Ein Rock’n’Roll-, Pyro- und Lichtgewitter mit der Kiss-Tribute-Band im Hüttenwerk

Der Zeitpunkt passt: Im Frühsommer gehen die Meister der Rock’n’Roll-Show schlechthin, „Kiss“ auf große Europatour. Da haben Kiss-Tribute-Bands derzeit Saison. Mehrere touren derzeit durch die Republik, sodass die Auswahl schwer fällt, welche man besucht und welche die beste davon ist. Es ist die große Show, die zählt, denn musikalisch war der Vierer aus den Staaten ja noch nie der Weisheit letzter Schluss. Aber gepaart mit der vielen Schminke, den Pyro-Effekten, bei denen es einem ganz warm um die Nase wird, und schließlich einem Gewitter an Licht- und Soundeffekten wird daraus ganz großes Kino.

Wie eben bei der Tribute-Band aus dem südhessischen Raum, die jetzt im Hüttenwerk anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens vor einem sehr ansehnlichen Publikum auftritt. Die nahende Rückkehr der alten Haudegen zieht eben. Zum Schluss hin kommen sie dann alle, die ganzen Klassiker, die „Kiss“ weltberühmt gemacht haben. Einen Hit nach dem anderen spielt die Band perfekt wie das Original, versetzt die Fans in Entzücken. Über 40 Jahre zurück in die Zeit führt die Tour, die natürlich aber nicht nur Material aus den Anfangsjahren beinhaltet.

„You wanted the best, you got the best. The hottest band in the world. Kiss”, schallt es beim Intro aus den Lautsprechern. Was nicht übertrieben war. Denn was die vier Musiker auf der Bühne zaubern, wie sie die „Kiss“-Show abziehen, wie sie sich optisch und musikalisch dem Original perfekt nähern, ist schon eine Klasse für sich. Allein das Outfit ist eine Wucht. Und bestimmt sehr heiß unter den vielen Scheinwerfern, die zwischenzeitliche Feuershow mal ganz außen vor gelassen.

Silberne, hohe Plateauschuhe, eine Art futuristischer Mars-Anzug, Feldermaus- oder Katzenoutfit und natürlich die perfekt sitzende Schminke: Fertig ist „Kiss“. Dazu noch die Bühnenanimation wie bei den Originalen und keiner merkt, dass hier die Epigonen auf der Bühne stehen, die es aber ebenso gut drauf haben. Ulric Wurschy (Rhythmus-Gitarre/Lead Gesang) imitiert Frontmann Paul Stanley schlichtweg perfekt.

An der Länge seiner Zunge muss Ullrich Rauch (Bass/Gesang) noch arbeiten. Sein Gene Simmons ist aber ansonsten mit Fledermauskostüm und Körperumfang dem omnipräsenten Kiss-Bassisten angelehnt. Tobi Bartel (Lead Gitarre/Gesang) steht dem Meister Ace Frehley auf den sechs Saiten in nichts nach. Immer wieder haut er die bekannten Gitarrenriffs raus, dass es eine wahre Wonne ist.

Der Mann im Hintergrund sorgt nicht nur für den perfekten Rhythmus, sondern darf auch zwei Mal stimmlich ran: Max Friedrich (Drums/Gesang) hat seinen Peter Criss bis ins Letzte verinnerlicht. Das Schlagzeugspiel sorgt für den ordnenden Rahmen der überbordenden Songs von Musik-Exzentrikern. Es muss blinken, glitzern, leuchten, krachen, dann ist es „Kiss“. Die Bühnenshow ist für eine Coverband von allererster Sahne. Zwischendurch gehen auf den Seiten die Feuer hoch, dass die Wärme noch hinten im Saal zu spüren ist, und lässt Bartel seine Gitarre qualmen.

Und natürlich ist die Musik nicht vergessen: Irgendwo hat man die meisten Songs schon einmal gehört, wenn sie auch nicht alle im Gedächtnis haften geblieben sind. Trockeneis wabert in Massen durch die Luft, als die Band „Lick it up“ anstimmt. Der treibende Rhythmus und der mehrstimmige Gesang machen „Love gun“ zum Kracher.

Etwas sperriger sind die Songs mit Gene Simmons, pardon Ulli Rauch, am Mikro. „I love it loud“ ist ein solches. „Shout it out loud“ stimmt schon ein auf das, was die Band von den Gästen danach erwartet: dass sie Kiss-Hymne „God gave Rock’n’Roll to you“ lauthals mitsingen.

Der Schluss inklusive Zugabe ist quasi ein „Best of Kiss“. Erst „Black Diamond“, und dann nach „Beth“ das wummernde „Detroit Rock City“. Toppen lässt sich solch ein Song nur noch mit dem, worauf alle schon warten: „I was made for lovin‘ you“. Einer geht danach doch noch: „Rock and Roll all nite“ trifft genau den Nerv und beschreibt das Lebensgefühl der Musiker, die auf der Bühne ihre Helden leben.

Info: Die Kiss-Tribute-Band spielt das nächste Mal am Samstag, 4. Mai, in Groß-Umstadt am Max-Planck-Gymnasium. Mehr unter http://www.kiss-tribute-band.com

Werbeanzeigen