Mighty Quinn“ oder „Let’s spend the night together“ machen zu Beginn gleich Lust auf mehr.

Bassist Freedl Carl und Paul Ermisch an den Drums bilden gemeinsam die „Hauptverantwortlichen“ für Groove und Tempo in der Band. Dirk Wenzel beherrscht das Klavierspiel ebenso wie den Umgang mit den Sounds der 60er-Jahre-Songs perfekt, Uli Heitzenröder hat den Part des Leadgitarristen inne und darf die virtuosen Soli der Großmeister auf die Saite genau intonieren. Alle zusammen spielen sie klassische Gute-Laune-Songs, bei denen keiner mehr ruhig stehen bleiben kann.

Jugenderinnerungen an den Tanzkurs werden wach, als „Nights of white satin“ läuft und das erste Paar engumschlungen vor der Bühne tanzt. „Riders on the Storm“ oder „Light my fire“ von den Doors haftet noch etwas der Hauch des Verrufenen an, als die Eltern mit dieser Art von Musik Ende der 60er nichts anfangen konnten, zuhause Peter Alexander oder Karel Gott liefen und Rockklänge eher heimlich gehört werden mussten. Ob es „Substitute“ von The Who ist oder „Hush“ von Billy Jo Royal, die Quinns spielen die ganzen Klassiker hoch und runter. Die verschiedenen Stücke geben den Instrumentalisten viele Möglichkeiten, ihr Können auf Tasten, Saiten oder Fellen zu zeigen.

Während das Keyboard bei den Doors im Vordergrund steht, sind es bei The Who die klassischen Gitarrenriffs von Pete Townsend, die einen Widererkennungseffekt haben. Dann noch das gefühlvolle „Wild Horses“ der Stones hinterher: Der langsam voller gewordene Saal schwelgt in Erinnerungen.

In den „Cream“-Songs der Setliste darf Heitzenröder exzessiv den Clapton machen, die Soli auf den sechs Saiten zelebrieren und bekommt dafür viel Applaus. „Get back“ von den Beatles lässt die Zuschauer vom ersten Ton an mitklatschen. Mark Patrick wird nicht müde, zum Mitsingen zu animieren und hat damit mehr und mehr Erfolg. Als bei „Brown Sugar“ die Akkorde von Keith Richards durch den Raum schweben, ist ein merkliches Zucken den Beinen des Publikums festzustellen.

Das ist auch im zweiten Set voll dabei, als die Band die andere Hälfte der weit über 30 Songs aus den guten, alten Musikjahren anstimmt. Die Show wird von der fünfköpfigen Band zu 100 Prozent live gespielt und bedeutet Musik und Unterhaltung auf hohem Niveau. Das Quintett drückt den Songs bei aller Originalität seinen eigenen Stempel auf. Meisterwerke der Meister aus der Zeit von 1965 bis Anfang der 1970er Jahre sind zu hören, die Oldie-Kennern am Herzen liegen, aber nicht von vielen Bands dieser Stilrichtung gespielt werden.

Info: Die „Quinns“ treten am Samstag, 3. November, 21 Uhr (Einlass 19 Uhr), im „Beavers“ Miltenberg auf. Tickets unter http://www.beaversmiltenberg.de

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