Sturm und Borkenkäfer sägen an den Holzpreisen

Erst „Friederike“ und dann ein „heißer“ Käfer: Dem Wald wurde in diesem Jahr kräftig zugesetzt. Mit dem Ergebnis, dass die Holzpreise einen Sinkflug hinlegten. Von mehr als 90 Euro ging es runter auf etwa 50 für den Festmeter Nadelholz. Das schlägt sich auf den Waldwirtschaftsplan 2019 der Stadt Oberzent nieder. In guten Jahren würde die Holzvermarktung einen Überschuss von mehr als 300.000 Euro erbringen. 2019 rechnet der Chef des Forstamts Beerfelden, Forstdirektor Norbert Sasse, aber „nur“ mit 100.000 Euro, erläuterte er dem Haupt- und Finanzausschuss.

Durch den Januar-Orkan sowie die durch Trockenheit und Hitze entstandene Borkenkäfer-Überpopulation „ist es in Mitteleuropa ist es zu einem starken Markteinbruch beim Nadel-Sägeholz gekommen“, erläuterte Sasse. Da auch kommendes Jahr mit großen Borkenkäferschäden zu rechnen ist, „sind die Planungen mit großen Unsicherheiten behaftet“, warnte er.

Insgesamt sollen laut Plan 16.255 Festmeter (Fm) Holz eingeschlagen werden, wovon Sasse zufolge 14.626 Fm verwertbar sind. Daraus errechnet er im Plan Holzerlöse von fast 734.000 Euro bei Gesamteinnahmen von 790.000 Euro. Bei den Ausgaben (insgesamt 690.000 Euro) nannte er die Beschäftigung von zwei Forstwirten mit fast 120.000 Euro, der Unternehmereinsatz in der Holzernte mit etwa 283.000 und die Beförsterungsbeiträge an Hessen-Forst mit 138.000 Euro als größte Posten.

In 2019 sollen 4500 Tannen, 5000 Douglasien, 3000 Buchen, 1500 Bergahorn gepflanzt werden, sagte der Forstamtschef. Neben 2000 Festmeter Buche sollen 8.400 Fm Fichte und 5400 Fm Kiefer geschlagen werden, wobei die Aufarbeitung des Käferholzes Priorität hat. Der Stadtwald Oberzent ist 2420 Hektar groß, davon sind 2261 Hektar Bäume, so Sasse, der Rest Wege und Wiesen, listete er auf.

Es kamen diverse Fragen zum Thema Borkenkäfer. Kann man vorbeugend was tun? Nicht viel, sagte Sasse, „nur hinterherrennen und Schaden begrenzen“. Man spreche von Milliarden Tieren. Das eingesetzte Insektizid schade anderen Insekten grundsätzlich nicht, da es nur am Wegrand und in ganz geringen Mengen eingesetzt werde. Der Ausschuss empfahl der am 10. Dezember tagenden Stadtverordneten-Versammlung einstimmig den Beschluss des Waldwirtschaftsplans.

Ebenso einstimmig wurde die Empfehlung zur Gründung des Forstzweckverbands Hessischer Odenwald ausgesprochen. Hintergrund ist die vom Land gewünschte Trennung von Beförsterung und Holzvermarktung. Gründungsmitglieder zum 1. Januar sind Abtsteinach, Fränkisch-Crumbach, Grasellenbach, Hirschhorn, Michelstadt, Neckarsteinach, Oberzent und Wald-Michelbach. Der Beitritt aller Kommunen im Odenwaldkreis sowie weiterer Gemeinden des Kreises Bergstraße ist beabsichtigt. Die Vermarktung soll über die Forstliche Vereinigung Odenwald-Bauland in Buchen erfolgen.

Es gab den Hinweis, dass man den Satzungsentwurf erst beschließen könne, wenn der Text endgültig ausformuliert sei (was er durch ausstehende Abklärungen noch nicht ist). Die Satzung werde von der Verbandsversammlung beschlossen, so Bürgermeister Christian Kehrer. Er wies darauf hin, dass Waldwirtschaftsplan auch in Zukunft Sache der Stadtverordnetenversammlung sei. Dies wurde von den Ausschussmitgliedern als sehr wichtig erachtet.

Private Waldbesitzer sind beim Zweckverband laut Kehrer derzeit leider außen vor, weil eine wirtschaftliche Betätigung der Kommune durch die hessische Gemeindeordnung untersagt ist. Eventuell werde der Paragraf 121 aber geändert, stellte er in Aussicht.

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