Herz und Seele muss zu spüren sein: Heiko Plank war bei der „Global Guitar Gita“ in Indien

Selbst für einen Globetrotter wie Heiko Plank war Indien eine neue Erfahrung. Der in Kortelshütte wohnende Musiker war erstmals zur „Global Guitar Gita“ (GGG) eingeladen, die im Goethe-Institut Bangalore stattfand. Neben Juroren und Dozenten aus Großbritannien, Ungarn und Tschechien sowie dem Gastgeberland war Plank als deutscher Vertreter dabei. Er zeigte sich sehr beindruckt von der dortigen Offenheit gegenüber allen Musikstilen. „Wichtig ist den Indern, Herz und Seele im Song zu spüren“, betonte er. „Das zählt.“

Neben der Musik ist dem 54-Jährigen allerdings etwas anderes mindestens ebenso präsent: der Verkehr. „Es gibt keine Regeln, keine Verkehrszeichen, keine Ampeln“, stellte er fest. Und trotzdem funktioniert alles. Das Geheimnis: Verständnis untereinander. Für einen deutschen Autofahrer aber trotzdem zu viel des Guten. „Ich habe extra vorher den internationalen Führerschein gemacht“, erzählte Plank. Nach zehn Sekunden in Indien wusste er: „Ne, da sterbe ich.“

Bei der GGG handelt es sich um einen weltweiten Gitarrenwettbewerb, erläuterte Plank. „Jeder kann sich bewerben.“ Veranstaltet wurde er zum sechsten Mal von der Organisation „Infinite Souls“ auf rein privater Basis. Es gibt keine Alters- oder Stileinschränkungen. Wichtig ist nur, dass eine Gitarre oder ein gitarrenähnliches Instrument gespielt wird. Wie es auch der Kortelshütter tut. Angeschlossen sind Konzerte und Workshops.

Gekoppelt daran ist die „World Guitar Night“, bei der die Juroren ihr eigenes Können zeigen. Konarak Reddy, Sándor Szabó (Ungarn), Adam Tvrdý, ein versierter Prager Jazz-Gitarrist und John Ainsworth aus Manchester mit Fingerstyle gaben je zwei Konzerte. Eben jenen Konarak Reddy lernte Heiko Plank auf einer Tour kennen, bei der beide auch in Hirschhorn und Hemsbach spielten. Der Inder wiederum empfahl den deutschen Ausnahme-Saitenkünstler.

Heiko Plank hatte ein Bach-Stück für sein Konzert mitgebracht. Er stellte es unter das Thema: „den Kontrapunkt zelebrieren“. Es geht um die Selbstständigkeit der Stimmen in der europäischen Musik, „die man im arabischen und indischen Raum so nicht kennt“. Diese Mehrstimmigkeit war für die Zuhörer komplett neu. Somit gab es „vier komplett verschiedene Stile zu hören“. Ein anderes Stück lehnte er an den indischen Verkehr an: „Improvisation without rules.“ Die Zuhörer reagierten sehr positiv auf seine ungewöhnliche, selbst gebaute „Plank“ mit ihren acht Saiten, stellte er fest. Der unbekannte Klang faszinierte. „Ich wurde nach dem Konzert mehrfach angesprochen.“

Plank schätzt Reddy als einen „Erneuerer indischer Gitarrenmusik“, der einen westlichen Stil mit seinen eigenen Wurzeln kombiniert. „Es gibt in der Welt nur wenige, die Experimente machen und sich was trauen“, meinte er. Von den beiden Preisträgern Divtej Singh (Chandigarh) und Vishnu R (Bangalore) war er sehr beeindruckt. Divtej, aus einer niederen Kaste stammend, „hätte sich die Gitarre im Wert von 5000 Dollar nie leisten können“, freute sich Plank. Vishnu wiederum kommt aus einer traditionellen Musiker-Familie und spielt „sehr progressive, neue indische Musik“.

Von der „Guitar Clinic“, quasi einem Musik-Workshop, zeigte sich der 54-Jährige mehr als angetan. „Da saßen 15 Teilnehmer zwischen zehn und 40 Jahren drin und jeder hat mich mit ‚Maestro‘ angesprochen“, war ihm die Verehrung fast ein bisschen peinlich. Die Interessierten waren „total versiert und super vorbereitet.“

Heiko Plank fand es am beeindruckendsten, dass musikalisch alles möglich ist. In Indien wird nicht ein bestimmtes Genre, etwa Klassik, Jazz oder Rock, favorisiert. Während sich in Europa die verschiedenen Stilrichtungen seiner Beobachtung nach miteinander schwertun, „hat dort alles den gleichen Wert“. Egal ob jetzt jemand Paganini oder Jimmy Page spielt. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Odenwald geht’s für Heiko Plank weiter nach Südspanien: Er spielt wie schon vergangenes Jahr wieder in Granada.

Heiko Plank, geboren 1964, aus Kaiserslautern, studierte Gitarre bei Wolfgang Lendle. Der bereits Verstorbene war „eine große Figur in meinem Leben“, so der Musiker. Von 1981 bis 1998 war Plank Dozent für Gitarre an der VHS Kaiserslautern, seit 1985 unterrichtet er Konzertgitarre an der dortigen Musikschule und Akademie. Studium und staatliche Anerkennung in Gitarre und Orchesterleitung an der Bundesakademie Trossingen schlossen sich an. 1994 brachte er seine erste CD auf den Markt: „Handgemacht“, mit spanischer, südamerikanischer und eigener Gitarrenmusik. Zahlreiche weitere Aufnahmen, Kompositionen und Produktionen folgten. Aktuell ist Heiko Plank regelmäßig auf Festivals im In- und Ausland unterwegs und dort mit seiner „Plank“ ein gefragter Gast.

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