Guido Plüschke spielte Irish Folk im Kortelshütter Wohnzimmer von Martin Müller

„Es war ein Wahnsinnsabend“, freute sich Martin Müller. Der bekannte Folk-Musiker Guido Plüschke spielte bei ihm im Amselweg ein „Wohnzimmerkonzert“. Über 50 Gäste waren begeistert, den Hamburger in gemütlicher Atmosphäre hautnah zu erleben. „Das ist für mich so etwas wie ein Sechser im Lotto“, meinte der 46-jährige Müller. Denn er spielt selbst in der hiesigen Irish-Folk-Band „Heebie-Jeebies“ und nutzte die Gelegenheit, dem Crack auf der irischen Rahmentrommel Bodhrán auf die Finger zu schauen.

Plüschke präsentierte in Kortelshütte sein Solo-Programm. Normalerweise tourt er ja mit seiner Band. Mit dem neuen Programm will er zukünftig auf Kleinkunstbühnen auftreten und hat seinen treusten Fans eine Vorabpremiere in elf Wohnzimmern Deutschlands von Flensburg bis Lörrach geboten. Nicht nur „die schöne irische Musik“ (Müller) wurde gespielt, sondern es gab auch viele Geschichten, Anekdoten und Erlebnisse von Plüschkes etwa 65 Reisen nach Irland zu erfahren. Der Musiker präsentierte dies „mit einer gehörigen Portion Spaß und guter Laune“. Die Lachmuskeln wurden der Gäste gehörig strapaziert.

Auf Facebook hatte Plüschke für sein Solo-Programm geworben und Gastgeber gesucht, die ihm auch eine Übernachtung boten. Er wollte es in kleinem Kreis „ausprobieren“. „Ich war dann schnell genug, unser Wohnzimmer anzubieten und bekam den Zuschlag als eine von elf Locations in Deutschland“, schmunzelte Müller. Innerhalb von zwei Tagen kamen so viele weitere Angebote rein, dass Plüschkes Tour 2019 jetzt auch schon voll ist.

„Ich habe mich riesig gefreut, ist Guido doch eines der Vorbilder für uns Heebie-Jeebies“, sagte der Kortelshütter. Zusammen mit seinen Mitmusikern Tina Czemmel-Zink und Michael Pascuzzi war er bereits auf Bodhrán-Workshops von Plüschke dabei. „Er ist einer der ganz großen Folk-Musiker im Land und hat auch schon internationale Preise abgeräumt“, hob er hervor. „Ich habe zig CDs von ihm“, lächelte Müller. Der 50-Jährige „ist mit eines der Vorbilder und Gründe, warum ich selbst mit den Heebie-Jeebies Irish Folk spiele oder Urlaub in Irland verbringe“, erläuterte er.

Bei 54 Zusagen von den Nachbarn war dann Schluss. Es wurde „die Bude leergeräumt“ zugunsten von Bierzelt-Bänken und Stehtischen. Die Wohnzimmer-Atmosphäre auf 65 Quadratmetern stieß auf viel Widerhall, eben weil es kein Konzert in einer Halle oder einem Gemeindeaal war. Das Zimmer von Marvin, dem Sohn seiner Lebensgefährtin Andrea, wurde kurzerhand als Lager für Couch, Fernseher und Stereoanlage „missbraucht“.

Das Konzert hatte für Müller eine sehr große Bedeutung: „Eines meiner Idole kam direkt zu uns nach Hause.“ Fachsimplen, von Plüschke lernen und dann bei den Heebie-Jeebies anwenden – so sein Plan. Auch deswegen, „weil wir gerade dabei sind, mit unserer Band eine Studio-CD aufzunehmen“. Die Idee, Irish-Folk zu spielen, entstand Anfang 2011 und war ursprünglich als einmaliger Event gedacht. Doch schon während den Proben entdeckten die Musiker ihre Leidenschaft für diese Musikrichtung und beschlossen weiterzumachen.

„Musik ist mein ganz großes Ding“, betont Martin Müller. Der IT-Administrator nahm in seinem „Nebenberuf“ als Audio-Engineer (www.ceol.studio) dieses Jahr eine Big-Band-CD mit der Jugendmusikkapelle Wiesenbach auf und produzierte sie. 2019 stehen verschiedene Projekte an wie eine Singer-Songwriter-Newcomer- oder eine Volksmusik-Produktion. Der 46-Jährige ist selbst musikalisch nicht auf eine Sparte festgelegt. Von Chor über Männergesangverein und Fasching bis hin zu Irish-Folk und Hardrock reicht Müllers Spannbreite.

Guido Plüschke ist ein gefragter Dozent für die irische Rahmentrommel Bodhrán und erlangte 2008 in Irland den dritten Platz bei den World Bodhrán Championships, den Weltmeisterschaften auf diesem Instrument. 2004 schrieb er seine Magisterarbeit an der Universität Lüneburg über die irische Musik und die Bodhrán, war bereits über 60 Mal in Irland und ist dort ein gern gesehener Session-Gast. Mit seinen drei Bands tourt er durch Deutschland und egal wo er ist, sammelt er kuriose Geschichten aus der Irish-Folk-Szene und Anekdoten, die er selbst erlebt hat. Und das sind bei zusätzlich über 1000 Musikworkshops, 25 Jahren Bühnenerfahrung und über 30 Platten-Produktionen eine ganze Menge.

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