Zum Irish Folk gibt’s in Erbach auch Irish Food

Irish Folk zieht immer. Egal ob es jetzt die „Dance Masters“ sind, die vor kurzem in der Werner-Borchers-Halle zu Gast waren, das irische Feuermärchen in Bad König oder das Trio „Woodwind & Steel“ im großen Saal des Brauhauses: Wenn Folklore von der Grünen Insel drauf steht, kommen die Leute in Scharen. Kein Wunder also, dass die Stühle bis auf den letzten Platz besetzt waren und es ziemlich eng zuging. Zwei Stunden lang entführten die Drei nicht nur mit Musik, sondern auch mit einigen Geschichten nach Irland.

Damit’s dabei ebenfalls im Magen irisch zuging, hatte das Brauhaus-Team einige Spezialitäten mit ins Menü aufgenommen. Das fing an beim Guinness vom Fass für die Unterfütterung. Danach wurde es deftiger mit einem „Beef Stew“ – die originalgetreue Lamm-Variante mit Karotten, weißen Bohnen und Fenchel wollte man wohl den deutschen Mägen nicht zumuten. Immerhin: Das Lamm gab’s dann in Form eines Linseneintopfs mit grünen Bohnen. Unverfänglich: die Sodabread-Rolls mit Räucherlachs und Kressebutter.

Ann und Ed O’Casey sowie Alex Vallon gingen zu Beginn gleich in die Vollen. Mit dem Tanz „Irish Rover“ hatten die Musiker das richtige Stück gewählt, um die Menge zum Mitklatschen zu bewegen. Für ein Tänzchen, wie von Ed gewünscht, war es vielleicht noch ein wenig früh. Gitarre, Mandoline, Querflöte, Tin Whistle und Rahmentrommel lieferten sich in den Songs einen spannenden Wettstreit. Aber irgendwie fehlt der letzte Kick, die letzte Leidenschaft, um richtig authentisch zu wirken. Die Band ist sehr professionell, aber das ist vielleicht auch genau der Punkt.

„As I roved out“, auch schon von Loreena McKennitt gesungen, startete die Reise vom Brauhaus in den Südwesten Irland. Denn der Song handelt davon, Spaß zu haben, auszugehen, neue Leute kennenzulernen. Blarney Castle bei Cork ist bekannt für seinen Stein, der Sprachgewandtheit verleihen soll. Der muss allerdings unter allerlei Verrenkungen geküsst werden, was Anlass für eine etwas langatmige Theatereinlage gab.

Fazit von Ed: Angesichts der Massen, die den Stein küssen, am besten früh morgens nach einer regnerischen Nacht vorbeikommen, um allerlei ansteckenden Krankheiten zu entgehen. Was wäre die Band ohne Flötistin Ann O’Casey, die trotz des irisch klingenden Namens verdächtig gut Deutsch spricht. Außer den roten Haaren ist nicht viel von der Grünen Insel an ihr zu finden. Die Stücke werden ganz klar von ihrer Fingerfertigkeit auf fünf verschiedenen Instrumenten getragen. Sie gibt quasi bei Woodwind & Steel musikalisch den Ton an.

Ed O’Casey ist mit Gitarre, Bodhran und Gesang vielfältig im Einsatz und spiel den Animateur mit Bravour. Mal schmeichelnd, mal fordernd umgarnt er das Publikum, gibt dem Affen Zucker und sich selbst als den Klischee-Iren. Batschkapp, verschmitztes Grinsen, weißes Hemd, Hosenträger und ausgebleichte Jeans, dazu noch irische Gesichtszüge, wie man sie sich vorstellt, und ein englisch angehauchtes Deutsch, von dem nicht ganz klar wird, ob es Show ist oder echt: Der Mann versteht seinen Job, die Zuschauer bei Laune zu halten.

Gelächter für die verschiedenen plastischen Schilderungen des Stein-Küssens und viel Beifall für seine Musik belohnt das Trio. Die Lieder sind teilweise eher sparsam instrumentalisiert. Flöte und Gesang, Querflöte und Gitarre stehen für die Balladen, während dann die Tin Whistle gepaart mit der Rahmentrommel einen flotten Jig einläutet. Gitarrist Alex Vallon mit Babyface ist dabei eher der ruhige der Truppe. Er lässt, klassisch mit Sakko und Hemd gekleidet, sein Instrument sprechen und kann zwischendurch virtuos seine Kunst auf den sechs Saiten beweisen.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte. Viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

An der Außenseite des oberen Wehrgangs des Bergfrieds von Blarney Castle befindet sich der Stein der Sprachgewandtheit (englisch: Stone of Eloquence), angeblich die Hälfte des Steins von Scone, den Kreuzritter aus dem Heiligen Land mitbrachten und auf dem die schottischen Könige fortan gekrönt wurden. Cormac McCarthy erhielt ihn 1314 von Robert the Bruce für seine treuen Dienste in der Schlacht von Bannockburn. Der Legende nach erlangt derjenige, der den Blarney-Stein küsst, die Gabe des freien Sprechens. Für Iren und Briten ist der Begriff Blarney im Alltag somit gleichbedeutend mit hohlen Floskeln oder unüberlegtem Gerede. Das umgangssprachliche „Blabla“  im Deutschen beruht jedoch nicht auf dem Wort Blarney.

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