Milch-Qualität spielt eine noch größere Rolle

Qualität soll in Zukunft einen noch höheren Stellenwert gegenüber der Quantität bekommen. Die Milchlieferanten der Molkerei Hüttenthal folgten auf der Versammlung einhellig dem Vorschlag der Inhaber-Familie Kohlhage, den bisherigen Mengenzuschlag ab 1. April in den Basispreis mit einfließen lassen. „Damit entfällt zukünftig die Differenzierung über die angelieferte Menge“, erläuterte Britta Kohlhage. Ihr Mann Kurt zeigte sich mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr, das einen Zuwachs bei Umsatz und einen schönen Gewinn brachte, sehr zufrieden.

Beide führen den Betrieb inzwischen in dritter Generation. Bereits seit dem Jahr 1900 ist die Molkerei immer an der gleichen Stelle ansässig. Es wurde im Laufe der Zeit lediglich „ständig angebaut“, wie Kurz Kohlhage schmunzelt. Um die Milchpreise stabil zu halten, wurde 2018 nicht die komplette Menge der erfassten 5,7 Millionen Kilo verarbeitet. 800.000 Kilo gingen auf den Milchspotmarkt, erläuterte er.

Die Molkerei zählt aktuell 16 Milchlieferanten (14 für Kühe, zwei für Ziegen), die aus Löhrbach (bei Birkenau) über Kocherbach (bei Wald-Michelbach) und das Kerngebiet Mossautal bis nach Fränkisch-Crumbach kommen. Auch der 119 Jahre alte Betrieb geht mit der Zeit, informierte der Geschäftsführer. Eine neu aufgesetzte Webseite inklusive Social-Media-Auftritt „bringt verstärkte Anfragen übers Kontaktformular“, freute er sich. Dazu kommt ein verjüngtes Logo.

In gewissen Abständen bringt die Molkerei ein neues Produkt auf den Markt. „Der Gewürztaler“, eine Idee von Britta Kohlhage basierend auf einer speziellen Kreation für Miltenberger Bauern, findet eine gute Resonanz. Die Grundlage bildet der Mossautaler Käse, veredelt mit einem Gewürzmantel. Zum Überbacken, für Salat oder auch als Raclette-Käse lässt sich diese Leckerei verwenden.

Kohlhage stellte der Versammlung, zu der die Lieferanten mit der ganzen Familie gekommen waren, auch die Neuerungen und Erfolge vor. Er erwähnte den hessischen Jurypreis für regionale Lebensmitte, die der „cremige Hüttenthaler“ einheimste. Den Zweikomponenten-Becher, der bereits den Kunststoffanteil beim 500-Gramm-Becher um 50 Prozent reduziert, soll es demnächst auch für die 250-Gramm-Variante geben.

Bei der Milchpreisgestaltung waren die Kohlhages etwas in der Vorreiter-Rolle, als sie Milchfett und -eiweiß gleich bewerteten. „Jetzt passt auch die größte deutsche Molkerei DMK die Bezahlung auf 1:1 an“, sagte der Geschäftsführer. In guter Gesellschaft ist der regionale Betrieb ebenfalls bei der Abschaffung des Liefermengenzuschlags. Schwälbchen oder Campina gehen ebenfalls in diese Richtung. „Ein reines Mengenwachstum ist nicht gut“, betonte der Molkereichef.

Es soll zukünftig daneben nur noch „einen Milchpreis Hüttenthal“ geben, der alle Zuschläge enthält. Gentechnikfreie, traditionelle Fütterung, eine glyphosatfreie Landwirtschaft und Weidehaltung sind dafür Voraussetzung. Kohlhage wies darauf hin, dass man bereits vor 21 Jahren mit der Einführung des „Weidepfennigs“ frühzeitig die Weichen hin zu einer traditionellen Form der Milcherzeugung im Odenwald gefördert habe. Kein Landwirt sei weiter als 25 Kilometer entfernt und beherberge eine überschaubare Anzahl von Milchkühen.

Weidehaltung „ist nicht mehr mit Aufwand oder höheren Kosten“ als Stallhaltung verbunden, hob Kohlhage hervor. Im Gegenteil: „Die Tieren bewegen sich mehr und sich gesünder.“ Der Mehraufwand wird durch Einsparungen bei den Stallarbeiten ausgeglichen. Fast alle Hüttenthal-Lieferanten arbeiteten inzwischen in dieser Weise.

Die beiden Geschäftsführer informierten darüber, dass seit vergangenen Herbst die komplette Milcherfassung durch die Transportfirma von Sven Trumpfheller aus Michelstadt geschieht. Seit einem Jahr ist Patrick Hofmann der neue Betriebsleiter, teilten die Kohlhages mit. Er folgte auf den mehr als 30 Jahre tätigen Molkereimeister Helmut Schwöbel. Über die Erweiterung der Direktvermarktung sprach zum Schluss Tochter Annalena.

DLG-Auszeichnung für „herausragende Milchqualität im Jahr 2018“: Werner Friedrich, Bettina und Markus Koch sowie Ernst Schäfer

Zahlen Molkerei

Milcherfassung 5,7 Millionen Kilo (plus 4,9 Prozent gegenüber 2018)

Milchverarbeitung 4,9 Millionen (plus 2,6 %)

Anzahl Milchlieferanten: 14 mit Kühen, zwei mit Ziegen

Durchschnittliche Anlieferung mit Kuhmilch: ca. 409.000 Kilo

Durchschnittliche Kuhleistung in Deutschland: 7780 Kilo, im Schnitt 52 Kühe pro Lieferant

Umsatz: 4,75 Millionen Euro (plus 1,1 Prozent)

Fest angestellte Mitarbeiter: 22, außerdem vier geringfügig Beschäftigte

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