Nach dem Bubble Soccer wird miteinander gebabbelt

„Bubbeln verbindet“ heißt es schön zweideutig in der Einladung. Denn die Jugendlichen verschiedener Nationalitäten aus dem Odenwaldkreis zwischen zwölf und 18 Jahren sollten zum einen Spaß beim Bubble Soccer Event in der Oberzenthalle haben, zum anderen aber auch danach miteinander „babbeln“, um sich besser kennenzulernen, zu verstehen, auszutauschen. Das Fußballspektakel der besonderen Art lief im Rahmen des Programms „Sport und Flüchtlinge“ der Sportjugend Hessen und wurde von den Sportcoaches aus Erbach und Oberzent angeboten.

„Fair Play, Respekt und Toleranz sind Säulen unseres Zusammenlebens“, betonte der Erbacher Sport-Coach Alexander Carrasco Torres, gleichzeitig Projektleiter des Jugendintegrationsprogramms „Fußball und Musik – Sport, Spaß & Integration“. Auf Oberzent-Seite war Stadtjugendpfleger René Tunn, ebenfalls Sportcoach in die Organisation eingebunden. „Das Spielen Mit- und Gegeneinander bietet auch im wörtlichen Sinn Berührungspunkte“, hob dieser hervor. „Man kann sich aneinander reiben, muss aber untereinander auskommen.“

Bei den entsprechenden Erbacher Programmen sind 14 bis 17 Nationen vertreten, sagte Torres. Inzwischen blicken die Coaches auf eine jahrelange Arbeit zurück, die vom Land gefördert wird. In Oberzent gab es unter anderem Teilnehmer aus Afghanistan, Syrien, Türkei und Rumänien. Und natürlich Deutschland. „Das ist selbstverständlich“, so Torres, werde aber trotzdem nachgefragt. Er sieht die Aufgabe als Sportcoach darin „zu verbinden“. Geflüchtete, die hierzulande heimisch werden, sollen integriert werden. Und über den Sport funktioniert das gerade bei Jugendlichen sehr gut.

„Fußball ist immer mehr als 1:0“, hob Torres hervor. Es gehe um das Dabei sein, Mitmachen und Spaß haben. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf die interkommunale Zusammenarbeit (Stichwort Vernetzung) hin. „Warum muss Oberzent was anschaffen, was Erbach bereits hat“, deutete der Sportcoach auf die „Bubbles“, die einer Art Luftkissen gleich das Fußballspiel erschweren, aber auch als Polster wirken, wenn jemand angerempelt wird und umfällt.

Den Initiatoren geht es darum, den Event nach außen zu tragen und über die Mund-zu-Mund-Propaganda weitere Mitspieler zu erreichen. „Wir versuchen das Einzugsgebiet auszudehnen“, so  Torres. Die Wirkung von Essen, Trinken und Musik seien nicht zu unterschätzen. Die umgesetzten Ideen kommen teilweise auch von den Jugendlichen selbst. „Die helfen überall mit“, freute er sich.

Dem 14-jährigen Alexandru aus Rumänien macht Bubble Soccer wie auch seinen gleichaltrigen Mitspielern viel Spaß. Er hat es schon drei Mal gespielt. „Man muss halt wissen, wie es funktioniert“, schmunzelt er. Teamarbeit ist wichtig. Das betont auch Beyar (13) aus dem kurdischen Teil Irans. Er hebt das Zusammenspiel untereinander hervor. Amin (15) aus Afghanistan bringt es wie folgt auf den Punkt: Man rennt, spielt und klatscht zusammen. Über den Fußball beim Sportcoach Torres „habe ich bereits viele Freunde gefunden“, freut er sich.

„Das ist gar nicht so einfach, wie man denkt“, sagt Tolga (17). Der 14-jährige Caner, bei der JSG Oberzent aktiv, hat festgestellt, „dass man sich schwer bewegen kann“. Dazu ist die Luft zwischen den Plastikteilen ein wenig stickig. „Ganz schön anstrengend“, sagt er. Allen wie auch Furkan (14) hat der Nachmittag aber viel Spaß gemacht. Der meint noch: „Das ist ganz schön schwer zu schießen.“ Lautes Anfeuern, Mitfiebern und großes Engagement kennzeichneten den Event. „Es geht um den Spaß, nicht ums Gewinnen“, sagte Tunn. Den hatten alle. Teilnehmende Teams waren aus dem gesamten Odenwaldkreis: Ekmek Spor, Alles oder Nichts, Bubble Gum Erbach, Team Capital, TLS-Gruppe, Team Michael, Drachenläufer.

Bubble-Soccer ist eine Freizeitaktivität, bei der die Teilnehmer über ihren Oberkörper aufblasbare, meist transparente, Kugeln stülpen und damit Fußball spielen. Sowohl Oberkörper als auch Kopf der Spieler sind durch die aufblasbaren Bubblebälle geschützt. Diese bestehen aus PVC oder TPU und haben im aufgeblasenen Zustand zumeist einen Durchmesser von eineinhalb Meter. Die Bubblebälle fungieren somit als eine Art Airbag, da sie die Spieler bei Zusammenstößen schützen. Dadurch entsteht ein sich vom klassischen Fußball komplett unterscheidendes Spielprinzip. Ähnlich wie beim American Football stürmen die Spieler beim Anpfiff aufeinander zu und versuchen zunächst die Gegenspieler umzuwerfen und sich so einen Weg zum Tor zu bahnen.

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