Satzung für den Holz-Zweckverband im hessischen Odenwald nimmt Gestalt an

Die Zweckverbands-Gründung für die kommunale Holzvermarktung ist eine unendliche Geschichte. Bereits zwölf Treffen fanden in dieser Angelegenheit statt, bilanzierte Oberzent-Bürgermeister Christian Kehrer in der Stadtverordneten-Versammlung, die dieses Mal im schmucken Dorfgemeinschaftshaus von Hesselbach tagte. Eigentlich hatte er geplant, den Mandatsträgern einen Satzungsentwurf vorlegen zu können. Doch über den aktuellen Wortlaut schauen noch Regierungspräsidium und Kommunalaufsicht drüber.

Der Rathauschef machte klar, dass „wir entgegen anderslautender Meldungen zum 1. Januar die Holzvermarktung neu regeln müssen“. Es soll dann ein „Forstzweckverband hessischer Odenwald“ mit Sitz in Oberzent entstehen. Gründungsmitglieder werden die bisherigen sechs Gemeinden des Forstamts Beerfelden sein.

Wald-Michelbach und Oberzent, mit knapp 1700 und 2400 Hektar die größten Waldbesitzer, nahmen zwecks Organisation der Vermarktung Kontakt mit der forstlichen Vereinigung Odenwald-Bauland auf. In dieser Buchener Genossenschaft sind unter den aktuell 33 Mitgliedern bereits Eberbach, Mosbach, Walldürn und Amorbach. Kehrer wies auf die unterschiedlichen Waldstrukturen in Weschnitztal, Bergstraße und Ried, aber auch im Bereich des Forstamts Michelstadt hin. Daraus ergeben sich verschiedene Interessen, die man unter einen Hut bringen muss.

Wie der Bürgermeister erläuterte, machen sowohl ein Zweckverband als auch der Anschluss an eine Genossenschaft Sinn. „Sonst wäre Oberzent allein am Markt und müsste sich durchkämpfen.“ Die Verbandsversammlung soll möglichst schlank gehalten werden. Es wird pro Gemeinde immer nur ein Vertreter entsandt, der je nach Waldgröße mehrere Stimmen hat. Im Oberzent-Fall sind das vier, weil die Stadt mehr als 2000 Hektar besitzt. Unter 500 ist es eine, von 500 bis 1000 zwei und von 1000 bis 2000 Hektar drei Stimmen.

Den Zweckverbands-Vorsitz wird Kehrer als Oberzent-Rathauschef innehaben, sein Stellvertreter ist Dr. Sascha Weber aus Wald-Michelbach. Damit stehen die beiden größten waldbesitzenden Kommunen an der Spitze. Ziel werde erst einmal die Vermarktung sein, erläuterte er. Allerdings will man in die Satzung auch mit aufnehmen, dass sich der Verband zukünftig ebenfalls um die Beförsterung kümmern kann. Denn diese Kosten bei Hessen-Forst werden sich bis 2025 fast verdoppeln, sagte Kehrer.

„Es wird nicht günstiger für uns“, betonte er. Denn bisher gab es viele Synergieeffekte durch das Einheitsforstamt. „Durch die Zerschlagung fallen Teile davon weg.“ Deshalb sollten die Kommunen „klug überlegen, wie wir weiter vorgehen“. Laut dem Bürgermeister sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, dass in spe auch der Privatwald mit ins Boot geholt werden kann. Dazu muss allerdings noch ein Paragraf in der hessischen Gemeindeordnung geändert werden. Die Gemeinde möchte dennoch ein klares Signal aussenden: „Wir wollen die Bürger nicht hängen lassen.“

Die Gemeinden im Weschnitztal – mit Lindenfels und Lautertal – aus dem Kreis Bergstraße und der restliche Odenwaldkreis werden voraussichtlich im kommenden Frühjahr dazu stoßen. Noch unklar sei, wie sich Heppenheim orientiert. Das Ried ist seiner Ansicht nach zu weit weg vom Schuss. Seine Aufnahme würde auch bedeuten, dass es kein zusammenhängendes Gebiet gibt. Hier könnte eine Lösung der Anschluss dieser Orte an eine entsprechende Organisation aus dem Kreis Groß-Gerau sein.

Waren es früher über 300.000 Euro, die der Wald als Gewinn in den Haushalt schaufelte, rechnet der Bürgermeister im kommenden Jahr nur mit knapp 100.000. Grund: der Borkenkäfer und der Sturm Friederike Anfang 2018. Davor erzielte man über 90 Euro je Festmeter Nadelholz, jetzt unter 50. Wilfried Friedrich (ÜWO) wollte wissen, ob das Land ähnlich wie Baden-Württemberg im Zuge der Umstellung Geld zur Verfügung stellt, um dem Naherholungswert des Waldes Rechnung zu tragen. Nein, sagte Kehrer, dafür soll es eine Förderung je nach Hektarzahl geben.

Alles begann mit dem Urteil des Bundeskartellamts aus dem vergangenen Jahr gegen eine angebliche Machtkonzentration in den Händen der baden-württembergischen Forstämter. Die waren/sind – wie die hessischen auch – für Beförsterung und gleichzeitig Holvermarktung zuständig. Zu viel der Holz-Kohle, zu viel Einfluss, meinte das Gericht.

Obwohl das Kartellrechtsurteil gegen Baden-Württemberg vom Bundesgerichtshof im Juni aufgehoben worden war, schlagen seine Auswirkungen ins Nachbarbundesland durch. In vorauseilendem Gehorsam will die hessische Landesregierung eine Entflechtung in die Wege leiten. Hessen-Forst darf die Holzvermarktung im Gemeindewald nicht mehr durchführen. Grund ist wohl die Angst vor Schadenersatzforderungen. Allerdings ohne klare Maßgabe, wie das geschehen soll. Die Konkretisierung bleibt an den Kommunen hängen.

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